Renaissance

Malerei und Morderenaissance1

Jörg-Peter Schmidt

Die Renaissance war von Schönheit und Missgunst, Künstlern und ihrer Genialität, Hass und Massenmorden geprägt, berichtete der Theologe und Historiker François Kassis in der Phantastischen Bibliothek in Wetzlar. Das Gemälde Bild zeigt Caterina de‘ Medici.

Die Päpste der Medici

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François Kassis während seines Vortrags. (Foto: Schmidt)

François Kassis (Waldbrunn im Kreis Limburg-Weilburg) hat sich auf die Religions- und Kirchengeschichte der Renaissance spezialisiert und kann über diese interessante Zeit spannend, detailliert und fachkundig berichten. Der Vortrag, den jetzt der Theologe und Historiker auf Einladung der Volkshochschule in der Phantastischen Bibliothek Wetzlar hielt und mit zahlreichen Lichtbildern untermalte, handelte wieder von dieser Epoche, die von Schönheit und Missgunst, Künstlern und ihrer Genialität, Hass und Massenmorden geprägt war. ­ Kassis, der in Rom Kirchengeschichte studiert hat und sich oft in Italien (unter anderem in Venedig oder Mailand) aufhält, setzte seine zweiteilige Schilderung der Geschichte Familie Medici aus Florenz fort (über den ersten Teil des Vortrags hatte der „Landbote“ bereits berichtet). Diesmal beschäftigte sich der Dozent für Italienisch an der Volkshochschule Limburg unter anderem mit zwei Päpsten, die die Medici stellten: Clemens der VII. (1478 – 1534 und Leo der X. (1475 bis 1521). Clemens bewies durch den Abschluss des Friedensvertrag mit Karl V. großes Verhandlungsgeschick im Umgang mit den Mächtigen der Welt, was man von Leo nicht behaupten kann: Die Ablassbriefe, deren Verbreitung er als Papst förderte, brachte Martin Luther derart in Rage, dass er gegen diesen Missstand mit seinen 1517 an die Wittenberger Schlosskirche angeschlagenen Thesenschriften protestierte.

Der Prächtige

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Leo der X.

Einer den bedeutendsten Medici war Lorenzo il Magnifico (der Prächtige); er lebte 1449 bis 1492. ­ Zu seinen zehn Kindern mit der von ihm sehr geliebten Ehefrau Clarice Orsini gehörte auch Giovanni, der besagte Papst Leo X. Lorenzo ist es zu verdanken, dass sich beispielsweise Leonardo da Vinci, Sandro Botticelli und Michelangelo Buonarroti künstlerisch so großartig entwickeln konnten. Er schaltete sich auch in die Planung bedeutender Bauprojekte wie die Kirche San Salvatore al Monte ein. Allerdings soll er seinen Soldaten bisweilen grausame Plünderungen erlaubt haben.
Seit dem 26. April 1478 war sein Leben von Traurigkeit. gekennzeichnet. An diesem Tag floss während der Ostermesse in der Kirche Santa Maria del Flore Blut: Bei der Verschwörung der mit den Medici verfeindeten Pazzi-Familie stachen Bernardo Bandini und Franceschino Pazzi auf Lorenzo und seinen Bruder Giuliano ein, der starb. Lorenzo überlebt und übte Rache an den Mördern und ihren Helfern, von denen auch der Graf von Montesecco und der Erzbischof von Pisa getötet werden. Laut neuen Forschungen soll der Mordbefehl von Federico da Montefeltro, dem Herzog von Urbino, brieflich ausgegangen sein. Andere Historiker behaupten nach wie vor, der heimliche Auftraggeber sei Papst Sixtus IV. gewesen.

Bartholomäusnacht – Grausames in der Renaissance

François Kassis berichtete noch von zwei weiteren umstrittenen historischen Persönlichkeiten der Renaissance: zum einen über den Bußprediger Savonarola, der noch zu Lebzeiten Lorenzos einen Feldzug gegen die Lebensfreude in der Musik und Malerei führte, sich aber die Wertschätzung der armen Bevölkerung erwarb, weil er gegen Amtsmissbrauch der Mächtigen und gegen verschwenderischen Luxus predigte.

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Die Bartholomäusnacht.

Nicht besonders gut kommt in der Geschichtsschreibung auch Caterina de’ Medici weg. Als Königin von Frankreich wird ihr nachgesagt, dass sie in der „Bartholomäusnacht“ in der Nacht zum 24. August 1572 die Weisung zur Ermordung von Tausenden von Hugenotten erteilte. Der Vortrag wurde abgeschlossen unter anderem mit der Lebensbeschreibung von Cosimo I. de’ Medici, der vor allem durch den Sieg 1537 gegen die verfeindeten Strozzi mit seinen Truppen in der Schlacht von Montemurlo bekannt geworden ist, und dem letzten Medici-Großfürsten Gian Gastone de’ Medici (1671 – 1737).

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