Christo-Projekt

Staufenbergerin läuft übers Wasser

von Jörg-Peter Schmidt christo5

Der Verhüllungskünstler Christo hat auf dem Iseosee in der Lombardei auf insgesamt drei Kilometern Länge Stege aus rund 200.000 aneinander gehefteten Würfeln bauen lassen. Die Staufenbergerin Bärbel Wallenfels ist über die leicht schaukelnden Pontons gelaufen . „Ein unvergesslicher Moment“, sagt sie.

Sie kommen aus aller Welt

Als die in Staufenberg (Kreis Gießen) lebende Bauzeichnerin Bärbel christo1Wallenfels aus der Zeitung und dem Fernsehen von dem aktuellen Projekt des Künstlers Christo erfuhr, war sie sofort begeistert. Bekanntlich hat der 81-jährige, der 1995 zusammen mit seiner Frau Jeanne-Claude den Berliner Reichstag verhüllen ließ, auf dem Iseosee in der Lombardei auf insgesamt drei Kilometern Länge Stege aus rund 200.000 aneinander gehefteten Würfeln bauen lassen, die den Ort Sulzano mit den malerischen Inseln San Paolo und Monte Isola verbinden. Seit dem 18. Juni 2016 sind bereits Hunderttausende aus aller Welt nach Norditalien geströmt, um auf den leicht schaukelnden Verbindungen übers Wasser zu laufen.

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Dank des Christo-Kunstprojekts ist der malerische Iseosee gerade in diesen Tagen zu einer Begegnungsstätte für Menschen aus aller Welt geworden. Die Stimmung ist friedlich und entspannt, berichtet Bärbel Wallenfels.

Die goldgelb schillernden Textilbahnen beeindrucken

Bärbel Wallenfels hat sich kürzlich allein ins Auto gesetzt und ist die christo2rund 850 Kilometer von Staufenberg in die Lombardei gefahren, um sich selbst davon zu überzeugen, ob das Kunstprojekt zu Recht ein Publikumsmagnet geworden ist. „Ich weiß, dass es auch große Skepsis gegenüber den Ideen von Christo und seiner 2009 verstorbenen Frau gibt, denen unnötige Geldverschwendung vorgeworfen wird“, sagte die Oberhessin im Gespräch mit dem „Landboten“. Die Übungsleiterin für Rückenschule und Aquajogging  hat allerdings überwiegend positive Eindrücke in Italien gewonnen: „Bereits wenn man von weitem die goldgelb schillernden 16 Meter breiten Textilbahnen  auf dem in einem Bergtal gelegenen See nördlich von Brescia erblickt, ist man beeindruckt.“ Mit großem Interesse erfuhr sie, dass die rund 100 000 Quadratmeter Stoff, mit dem die künstlichen Wege auf dem Wasser überzogen sind, von der Firma Setex in Greven (Nordrhein-Westfalen) hergestellt worden ist.  Auf diese Weise hat eine deutsche Firma zu der viel beachteten Installation in Italien beigetragen.

Das Christo-Projekt ist sehr gut organisiert

Angenehm überrascht war die Staufenbergerin von der christo3Organisation. Eintritt wird von den Veranstaltern keiner erhoben; Christo will nach eigenen Angaben die rund 15 Millionen Euro Kosten durch den Verkauf beispielsweise von Modellen und Zeichnungen von seinem Projekt ausgleichen.
„Die Bevölkerung in den Dörfern rund um den See ist in die Organisation eingebunden und  nimmt keine Horrorpreise von den Touristen“, ist der Eindruck der Oberhessin, die etwa zehn Kilometer vor  Sulzano von einem Landwirt einen Parkplatz angeboten bekommen hat (Kosten: zehn Euro). Von dort aus gelangte sie mit dem Shuttle-Service (für rund 2,50 Euro) zum See, dessen Stege auch noch ein Stück übers Land geführt werden. “ Die Organisatoren lassen die Touristen nur gruppenweise loslaufen, um Überfüllung zu vermeiden“, so Bärbel Wallenfels, der  aufgefallen ist, dass ständig Polizisten, Sicherheitsdienste, Rettungsboote und Hubschrauber unterwegs sind, damit notfalls eingegriffen werden kann, wenn jemand gesundheitliche Probleme hat.  Dies ist leider oft der Fall, da verschiedene Touristen nicht die mehrsprachigen Ermahnungen  beachten, sich bei großer Hitze ausreichend mit Getränken, Sonnencreme und -hüten zu versorgen.

Moment außergewöhnlicher Kunstgeschichte
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Die Staufenbergerin ist zurück bei ihrer Familie und betrachtet sich zusammen mit Hündin Tessa Fotos von ihrer Reise. (Foto: Jörg-Peter Schmidt)

Und wie ist es auf dem Wasser zu spazieren, möglichst barfuß, wie Christo empfiehlt?   „Es waren unvergessliche Momente friedlicher Zusammenkunft von Menschen aus vielen Nationen, die sich auf den leicht schaukelnden Pontons in Richtung Inseln und zurück in einer beeindruckenden Landschaft zusammenfanden“, hat die Staufenbergerin die Bilder vor Augen, an die sie sich immer gern erinnern wird. Und als sie schließlich wieder zurück in Sulzano war, erwartete sie erneut kein Nepp, keine überteuerten Getränke oder   touristischen Angebote zu Höchstpreisen, wie sie unterstreicht.
Nach einer Übernachtung am Gardasee trat sie die Heimreise (wieder über den Gotthard) an – in der Gewissheit, Zeuge von Momenten außergewöhnlicher Kunstgeschichte geworden sein. Bis zum 3. Juli 2016 will Christo die Menschen noch über das Wasser laufen lassen Ob es aufgrund der großen Resonanz eine Verlängerung geben wird?

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