Welt der Kelten

Auf Expedition im Museum

glauberg2Von Bruno Rieb

Ein geheimnisvolles Volks sind die Kelten. Das Museum auf dem Glauberg bereitet deren Welt zu einer spannenden Exkursion auf.

Grausam und versoffen

Die Kelten hatten bei den antiken Hochkulturen keinen guten Ruf. Sie galten als grausam und maßlos beim Essen und Trinken. Vermutlich glaubten sie an eine Art Wiederauferstehung, wofür sie ihre Gräber entsprechend ausstatteten. Ins Grab des Keltenfürsten auf dem Glauberg war eine vier Liter fassende bronzene Schnabelkanne gelegt, gefüllt mit Met. Eine gute Ausstattung für eine lange Reise. Nicht allen Verstorbenen gönnten die Kelten die Wiederauferstehung. In einem Grab auf dem Dürrnberg bei Hallein ist das Skelette ines Mannes gefunden worden, dem Kopf und Brust durch einen großen Steinblock zerquetscht waren. In einem anderen Grab des selben Gräberfeldes war einem Mann das Becken entfernt worden und die Beine waren vermutlich gefesselt gewesen. Die Begräbnisse seien prunkvoll und aufwendig gewesen, schreibt Cäsar über die Kelten, die er Gallier nannte. „Alles, von dem sie glauben, dass es den Lebenden am Herzen lag, werfen sie ins Feuer, selbst Lebewesen, und noch vor nicht allzu langer Zeit wurden Diener und Hörige, die bekanntermaßen von den Verstorbenen besonders geschätzt worden waren, nach dem Abschluss der traditionellen Leichenfeiern mit ihnen zusammen verbrannt“, berichtet der römische Herrscher.

Auf dem Glauberg waren zwei Grabhügel entdeckt worden. Viel spektakulärer als die Skelette, die man darin fand, war die fast vollständig erhaltene, lebensgroße Statue aus rötlichem Sandstein eines Fürsten. Eine Blattkrone, die wie zwei riesige Ohren wirkt, gibt der Figur etwas witziges, trotz ihrer martialischen Ausstattung mit Panzer, Schwert und Schild.

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Der Fürstengrabhügel auf dem Glauberg. (Foto: Rieb)

Der Glauberg vor 2500 Jahren

Im Keltenmuseum können sich die Besucher auf eine spannende archäologische Forschungsreise in die Welt des Keltenfürsten begeben. Wie hat sich sein Volk mit Hilfe von Decken und Fibeln eingekleidet? Welcher Hüftknochen stammt von einem Mann, welcher von einer Frau? Der winzige Rest eines Samens gehörte zu welcher Pflanze? Ausgerüstet mit einem Expeditionskoffer können die Museumsbesucher dieses Fragen beantworten. Die Koffer werden an der Kasse verliehen. Sie enthalten Knochen-Nachbildungen, eine Decke und Fibeln, um die Kleidung der Kelten nachzuahmen, und eine Lupe, um Samen zu bestimmen. Dazu gibt es einen Fragebogen. Mit dem kann am Ende der Expedition durch das Museum festgestellt werden, ob alle Aufgaben richtig gelöst wurden.

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Museumspädagoge Thomas Lessig-Weller mit dem Expeditionskoffer für Schulklassen. (Foto: Rieb)

Den Rollkoffer gibt es auch in einer großen Variante, zu der auch ein nachgebautes Schwert der Kelten gehört. Diesen Koffer haben die Führer durch das Keltenmuseum dabei, wenn sie Gruppen die Funde vom Glauberg erklären. Mit dem schweren Schwert machen sie deutlich, wie kraftraubend der Umgang damit war. Die Führungen können mit Workshops kombiniert werden. Schleudern mit der Schlingenschleuder und Feuermachen wie die Kelten „sind die Renner“, sagt der Museumspädagoge der Keltenwelt am Glauberg Thomas Lessig-Weller. Zwei bis zweieinhalb Stunden müssen Gruppen für Führungen plus Workshop einplanen. Für Schulklassen gibt es passende Angebote und sogar schon für Kindergartengruppen.

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Die Statue des Keltenfürsten im Museum. (Foto: Wikipedia/Heinrich Stürzl)

Allerdings kommen nur wenige Schulklassen, wie Lessig-Weller beklagt. „Die Kelten sind in den Lehrplänen nicht berücksichtigt“, sagt er. In den Lehrbüchern folgten auf die Steinzeit gleich die Ägypter. Die Zeiten sind auch vorbei, in denen eine tapfere Comicfigur, der ein Zaubertrank phantastische Kraft verleiht, das Interesse an den Galliern geschürt hat. Um Lehrern Klassenfahrten zum Keltenmuseum schmackhaft zu machen, hat Lessig-Weller die Broschüre „Der Keltenfürst vom Glauberg und seine Welt“ verfasst. Die enthält Vorschläge, wie die Entdeckungen vom Glauberg fachübergreifend in den Unterricht eingebaut werden können. Met, der Honigwein, den die Kelten brauten, könnte ein Experiment im Chemieunterricht sein, schlägt Lessig-Weller vor. Und im Schulgarten könnte nachvollzogen werden, wie Archäologen Mauerwerk unter der Erde erkennen: Steine werden in einem Muster weniger Zentimeter unter der Erde vergraben, Gras wird ausgesät und die Schüler können beobachten, wie sich die Steine auf den Bewuchs auswirken. Die Broschüre kann von Lehrern kostenlos angefordert werden.

Mit einem Fragebogen ausgestattet, können sich Schulklassen wie Detektive durch die Ausstellung bewegen. „Ermittlungssache AZ 1/1996. Der Statuenfund vom Glauberg“ ist die Liste mit Fragen überschrieben. Ob die Männer oder die Frauen vom Glauberg größer waren, wird gefragt. Oder welche Tiere hier Haustiere waren. Alles Fragen, die sich bei aufmerksamem Betrachten der Ausstellung beantworten lassen.

Einladung zum Mitmachen

In der Ausstellung selbst wird auch immer wieder zum Mitmachen eingeladen. Die Besucher können an einem Bildschirm ausprobieren, wie die geophysikalische Prospektion funktioniert. Anhand eines Luftbildes kann der Glauberg Stück für Stück abgesucht werden. Funde können zugeordnet werden. Der Computer gibt vier Antworten vor und sagt, ob die richtige ausgewählt wurde.

An anderer Stelle können Samen bestimmt werden. Ein Vergrößerungsglas wird auf einen winzigen Samenrest geschoben, der vielfach vergrößert auf einem Bildschirm erscheint. Mit einem Bestimmungsbuch kann die Pflanze identifiziert werden, von der der Samen stammt. Der Computer sagt schließlich, ob richtig bestimmt wurde.

Weitere Informationen und Anmeldung zu Führungen unter Telefon 06041/8233024 oder im Internet unter www.keltenwelt-glauberg.de

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