KI-Angst

Suchwerkzeuge außer Kontrolle

Von Dietrich Jörn Weder

Den Schöpfern künstlicher Intelligenz sind ihre Geschöpfe plötzlich unheimlich geworden. Sie nehmen erschreckt wahr, dass die neuen superklugen Suchwerkzeuge nicht nur für gute, sondern auch für üble Zwecke genutzt werden können, im schlimmsten Fall auch von kriegführenden Parteien und Terroristen.

Intelligenz ohne Moral

Die erschrockenen KI-Verkäufer würden die Entwicklung ihrer hochintelligenten Kinder gerne anhalten, aber weniger aus einem plötzlich erwachten schlechten Gewissen heraus, sondern eher um sich weitere Kosten zu ersparen, sagen Kritiker der Branche. Aber der Geist ist wie in dem entsprechenden Märchen erst einmal aus der Flasche und nur schwer wieder einzufangen.

Da ist zum einen der mit sehr viel Geld verbundene Wettbewerb der KI-Unternehmensriesen untereinander. Und zum anderen rüsten die USA und China auf diesem Feld gegeneinander auf, um nicht in der militärischen Nutzbarkeit der Intelligenzwaffe ins Hintertreffen zu geraten.

Wer zügelt die davongaloppierende KI?

Der kardinale Geburtsmangel der Computer-Intelligenz ist das Fehlen einer leitenden Moral. Man kann der KI-Suchmaschine die Frage stellen: „Wie kann ich meinem Nachbarn am besten schaden, ohne entdeckt zu werden?“ Ich habe nicht nach der Antwort darauf gefragt. Aber ganz sicher ist KI gegebenenfalls auch Terroristen bei ihrem Tun behilflich. Letztere könnten mit Hilfe von KI biologische Waffen bauen, hat Dario Amodei, Chef des KI-Unternehmens Anthropic, in New York vor den Vereinten Nationen gewarnt.

Die Chefs der größten US-amerikanische KI-Firmen Open AI und Anthropic erklären sich beide bereit, bei der offenbar nötigen Regulierung ihrer Erfindungen mit staatlichen Stellen zusammenzuarbeiten. Das drängt sich auch auf, wenn die Maschinen-Intelligenz bei unsachgemäßem Gebrauch zum Risiko für die gesamte Menschheit werden kann, wie es der Anthropic-Chef formuliert.

Viel Aufwand für Mathe-Aufgaben

Bevor sie den Staat zur Hilfe rufen, sollten die KI-Anbieter freilich erst einmal für Ordnung in ihrem eigenen Hause sorgen und ihre Versuchskaninchen an ungewollten Ausflügen hindern. So hatten doch KI-Agenten von Anthropic bei einer Lösungssuche ihr abgegrenztes Spielfeld verlassen und eine fremde Plattform geentert. Erst dieser Vorfall und ähnliche, offenbar gewordene Vorkommnisse haben die KI-Unternehmen zu der Einsicht gebracht, dass da etwas aus dem Ruder läuft, das sie erst einmal einfangen müssen.

Stolz weist Sam Altmann von Open AI darauf hin, dass seine Intelligenz-Maschinerie nun bereits mathematische Milleniumsprobleme löse, deren Lösung der Mathematiker-Elite bisher nicht gelungen sei. Die Lösung schwieriger Mathematik-Aufgaben hätte man aber weiter menschlicher Intelligenz überlassen können, ohne dass der Menschheit etwas gefehlt hätte. Gerne hätte man dagegen von nennenswerten KI-Beiträgen zum Klimaschutz oder der Beendigung von Kriegen gehört.

Gewichtige neue Errungenschaften, die den Ressourcen-Aufwand für ihre Quadratkilometer großen Ersatzhirne rechtfertigen könnten, haben die KI-Anbieter bisher nicht vorzuweisen. Verlangen die Menschen wirklich nichts dringlicher, als dass ihnen die Mühe eigenen Nachdenkens und Erinnerns durch eine Riesenmaschinerie erspart wird? Gefragt wurden wir danach nicht, den Preis für die ungefragte Hilfe werden gleichwohl viele bezahlen, am ehesten aber die Berufsanfänger, deren Einstellung man sich erspart, weil KI die Arbeit an ihrer Stelle billiger besorgt.

Dr. rer. pol. Dietrich Jörn Weder war Jahrzehnte lang leitender Umweltredakteur und Fernsehkommentator des Hessischen Rundfunks. Seit seiner Pensionierung arbeitet er als freier Autor für Print- und Audiomedien. Er betreibt den Blog Wachposten Frankfurt, auf dem er Kommentare zu aktuellen Themen veröffentlicht. Wachposten

Titelbild: Humanoider Roboter Kotarō (Bildquelle: Wikipedia/Manfred Werner – Tsui – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, httpscommons.wikimedia.orgwindex.phpcurid=4762533)

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