Schutz dringend nötig
Von Dietrich Jörn Weder
Die gegenwärtige Abkühlung nach der großen Juni-Hitze sollte niemand in Sicherheit wiegen. Wenn nicht für diesen, dann für den nächsten Sommer sollten wir uns auf noch heißere Hitzewellen einstellen, wie sie heuer bereits Spanien und Frankreich plagten. Die Klimawissenschaft rechnet jedenfalls mit einem beschleunigten Fortschreiten der Erderwärmung, unter anderem weil weniger Sonneneinstrahlung in den Weltraum zurückgespiegelt wird. (The Economist, 18.Juli :“Reflections on a warming planet“)
Kühlung für Kliniken
Also hilft nur die Anpassung an das vorerst Unvermeidliche. Die naheliegendste und vielversprechendste Lösung für den Privatmenschen ist der Einbau einer Klima-Anlage. Und damit nicht noch mehr Leute durch Überhitzung sterben, muss die Öffentliche Hand dringend das Gleiche in den leider zuallermeist nicht klimatisierten Krankenhäusern und Pflegeheimen tun. Von den 6.800 Hitzetoten, die das Robert-Koch-Institut für die ersten Sommermonate ermittelt hat, waren 80 Prozent über 75 Jahre alt.
Städte verschatten
Auch im öffentlichen Raum braucht es Hitzeschutz. Die Städte benötigen vor allem viel, viel mehr Grün, um den Aufenthalt im Freien erträglich zu machen. Davon ist beispielsweise in der Großstadt Frankfurt am Main aber bisher erschreckend wenig zu sehen.Auf längere Sicht ist mediterrane Architektur angesagt, mit überkragenden Dächern, Fensterläden , dicken Mauern und hohen Räumen. Aber das braucht Zeit und verschlingt viel Geld, das erst einmal aufgebracht werden muss.
Mehr E-Autos als Verbrenner
Um auf längere Sicht die Aufheizung des Weltklimas zu bremsen, muss der Verbrauch fossiler Treib- und Brennstoffe zurückgedrängt werden. Da aber gibt es gute und weniger gute Nachrichten. Klimafreundliche, erneuerbare Energien trugen im ersten Halbjahr 2026 deutlich mehr als die Hälfte zur Stromerzeugung bei, und das mit steigender Tendenz. Erstmals wurden im Juni in Deutschland mehr elektrisch angetriebene Autos als Verbrenner verkauft.
Besseres Klima nach Trump
Weniger schön dagegen: Die EU will die Vergabe von Emissionsrechten für die Wirtschaft für eine Weile großzügiger handhaben, um der europäischen Industrie weitere Wettbewerbsnachteile im internationalen Handel zu ersparen. Zu viele Länder lassen sich den Klimaschutz keinen Cent kosten. Man denke nur an die USA, deren Präsident den Klimawandel den Klimawandel leugnet und sogar Treibhausgas reduzierende Investitionen wie den Bau von Windmühlen vor der Küste gestoppt hat.
Selber vorausgehen
Spätestens mit Trumps Abgang muss Klimaschutz zu einer international konzertierten Bemühung werden oder die Aufheizung der Atmosphäre läuft bis zur Mitte des Jahrhunderts kaum gebremst weiter. Wenn wir bis dahin gleichwohl fossile durch erneuerbare Energien ersetzen, gewinnen wir Versorgungssicherheit und ersparen der Volkswirtschaft in der Summe Milliarden, die nicht mehr den verschwenderischen Ölscheichs zufließen.
Wer sich jetzt ein Balkonkraftwerk zulegt, ein Elektro-Auto kauft oder die subventionierte Wärmepumpe einer Gasheizung vorzieht, geht mit gutem Beispiel voran. Viel spricht auch hier für Gorbatschows Mahnung: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.“
Dr. rer. pol. Dietrich Jörn Weder war Jahrzehnte lang leitender Umweltredakteur und Fernsehkommentator des Hessischen Rundfunks. Seit seiner Pensionierung arbeitet er als freier Autor für Print- und Audiomedien. Er betreibt den Blog Wachposten Frankfurt, auf dem er Kommentare zu aktuellen Themen veröffentlicht. Wachposten
Titelbild: Hitzeschutz. (Bildquelle: Wikipedia/Von Frank Liebig – Archiv Frank Liebig, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=79839559
