Als er 1982 in Wiesbaden rockte
von Jörg-Peter Schmidt
Wer Neil Young, der jetzt 80 Jahre jung geworden ist, in einem Konzert erlebt hat, wird dieses fantastische Erlebnis nicht vergessen. Rückblende: Am 4. September 1982 begeisterten der Kanadier und seine Musiker auf den Rheinwiesen in Wiesbaden beim Golden-Summernight-Festival.Jethro Tull war „Vorgruppe“
Wer damals auf den Rheinwiesen in der hessischen Landeshauptstadt dabei war, erinnert sich gern. Ich war mit meinem Kumpel Wolfgang Schmelz (Blues- und Rock-Bassgitarrist aus Gießen) nach Wiesbaden gefahren und wir genossen erst mal die Auftritte beispielsweise von Jethro Tull, der Michael Schenker Group sowie King Crimson.
Neil macht Unrecht wütend
Dann: Bühne frei für Neil Young. Zu seiner Band gehört Nils Lofgren, der selbst einige Hits gelandet hat (wie das melancholische „Shine Silently“). Nils hat sein Trampolin mitgebracht und hüpft, während er Gitarre spielt, artistisch auf der Bühne hin und her.
Viele US-Amerikaner sind beim Festival als Zuhörerinnen und Zuhörer dabei. Neil ruft ihnen von der Bühne aus zu: Aus welchen States kommt ihr? Die Fans aus den USA antworten und sind bewegt. Nicht wenige von ihnen kennen die Texte Youngs komplett und singen die Songs mit. Auch mein Kumpel Wolfgang weiß die Texte auswendig und singt ebenfalls mit, was die Amis begeistert. Sofort spendieren sie uns Bier und Cola. Wir haben neue Freunde – dank Neil Young.

Die Band sendet eine politische Botschaft auf den Rheinwiesen: In „Cortez the Killer“, zuerst aufgenommen 1975, beschäftigt sich Young mit Hernan Cortés und seiner blutigen Eroberung Mexikos im 16. Jahrhundert. Young hat sich im Laufe seiner musikalischen Karriere immer wieder kritisch politisch geäußert, etwa in dem Titel „Ohio“: 1970 waren an der Kent-State-Universität in den USA mehrere friedlich gegen den Vietnamkrieg protestierende Studenten von einer Nationalgarde durch Schüsse getötet worden. Es gab zudem Verletzte. Crosby, Stills, Nash & Young, zu denen Neil damals gehörte, protestierten 1970 mit dem Song wütend. Die verantwortlichen Militärs für das Massaker wurden nie bestraft.
Highlight „Like a Hurricane“
„Ohio“ spielt Young 1982 in Wiesbaden nicht, aber auf der Setlist stehen unter anderem noch „Soul of a woman“, „Old Man“, „Birds“ und „Like a Hurricane“, der Rockklassiker, auf den sich viele Fans besonders gefreut haben. Wer weit hinten auf dem Festivalgelände steht, nimmt das Fernglas und beobachtet, wie Neil und seine Musiker sich für das Publikum restlos, aber auch wirklich bis zur Erschöpfung verausgaben: mit langen, wundervollen Gitarrensoli. Man wünscht, die Band würde an diesem Abend gar nicht mehr aufhören zu spielen, Zu den Zugaben gehört noch „Mr. Soul“ aus der Zeit von „Buffalo Springfield“.
Immer wieder rufe ich mir diesen unglaublichen Abend auf den Rheinwiesen im Gedächtnis zurück und drücke die Daumen, dass uns Neil Young noch ganz lange erhalten bleibt. Seine Musik ist ohnehin unsterblich.
Kein Fan von Donald Trump
Seit dem Festival von 1982 hat Neil Young noch Dutzende von wunderbaren Platten herausgebracht und man hat ihn in unzähligen Konzerten erleben dürfen. Er ist sich stets treu geblieben und es versteht sich von selbst, dass er kein Fan von Donald Trump ist. Mit 80 Jahren ist sein Widerstandsdenken ungebrochen. Und auch musikalisch ist er noch nicht am Ende angelangt.
Titelbild: Neil Young: Seine Musik ist oft von Protesten gegen Missstände geprägt. (Foto, Wikipedia, Tore Sætre)