Windpark Winterstein

Bündnis: 20 Rotoren wären sinnvoll

Von Klaus Nissen

Ein Bündnis aus 28 Organisationen wirbt seit Herbst 2020 intensiv für den Bau eines Windparks auf den teils bewaldeten Taunushöhen zwischen Rosbach und Wehrheim. Sinnvoll wären dort etwa 20 Anlagen, meinen die Befürworter. Doch die Anlieger-Kommunen zögern. Am 13. Juni 2021 unternahmen gut hundert Menschen eine Sternwanderung. Von Wehrheim, Ockstadt und Ober-Rosbach aus bestiegen sie den 420 Meter hohen Mainzer Kopf, bauten da ein hölzernes Windrad auf – und informierten über den Stand des Projekts.

Investoren und Kommunen zögern noch

Seit 2021 ist der Höhenzug an der Grenze von Hochtaunus und Wetterau ein Vorranggebiet zur Windkraftnutzung. Wer dort bauen will und mit den Grundbesitzern einig wird, kann das tun. Bisher hat sich allerdings noch kein Investor aus der Deckung gewagt.

Auf dem 420 Meter hohen Mainzer Kopf westlich von Ockstadt haben Windbruch, Dürren und Borkenkäfer den Wald vernichtet. Hier sollen nach Ansicht des Bündnisses Windkraft Winterstein Masten mit Rotoren klimaneutral Strom erzeugen. Fotos: Nissen

Der Vordertaunus überragt die gesamtliche westliche Wetterau – Windräder auf dem Mainzer Kopf wären auch vom gut 25 Kilometer entfernten Frankfurt aus zu sehen. Weiter südlich im Hochtaunuskreis haben gut situierte Anwohner bisher rigoros den Bau von Windmasten auf dem luftigen Taunuskamm verhindert. Der vom Klimawandel und vom Borkenkäfer gerupfte Wald weiter nördlich am Winterstein gehört zum größten Teil dem Bund, dem Land, den Städten Rosbach, Friedberg und den Gemeinden Wehrheim und Ober-Mörlen. Von den dort aktiven Kommunalpolitikern sprachen sich bisher nur die Grünen und die Linkspartei für eine Windkraftnutzung aus. Nach Ansicht des Friedberger Grünen-Politikers Florian Uebelacker gibt es nun Anzeichen, dass auch die Friedberger SPD den finanziellen und klimaschützerischen Nutzen eines Windparks einzusehen beginne.

Runder Tisch soll das Projekt voranbringen

Die Naturschützer des Bündnisses Windkraft Winterstein wollen verstärkt bei Politikern und Bürgern der Region für den Bau der Windkraftanlagen werben. Nach den Sommerferien 2021 solle in der Friedberger Stadthalle ein Runder Tisch zum Thema tagen, hieß es beim Treffen auf dem Mainzer Kopf. Die Hessische Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) bietet laut Diethardt Stamm vom Energiebildungsverein ihre Unterstützung für das Projekt an. Die Energieagentur des Landes könne den Runden Tisch moderieren.

Diethardt Stamm hält auch eine Wasserstoffproduktion mit dem Strom von Winterstein-Windanlagen für sinnvoll.

Auch die Bürgermeister und staatlichen Waldbesitzer des mehr als 400 Hektar großen Wintersteinareals haben angeblich schon gemeinsam über den Bau von Windmasten gesprochen, kolportiert das Bündnis. Was dabei herauskam, sei aber unklar. Uebelacker: „Dabei kann im Moment jeder Investor, der zum Beispiel auf dem Gelände des Hessenforst bauen will, Anträge stellen – ohne Behinderung durch Bebauungspläne.“ Auch durch den nötigen 15-Kilometer-Abstand vom nächsten Funkfeuer der Deutschen Flugsicherung wird der Bau von Windanlagen kaum noch zu verhindern sein, sagte Diethardt Stamm. Die Flugsicherer hätten namlich mitgeteilt, dass die Anflugverfahren bis 2030 bundesweit auf satellitengestützte Navigation umgestellt würden. Für den Frankfurter Flughafen wolle man das ab 2023 angehen.

