Kinder retten

Spielend erste Hilfe lernen

Von Bruno Riebsani5

Erste Hilfe kann Leben retten. Schon Kinder können helfen. Wie, das zeigt die Björn Steiger-Stiftung in kostenlosen Erste-Hilfe-Kursen für Kinder in Grundschulen, Horten und Kindergärten. Der Verein Tintenklecks in Büdingen hat den Kurs ausprobiert und ist zufrieden.

Kindgerecht aufbereitet

Der kleine rote Kobold Sani Sanelli spielt eine zentrale Rolle in den Erste-Hilfe-Kursen der Steiger-Stiftung. Mit seinen Geschichten lernen die Kinder spielerisch erste Hilfe leisten, ob beim Fahrradunfall oder bei Herzproblemen. Aber auch zum Krankenhausaufenthalt und zum Zahnarztbesuch weiß die drollige Stoffpuppe etwas zu erzählen.

Neun Kinder im Alter von vier bis elf Jahre verfolgten gespannt, was Sani2Benjamin Wadewitz ihnen mit Sanelli erklärte. Der Büdinger ist Erste-Hilfe-Ausbilder, arbeitet freiberuflich als Dozent im Gesundheitswesen, hat sich auf Erste Hilfe für Kinder spezialisiert und bietet die Kurse im Auftrag der Steiger-Stiftung an, die ihn dafür bezahlt. Im Tintenklecks ging es um eine Telefonnummer: 112, die Notrufnummer für die Rettungsdienste. Lernspruch für die Kleinen: „112 – Hilfe eilt herbei.“

Wenn die Lehrerin zusammenbricht

Für die jüngeren Kinder geht es alleine darum, wie man Hilfe ruft, in

Benjamin Wadewitz mit Kobold Sani Sanelli. Fotos: Hinteregger
Benjamin Wadewitz mit Kobold Sani Sanelli.                      Fotos: Hinteregger

weiterführenden Kursen wird auch gezeigt, wie Wunden behandelt werden (Wadewitz: „Verbinden oder Pflaster.“). Ab der dritten Klasse werden Verletzte in die stabile Seitenlage gebracht und Wiederbelebung durch Herzdruckmassage geübt. „Die Lehrerin ist am Pult zusammengebrochen und steht nicht mehr auf“, schildert Wadewitz das Szenario, das mit den älteren Kindern durchgespielt wird.

112 – Hilfe eilt herbei

Im Tintenklecks ging es alleine um den Notruf. Die Kinder lernen, die Scheu zu verlieren und an Handy-Dummys die 112 zu wählen. „Etwas schüchtern“ seien die Kinder geworden, als sie den sani3Handy-Dummy in der Hand hatten, berichtet Astrid-Ines Hinteregger, Vorsitzende des Vereins Tintenklecks. Wadewitze schilderte den Kindern, was in der Leitstelle der Rettungsdienste passiert, wenn ein Kind den Notruf gewählt hat und wie man sich dort auf die jungen Anrufer einstellt. Die Kinder müssen lernen, die Adresse zu sagen, damit die Leitstelle weiß, wohin der Rettungswagen fahren muss. „Eigentlich bringen wir Kindern bei, Fremden nicht ihre Adresse zu sagen. Nun müssen sie lernen, dass das in bestimmten Fällen nötig ist“, erläutert Hinteregger. Die Tintenklecks-Vorsitzende ist ganz angetan vom Kurs der Steiger-Stiftung. Das Thema sei kindgerecht aufbereitet, lobt sie.

Björn Steiger stirbt, weil Hilfe zu spät kommt

Am 3. Mai 1969 war der acht Jahre alte Björn Steiger auf dem Heimweg vom Schwimmbad von einem Auto erfasst worden. Es dauerte fast eine Stunde, bis der Krankenwagen kam. „Björn stirbt nicht an seinen Verletzungen, er stirbt am Schock“, berichten seine Eltern Ute und Siegfried Steiger, die am 7. Juli 1969 die Björn Steig-Stiftung gründeten, um die Rettung nach Unfällen deutlich zu beschleunigen. Die Stiftung hat seither viel zur Verbesserung des Rettungswesens beigetragen. Im Wetteraukreis gilt heute, dass ein Rettungswagen spätestens nach zehn Minuten am Unfallort sein soll.

Grundschulen, Betreuungsvereine, Horte oder Kitas in der Region, die einen Erste-Hilfe-Kurse für Kinder der Steiger-Stiftung buchen möchten, können sich bei Benjamin Wadewitz unter der E-Mailadresse b.wadwitz@steiger-stiftung.de melden.

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