SPANNENDE HISTORIE

Wo liegen Wurzeln der Energie?

Wie sieht die Energieversorgung von morgen aus und wo liegen ihre Wurzeln? Bei der vierten „Tour der Energien“, die das Klimaschutzteam des Landkreises Gießen organisiert hat, konnten rund 30 Interessierte erleben, wie sich die Energiegewinnung im Landkreis Gießen im Wandel der Zeit verändert hat.

Start bei Grüninger Warte

Die Grüninger Warte. (Quelle: Wikipedia, Cherubino)

„Die Energietour bietet den Teilnehmenden die Möglichkeit, das Wachstum und unterschiedliche Formen erneuerbarer Energien nachvollziehen zu können. Damit stärkt sie das Verständnis und die Akzeptanz von modernen Energieformen“, sagt Landrätin Anita Schneider, berichtet die Pressestelle des Landkreises Gießen in einer Reportage. 

Rund 30 Teilnehmende konnten bei der vierten Tour der Energien Interessantes zur Energiegewinnung im Wandel der Zeit erfahren. Startpunkt war die Grüninger Warte. (Foto: Landkreis Gießen)

Die Radtour führte vorbei an historischen Windkraftanlagen und Wassermühlen, ehemaligen Braunkohlegruben und modernen Solarparks. Startpunkt war die Grüninger Warte, die im 18. Jahrhundert Turm einer damals modernen Windmühle war. Dort wurde die Mühle dank einer sogenannten Augmented-Reality-Tour wieder sichtbar; die Teilnehmenden konnten über ihr mobiles Endgerät erleben, wie die Mühle einst wohl ausgesehen hat. Zudem gab Diplom-Geologe Dr. Walter Lenz, Vorsitzender des ADFC im Kreis Gießen, Einblicke zur Geologie und regionalen Erdgeschichte anhand des Landschaftsbildes.

Braunkohlegruben waren bedeutend

Welche Bedeutung den Wassermühlen an der Wetter einst zukam, erfuhren die Radelnden an der Berger Mühle kurz vor Muschenheim. Sie ist eine der wenigen, die sich heute noch drehen und veranschaulicht, dass die Leistung von Mühlen seinerzeit ein Vielfaches dessen war, was Mensch oder Tier bewältigen konnte.

Bedeutsam für die Region waren im 20. Jahrhundert zudem die Braunkohlegruben bei Hungen. Der Sachsensee in Bellersheim und der Trais-Horloffer See sind heute die letzten Überbleibsel dieser industriellen Entwicklung vor Ort. Walter Lenz erklärte: „Das Großprojekt ,Energie für Frankfurt und das Umland‘ prägte ein Jahrhundert lang das Leben vor Ort. Nach 1900 beherrschten zunächst der untertägige Bergbau, später Bagger und Förderbänder zur Braunkohlegewinnung das Landschaftsbild. Das Kraftwerk in Wölfersheim wurde bis 1962 in seiner Leistung stetig erweitert. Als seine Ära im Jahr 1991 endete, waren 1250 Hektar Landschaft tiefgründig umgegraben und 25 Milliarden Kilowattstunden Strom erzeugt worden. Diese Energiemenge hätte eine Photovoltaikanlage in 40 Jahren auf der gleichen Fläche gewinnen können.“

Solarpark in Trais-Horloff Station

Der Übergang zur modernen Energiegewinnung war die letzte Station am Solarpark in Trais-Horloff. Auf der ehemaligen Abraumhalde der Braunkohleförderung wird seit 2009 Strom erzeugt. Thomas Weichmann von den Stadtwerken Hungen gab den Teilnehmenden eine Führung und Einblicke in die Entstehung des ältesten Solarparks im Landkreis Gießen. Die Anlage hat mittlerweile rund 16 Millionen Euro Einnahmen gebracht, gleichzeitig hat sie im Vergleich zur Energiegewinnung aus Braunkohle rund 50.000 Tonnen CO2 eingespart.

Rütger Rollenbeck vom Klimaschutzteam des Landkreises hat die vierte „Tour der Energien“ initiiert und schließlich den wirtschaftlichen Aspekt von Photovoltaik-Anlagen für die Region betont: „Allein in den letzten drei Jahren hat sich die installierte Leistung im Landkreis Gießen fast verdreifacht. Das Potenzial ist aber längst noch nicht ausgeschöpft und wir sollten es nutzen, denn Photovoltaik ist die umweltfreundlichste und langfristig die ökonomisch beste Art, Strom zu erzeugen.“

Informationen zu dieser und vorangegangenen Touren der Energie können Interessierte über die Internetseite https://giessener-land.gim.guide abrufen. Dort sind auch die Zugänge zu den Augmented-Reality-Touren zu finden.

Weitere Initiativen des Klimaschutzteams im Landkreis Gießen gibt es unter https://klimacher.de.

Titelbild: (Foto-Ausschnitt). Dank Augmented Reality konnten die Teilnehmenden erfahren, wie die Windmühle auf der Grüninger Warte einst wohl ausgesehen hat. (Foto: Fabio Herrmann/Arrion)

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