Seit Ende 2020 feilen die Kommunen Wehrheim, Rosbach, Friedberg und Ober-Mörlen am gemeinsamen Bebauunggsplan Nr. 29 mit dem Namen „Natur- und Erholungsgebiet Winterstein“. Er sieht nur drei mögliche Windmast-Standorte vor. Die Bündnissprecher werten das als Blockade-Versuch. In einer Pressemitteilung heißt es: „Die Standorte wurden auch noch so ausgewählt, dass jegliche Weiternutzung des Wintersteingeländes verhindert würde. Auch die weiteren illegalen Einschränkungen wie Höhenbegrenzung der Anlagen oder wettbewerbswiderrechtliche Technikvorgaben dienen der Verhinderung eines effektiven Windparks.“ Und weiter: „Die sich beschleunigende Erderhitzung duldet keinen Aufschub mehr. Auch die Kommunen Friedberg, Rosbach, Wehrheim und Ober-Mörlen müssen ihren Beitrag zur Rettung des Klimas leisten und die Windenergie auf dem Winterstein jetzt anpacken.“

BUND: Bewohner der Region könnten Anteile zeichnen

Wenn das Bündnis Erfolg hat, könnte man gerade nicht fürs Netz gebrauchten Strom in die Produktion von Wasserstoff stecken. Das der Münzenberger Diethardt Stamm, der auch in der Mittelhessischen Energiegenossenschaft aktiv ist und für die Installation von Elektrolyseuren an älteren Windmasten arbeitet, die im Raum Schotten keine Zuschüsse aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) mehr bekommen. Dieser grüne Wasserstoff könnte in Butzbach zur Betankung der Wasserstoffzüge der Hessischen Landesbahn eingesetzt werden, sagte Stamm bei der Kundgebung auf dem Mainzer Kopf. So ein regionales Engagement könnte das regionale Versorgungsunternehmen OVAG eingehen – das wäre besser als dessen aktuelle Ökostrom-Projekte an der polnischen Grenze und auf dem Meer.

Gut hundert Menschen folgten dem Aufruf von 28 Organisationen zum Sternmarsch auf den Mainzer Kopf. Foto: Nissen

Die Stromproduktion der Winterstein-Windmasten würde die Steuereinnamen der Anlieger-Kommunen deutlich erhöhen, meinen die Bündnis-Sprecher. Die Menschen in den umliegenden Städten und Gemeinden müssten sich mit Kapitaleinlagen am Projekt beteiligen dürfen, forderte das BUND-Landesvorstandsmitglied Werner Neumann bei der Kundgebung auf dem Mainzer Kopf. Die Gewinne daraus dürften dann auch die Akzeptanz der Anlagen erhöhen.

Der Fernmeldeturm bekäme Gesellschaft durch zwei Dutzend Masten

Allerdings würde sich die Silhouette der Region durch den Windpark deutlich verändern. Der 105 Meter große Fernmeldeturm auf dem 518 Meter hohen Steinkopf bekäme dann einige Kilometer südlich Gesellschaft durch ein bis zwei Dutzend schlanker Metalltürme, auf denen sich Rotoren drehen. Deren Spitzen würden ungefähr auf einer Ebene mit der Spitze des 1972 errrichteten Fernsehturms liegen.

Zu Füßen jeder Windkraftanlage müsste eine unbewaldete Fläche von 1500 Quadratmetern bleiben, damit große Kranwagen bei Reparaturen schnell einsetzbar sind. Die Freiflächen existieren auf der Höhe schon jetzt – der in den letzten Dürresommern vertrocknete Wald auf dem Mainzer Kopf ist beispielsweise abgeräumt. Nur einige Eichen haben die Naturkatastrophe bislang überlebt. Auf der Brache wurden Jungbäume angepflanzt, die etwa kniehoch sind. Ihr Überleben ist nicht nur durch Windkraftpläne, sondern auch durch die kommenden Dürresommer und durch den Knospenfraß der vielen Wildschweine und Rehe gefährdet.

Ein Gedanke zu „Windpark Winterstein“

  1. Hallo Wind- und Sonnenfreunde,

    der Sternmarsch zum Winterstein bereitet Zuversicht. Er ist ein Beweis für die Hoffnungsthese, dass am Ende doch alles wieder gut wird. Wirklich gut kann es werden, wenn zusammen mit den Windmühlen angrenzend auf dem riesigen Gelände des Munitionsdepots der Bundeswehr zwischen Rosbach und Wehrheim großzügig Fotovoltaikanlagen gebaut werden. Die Betonbunker mit ihrem tödlichen Inhalt bieten sich förmlich für diesen zivilen Zweck an. Bislang hat noch keine verantwortlicher Vertreter der Bundeswehr oder der Politik seine bisherige Weigerung überzeugend begründet, solche Panelen zu dulden.
    Windkraft und Fotovoltaik in wechselseitiger Ergänzung am Rande eines Ballungsraumes könnten ein gigantisches Kraftwerk für grünen Strom darstellen.
    Wir holen unsere Energie preiswert und schadlos direkt vom Himmel, von der Sonne. Wir lassen die Kohle, das Gas und das Öl in den Tiefen der Mutter Erde.

    Weiter so, wünscht sich Peter Gwiasda in Wehrheim

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