Nein zur Todesstrafe

Leben ist ein Menschenrecht

von Ursula Wöll

Nach 20jähriger Pause hat die Trump-Regierung im Jahr 2019 wieder mit Hinrichtungen auf Bundesebene begonnen. In der letzten Woche seiner Amtszeit hat es der Noch-Präsident besonders eilig. Am Dienstag, 12. Januar 2021, starb bereits eine Frau, Mrs. Lisa Montgomery. Zwei weitere Hinrichtungen von afroamerikanischen Männern sollen folgen, am Donnerstag, 14. Januar, und am Freitag, 15. Januar 2021, dem Geburtstag von Martin Luther King. Trump ist in Eile, denn unter der Regierung Joe Biden wird wohl die Todesstrafe für Bundesgefangene endlich abgeschafft.

Alles Leben ist wertvoll

„All Life is precious“, welch ein schlichter, schöner Satz, der übersetzt lautet ‚Alles Leben ist wertvoll‘. Er stand auch auf Transparenten der „Death Penalty Action“, der größten US-Organisation, die sich gegen die Todesstrafe engagiert. Am 10. Dezember fand der jüngste Protest in Washington statt, der eine Aufschiebung der drei Hinrichtungen forderte (siehe Video). Es half nichts, ebensowenig wie ein Brief der Schwester von Mrs. Lisa Montgomery mit der Bitte um Begnadigung an Präsident Trump persönlich. Während ich am Mittwoch gemütlich frühstückte, wurde die Frau um 1.30 Uhr Ortszeit hingerichtet. Ich hatte durch eine Rundmail der “ Death Penalty Action“ davon gewusst, das schreckliche Ereignis aber verdrängt. Erst ein Artikel in der taz vom 12. Januar brachte es wieder in mein Bewusstsein. Wenn man sich vorstellt, dass nun auch die beiden nächsten Kandidaten Mr. Coney Johnson und Mr. Dustin Higgs in ihren Todeszellen im Bundesgefängnis ‚Terre Haute‘ in Indiana ihre letzten Stunden zählen, so ist das kaum auszuhalten.

Schleichweg zur Menschlichkeit

Wenn unter Joe Biden die Todesstrafe auf Bundesebene abgeschafft sein wird, so werden natürlich die zahlreichen US-Bundesstaaten mit Todesstrafe erst einmal ihre Hinrichtungspraxis beibehalten. Doch die GegnerInnen der Todesstrafe erhoffen sich längerfristig davon einen positiven Effekt. Der Weg in Richtung Menschlichkeit ist eben mühsam. Immerhin hat die UNO vor Weihnachten ihre Mitgliedsstaaten mit gesetzlicher Todesstrafe zu einem Moratorium aufgefordert. Und der Staat Kasachstan hat kürzlich die Todesstrafe abgeschafft. Das berichtet die deutsche ‚Initiative gegen die Todesstrafe eV.‘ Neben ‚Amnesty International‘ setzt sie sich für die weltweite Abschaffung der Todesstrafe ein. Unser Grundgesetz zählt das Recht auf Leben zu den obersten Menschenrechten. Es wäre zu wünschen, dass unsere Regierung dieses Menschenrecht bei der neuen US-Regierung in Erinnerung bringt, wenn sie ihr am 20. Januar gratuliert.

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