Erste Windkraftwerke ab 2026
Von Klaus Nissen
Es gibt Neues zum Windpark auf dem Winterstein. Einer der beiden Projektentwickler hat die Genehmigung schon in der Tasche und will bald bauen. Bei der Infomesse in der Friedberger Stadthalle gab es auch Hinweise, wie viel Rendite Bürger erwarten können, die sich am Bau beteiligen.Windpark Winterstein mit 17 Anlagen
Links unten auf einer der gut drei Dutzend Stellwände stand ein Datum: Am 27 März erhielt der Projektentwickler Alterric aus Aurich die Genehmigung, vier Windkraftwerke zu bauen. Sie wachsen ab 2026 an der Ostkante des insgesamt 17 Masten zählenden Windparks, oberhalb von Rosbach. Alterric will die vier Anlagen auch betreiben.

Im kommenden Winter werde man die Bauplätze im bundeseigenen Wald roden, sagte der Alterric-Mitarbeiter Fabio Baque auf Nachfrage. Pro Windmast etwa einen Hektar (10 000 Quadratmeter). Die Hälfte davon könne nach dem Bau wieder mit Bäumen und Gebüsch besiedelt werden. „Drei unserer Anlagen entstehen auf Kalamitätsflächen“, so Baque. Der Wald sei dort schon durch Dürre und Stürme vernichtet. Nur die nördlichste Anlage wachse im bestehenden Wald.
Ein halber Hektar pro Mast
Auch die Zufahrt wird ertüchtigt für die Anlieferung der Turmsegmente, der Rotoren und der 7,2-Megawatt-Generatoren der Marke Vestas. Laut Fabio Baque prüft Alterric noch, ob die Anlagen über die Autobahnbrücke oberhalb Ockstadts in den Wald kommen. Oder von Süden her.

Dort baut der zweite Projektierer Abo Energy die Zufahrt für seine 13 Windkraftwerke. Laut Teamleiter Florian Datz zweigt sie im Köpperner Tal am unteren Teil der Asphaltstraße zum Munitionsdepot schräg rechts ab und führt zum Taunuskamm. Die Fahrbahn muss auf 4,5 Meter verbreitert und geschottert werden, an einer Steilstelle auch asphaltiert.
Rund 220 Millionen Kilowattstunden pro Jahr
Bis die Abo Energy-Windmasten wachsen, wird es wohl 2028. Alle Untersuchungen sind gemacht, so Florian Datz. Noch im April werde das Unternehmen beim Regierungspräsidium Darmstadt die Genehmigung beantragen.
Gemeinsam bereiten die Projektentwickler den Stromanschluss des Windparks vor. Etwa 220 Millionen Kilowattstunden sollen vom Winterstein jährlich in die 110 Kilovolt-Leitung fließen. Die verläuft östlich von Friedberg kommend westlich an Wöllstadt vorbei nach Südwesten. An einem der Gittermasten soll das Umspannwerk entstehen. Dort könnte man auch Batteriespeicher oder eine Wasserstoff-Produktion ansiedeln, so Datz auf Anfrage. Entschieden sei aber nichts. Momentan baue Abo Energy bei Hünfeld einen Elektrolyseur zur Wasserstoff-Produktion, um Erfahrungen zu sammeln.

All das kostet und bringt viel Geld. Jedes der 17 Windkraftwerke schlägt mit sieben bis acht Millionen zu Buche, schätzt Florian Datz. Sobald sie arbeiten, spülen sie den Landbesitzern teils Millionen an Jahrespacht in die Kasse. Friedberg, Rosbach und die Gemeinde Wehrheim haben satte 450 000 Euro pro Jahr und Windmast verhandelt. Alterric zahlt für seine vier Anlagen im Landes- und Bundeswald weniger, hieß es am Montag in der Stadthalle. Zusätzlich erhalten die Kommunen 0,2 Cent von jeder verkauften Kilowattstunde – davon profitiert auch Ober-Mörlen.
Darlehen bringen mehr Zins als das Festgeldkonto
Auch wer im Umland wohnt und den Windpark täglich sehen muss, kann damit Geld verdienen. Die eigens gegründete Zentralgenossenschaft will mit den Einlagen ihrer rund 11 000 Mitglieder möglichst viele Windanlagen kaufen. An deren Infostand hoffte Michael Schneider auf drei bis vier Prozent Zins. Allerdings sei der gesamte Energiemarkt im Umbruch. Und weil Abo Energy den Kommunen so hohe Pachten versprach, drücke das wohl die Rendite der Energiegenossen – „Das ist ein Riesenproblem“.
Wer dem Projektentwickler Alterric ab 2026 direke Nachrangdarlehen gibt, wird nach Einschätzung von Fabio Baque „einen Ticken mehr“ Zins bekommen als bei einer normalen Festgeldanlage. Abo Energy bietet den Anwohnern anderer Windparks laut Florian Datz um die 6,6 Prozent Zinsen für zehnjährige Darlehen über 500 bis 10 000 Euro. Die hiesigen Konditionen würden ab Frühjahr 2026 fixiert. Friedbergs Bürgermeister Kjetil Dahlhaus: „Ich hoffe sehr, dass die Beteiligungsmodelle greifen“. Sie hülfen den Menschen, sich an den Windpark zu gewöhnen.

Bei Dahlhaus, seinem Rosbacher Kollegen Steffen Maar, den Projektentwicklern und dem Weilroder Forstamtsleiter Thomas Götz meldeten sich am Montag auch Kritiker des Projekts. Der Wald werde dezimiert, meinte eine Ockstädtern. Vögel und Fledermäuse würden vergrämt. Die Menschen sollten lieber akzeptieren, dass sie nicht immer eine unbegrenzte Menge an Energie verbrauchen könnten. Aber leider, seufzte sie, „geht es prinzipiell um die Kohle“.