Jugendkultur

Sticker sind kein Müll

Die Antifaschistische Bildungsinitiative (Antifa-BI) wirbt in einer Online-Ausstellung um Verständnis für Sticker. Sie reagiert damit auf eine Aktion der Stabsstelle Sauberes Friedberg, die die Bürger zu einer Anti-Sticker Aktion aufgerufen hatte. Die kleinen Aufkleber mit ihren Botschaften sind nach Ansicht der Antifa-BI aber kein Müll, sondern Kunst und Ausdruck der Jugendkultur.

„Sticker als Kunst und Street Art sind Ausdruck einer überwiegend unkommerziellen Jugendkultur. Es gibt politische Sticker, Sticker von Bands oder auch Sticker mit rein künstlerischem Anspruch. Seit über 30 Jahren gelten Sticker auch als Street Art und sind weltweit auf Mülltonnen oder Laternen zu finden. Es gibt Ausstellungen, Literatur und Bücher über Sticker“, erklärt die Antifa-BI in einer Pressemitteilung. In ihrer Online-Ausstellung zeigt sie zahlreiche Sticker aus Friedberg.

Mit 30 dieser Plakate wirbt die Antifa-BI in der Friedberger innenstadt für ihre Online-Ausstellung.

In Friedberg werde der Kult um Elvis Presley als Argument verwendet, um von den Friedberger Laternen Sticker zu entfernen. Es seien aber von der Stadt selbst einige Ampeln mit Elvis-Motiven versehen worden. Das sei vor einigen Jahren ein Marketing-Erfolg gewesen, über den weltweit berichtet wurde. „Elvis wurde zur ersten universellen Identifikationsfigur eines jugendlichen Lifestyles, den es zuvor nicht gegeben hatte, der gegen die Regeln der Alten revoltierte und der dabei quasi nebenbei, den Jugendkult als bis heute gültiges Leitmotiv einer neuen Konsum- und Medienkultur etablierte“, schreibt die Antifa-BI. Die Antifaschisten sind sicher, dass Sticker zum Kulturverständnis von Elvis passen und Elvis als Sticker-Motiv in Friedberg eine gute Lösung wäre.

Friedberg sei mit deutlich unterschiedlichen Lebensentwürfen- und perspektiven konfrontiert, die respektvoll neben- und miteinander leben. Wenn nun Kunst, Politik und Kultur mit überholten Definitionen eingeschränkt und einseitig beschrieben würde, schließe das viele aus. „Viva con Aqua, Fridays for Future, Beratungsstellen für Frauen, junge Bands aus der Region, politische und künstlerische Gruppen, Fußball- und Eishockey-Fans, Schüler-Vertretungen und viele mehr, deren Sticker nun als ‚Schandfleck‘ definiert in einer städtischen Aktion entfernt werden. Dies wird nicht als eine Aktion zur Müllvermeidung, sondern als eine detuliche gesellschaftspolitische Aussage aufgefassst werden“, erklärt die Antifa-BI. Die Bildungsinitiative „tritt für eine lebenswerte Stadt mit Raum für alle ein und lehnt das Konzept einer von einer Stabsstelle organisierten ’sauberen Stadt‘ und einer solchen Definition von ‚Müll‘ und ‚Schandfleck‘ deutlich ab“.

Die Antifa-BI hatte die Stadt um ein Gespräch gebeten. Das sei inzwischen geführt worden und es sei sehr konstruktiv gewesen, berichtet die Bildungsinitiative auf ihrer Homepage. Die Anti-Sticker-Aktion beziehe sich nur auf die Kaiserstraße, beginnend mit dem Gebiet um den Elvis-Platz. Die Online-Ausstellung der Antifa-BI sei positiv aufgenommen und begrüßt worden . „Wir sind in sehr vielen Punkten sehr eng beieinander und es wird ein Gespräch geben, bei dem wir gemeinsam weitere Lösungsmöglichkeiten entwickeln“, schreibt die Antifa-BI auf ihrer Homepage.

Die Online-Ausstellung mit Stickern aus Friedberg ist hier zu sehen: antifabi.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.