Landbote-Aktion

Lieblingsbuch: Früchte des Zorns

von Ursula Wöll

Der Landbote fragt seine Leser nach ihren Lieblingsbüchern. Landbote-Autorin Ursula Wöll verrät ihres: „Früchte des Zorns“ von John Steinbeck, veröffentlicht 1939 unter dem Originaltitel „The Grapes of Wrath“.

Der Treck nach Kalifornien

Der Roman beschreibt exemplarisch das Schicksal einer Familie während der Großen Depression Mitte der 30iger Jahre. Vor allem in Oklahoma werden die Dürre und der Staub so total, dass der Begriff ‚Dust Bowl‘ dafür entstand. Die Erosion damals war auch schon menschengemacht, denn Weizenfelder ersetzten das tiefwurzelnde Präriegras von einst. Um nicht zu verhungern, müssen die Farmer zu zigtausenden auf der Route 66 nach Kalifornien ziehen, wo sie auf Arbeit als Erntehelfer hoffen. So auch die Großfamilie Joad. John Steinbeck recherchierte genau und beschreibt ungeheuer spannend den beschwerlichen Treck, den Zerfall der Familie und die Enttäuschungen in Kalifornien, wo die Ankömmlinge auf Ablehnung stoßen. Er erhielt viele Anfeindungen, aber auch den Pulitzerpreis für diesen sozialkritischen Roman.

Großartige Momente der Solidarität

„Migrant Mother“ von Dorothea Lange

Bei allem Leid, das die Arbeitsmigranten durchmachen, gibt es auch großartige Momente der Solidarität in dem Buch, das so endet: Rose gebiert ein totes Kind. Sie lässt einen verhungernden alten Mann Milch aus ihrer Brust trinken. Ich werde diese ergreifende Szene nie vergessen. Neben Walker Evans hat die Fotografin Dorothea Lange damals die Migranten fotografiert. Ihr Foto „Migrant Mother“ ist bis heute berühmt.

John Steinbeck, Früchte des Zorns, dtv-Taschenbuch, 12,80

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