Telekom

Offline – aber wie!offline

Von Bruno Rieb

Ein defekter Router führte zu einer kuriosen Wanderung durch den Beratungsdschungel der Telekom.

Wanderung durch den Beratungsdschungel

Nichts. Meine Internetverbindung ist tot. Der Server könne nicht gefunden werden. Mit diesem Hinweis enden alle meine Versuche, ins weltweite Datennetz vorzustoßen. Mein Telefon funktioniert – noch. Ich rufe die Telekom an, über die ich seit knapp zwei Jahrzehnten mit der Welt verbunden bin (vielleicht bald war). Eine strapaziöse Wanderung durch deren Beratungsdschungel beginnt.

Mein erstes Gespräch mit einem Berater endet mit dem Verdacht, dass mein bejahrter Router defekt ist – und mit einem neuen Vertrag mitsamt neuem Router. „Magenta“ heißt mein neuer Tarif. Der ist auch noch deutlich günstiger als der alte. Glücklich sause ich zum Telekomladen in Butzbach, kaufe mir den Router. An diesem Tag hat die Telekom die Spendierhosen an: Mitsamt einem „Bluetooth Stereo Speaker xqS10“ ist der Router zehn Euro billiger als ohne. Kaum zu glauben, aber wahr. Erst nach und nach wird mir klar, dass die Ferne zur Logik Bestandteil der Unternehmsstruktur ist.

Der Verkäufer im Butzbacher Telekomladen fragt mich, nachdem er meine Daten in seinen Computer eingegeben hat: „Wissen Sie, dass Ihr neuer Vertrag erst ab Oktober gilt?“ Nein, weiß ich nicht. Ist mir in dem Moment aber auch egal. Später nicht mehr.

Bald ist auch das Telefon tot

Schnell zurück und den neuen Router strikt nach Anleitung angeschlossen – nichts tut sich. Nun ist auch noch das Telefon tot. Mit dem Handy ein Notruf bei der Telekom. Nein, ich dürfe den Router nicht nach der beiliegenden Anleitung anschließen, da ich ja noch keinen neuen Anschluss habe. Der Berater erklärt mir, wie ich das neue Gerät mit dem alten Anschluss verbinde. Bei allen Erklärungsversuchen bleibt stets ein Kabel übrig. Er werde sich sachkundig machen und mich später zurückrufen, verspricht er mir. Inzwischen funktioniert wenigstens das Internet. Das Telefon bleibt tot und der versprochene Rückruf auf dem Handy aus.

Am nächsten Tag erneuter Anruf bei der Telekom. Dreimal meinen Fall erklären, bis einer auf die Idee kommt, mit dem neuen Router könne mein Telefon nicht funktionieren, dafür sei der neue Anschluss nötig. Der Router sei für „Voip“ ausgelegt, ich hätte noch ISDN. Er werde sich erkundigen, was man nun tun könne, und mich zurückrufen. Der Rückruf bleibt aus. Dafür kommt kurz vor Mitternacht – es ist Freitag – eine SMS, dass man sich am Montag bei mir melden werde.

Am Wochenende experimentiere ich. Beim alten Router hatte das Telefon noch funktioniert, also schließe ich das Gerät parallel zum neuen Router an – und siehe da, das Telefon funktioniert wieder. Am Montag damit sogleich mit der Telekom telefoniert. Ob man inzwischen eine Lösung wisse? Wisse man nicht. Den alten Router, der nur gemietet ist, soll ich zurückgeben. Ob man ihn nicht einfach umtauschen könne? Nein, der werde nicht mehr verkauft. Warum ich bis Oktober unter diesen Umständen auf den neuen Anschluss warten müsse? Der Berater murmelt etwas von einem „höherwertigen Vertrag“. Meine Geduld murmelt mir zu, dass sie sich langsam sehr strapaziert fühlt. Ob ich bei einem Anbieterwechsel schneller eine funktionierende Leitung bekomme? Er werde sich um eine Lösung bemühen, verspricht der Berater.

Das war vor zwei Wochen.

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