Keltenwelt am Glauberg

Glanzvoll ins Jenseits

von Corinna Willführ

Die aktuelle Publikation der Keltenwelt am Glauberg trägt nicht nur den Titel „Glanzvoll ins Jenseits“. Sie ist selbst auch „glanzvoll“. Auf mattschwarzem Untergrund sticht dem Betrachter schon auf dem Titel eines der Prunkstücke der Dauerausstellung des Museums ins Auge: ein Halsring. Gerade einmal 175 Gramm wiegt dieser, davon sind 93 Prozent reines Gold. Doch es ist nicht allein das Edelmetall, das ihn auszeichnet, sondern seine handwerklich bis ins Detail ausgearbeite Gestaltung.

Erster Gesamtüberblick über die Funde

Die ebenso beeindruckt wie die Figurengruppe auf der Schnabelkanne aus dem Grab des Keltenfürsten. Rund 2400 Jahre alt, freigelegt in den 1990er Jahren. Erstmals dokumentiert der Band 2 der Glauberg-Schriften nun das vollständige Inventar der drei Gräber aus frühkeltischer Zeit: mit großartigen Fotos, detailreichen Zeichnungen und so fundiert wie gut verständlichen populärwissenschaftlichen Texten der Archäologin Daniela Euler.

Die Figuren sind bis ins Detail ausgearbeitet. (Fotos: Keltenwelt am Glauberg)

Vielen Menschen in Glauburg und der Region sind die Tage unvergessen, als 1994 Archäologen am Fuße des Glaubergs, einem 274 Meter hohen Tafelberg, auf Funde stießen, die die Welt der Gemeinde im Wetteraukreis verändern sollte. Denn was dort zu Tage kam, war nicht nur außergewöhnlich, sondern sensationell und von internationaler Bedeutung. So konnten Archäologen drei frühkeltische Prunkgräber freilegen und nicht zuletzt die einzigartige lebensgroße Sandsteinstatue eines Keltenfürsten – heute quasi das „Markenzeichen“ der Keltenwelt am Glauberg. Wissenschaftliche Publikationen über die außergewöhnlichen Funde sind bereits mehrfach publiziert worden. „Ein Gesamtüberblick über die sensationellen Funde fehlte jedoch bislang“, räumt Dr. Vera Rupp, Direktorin der Keltenwelt am Glauberg, ein. Und so sind sie jetzt in „Glanzvoll ins Jenseits“ dokumentiert.

Museumsbesuch per Buch

Etwa die „Prunkfibel mit Korallenperlen“, die den Archäologen bis heute Rätsel aufgibt. Denn wie kamen die Produkte aus dem Meer an den Rand eines Mittelgebirges? Welche Wesen zeigt die rund sieben Zentimeter lange Gewandspange? „Gut zu erkennen ist ein pferdeähnliches Wesen mit übergroßer knollenförmiger Nase, kurzer Mähne und kleinen Flügeln“, schreibt Daniela Euler in ihrem Text. Was sofort nachvollziehbar ist. Denn den Text ergänzt auf Seite 41 des Bandes eine Zeichnung von Pilar Rispa, die die Fibel in Seitenansicht mit entsprechenden Erläuterungen zeigt. Dann zur Linken auf Seite 40 eine Aufnahme der Fibel des Fotografen Pavel Odvody. Rund 120 Seiten umfasst der Band – und auf einer jeden lässt es sich verweilen, will man vor oder nach einem Besuch der Keltenwelt am Glauberg Näheres zu den Funden wissen. Jetzt könnten hier noch viele weitere Verweise stehen, warum es lohnt sich „Glanzvoll ins Jenseits“ als Printprodukt von ausgezeichneter Qualität anzusehen. Zumal es Anspruch aller an dem Band Beteiligten ist: dass sie sich jedermann in ihrer Bedeutung erschließen, „auch wenn man kein Experte in keltischer Kultur ist“, so die Museumsleiterin. So erfährt man in dem Band auch viel Aufschlussreiches über die Fabeltiere auf der mehr als 50 Zentimeter großen Schnabelkanne oder ein geflügeltes Tier mit dem Kopf eines Pferdes, das auf dem Deckel der Kanne zu erkennen und mit einer kleinen Kette dort fixiert ist.

Ein Blicks ins Buch.

Da das Museum nach den aktuellen Beschlüssen von Bund und Ländern noch bis 11. Januar 2021 seine Schätze nicht der Öffentlichkeit vor Ort präsentieren kann, ist der Band „Glanzvoll ins Jenseits“ eine gute Möglichkeit, sich auf einen Museumsbesuch zu den Originalen in 2021 vorzubereiten. Oder einfach beim Betrachten Zuhause über die Kunstfertigkeit der Kelten zu staunen, die diese vor rund 2500 Jahren fertigten.

Der Band im Format 21 mal 21 Zentimetern mit 104 Abbildungen kostet 14,80 Euro. Da er vor Ort im Museumsshop derzeit nicht erhältlich ist, bietet die Keltenwelt das Buch inklusive Versand zum Preis von 18,30 Euro an. Bestellungen sind an die E-Mail-Adresse: anfragen@keltenwelt-glauberg.de zu richten.

keltenwelt-glauberg.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.