Hausmusik

Verlorene Tradition ersteht neu

von Ursula Wöll

Wer kennt ihn nicht, den Ludwig van Beethoven? Das kommende Jahr ist sein 250. Geburtsjahr. In Bonn kam der große Komponist und Pianist im Dezember 1770 zur Welt, wuchs hier auf und ging dann nach Wien. Im Lauf der Jahre wurde er immer schwerhöriger, doppelt tragisch für einen mit diesem Beruf. Der Meister gab aber nicht auf. Als er 1827 mit 57 Jahren starb, folgten 20000 WienerInnen seinem Sarg. Es war die Zeit des ‚Biedermeier‘, also auch die hohe Zeit der Hausmusik und der musikalischen Salons. Die Initiative „Beethovenbeiuns“ will dieser Tradition schon vor dem Jubiläumsjahr wieder Leben einhauchen, und zwar am 14. und 15. Dezember 2019. Und damit unseren Alltag etwas geselliger machen.

Hausmusik an über 150 Orten

Allein in Hessen sind es bislang 23 Orte, an denen am 14. und 15. Dezember Hausmusik stattfinden wird, etwa in Frankfurt, in Hanau oder im Taunus. Sehen wir uns ein Beispiel in der Wetterau an: In Altenstadt konzertiert das ‚Duo Melange‘ am 15. Dezember ab 17 Uhr, und zwar in einem Wohnzimmer, ebenerdig und barrierefrei. Als Thema für seine Darbietung hat das Duo „Beethoven und seine Zeit“ gewählt. Ein Steinway-Flügel steht bereit, da die Künstler beruflich eine Musikschule betreiben. Die Violine ist wohl keine Stradivari. Das wäre etwas viel verlangt, denn alle Veranstaltungen sind ja eintrittsfrei und das bundesweit! Wer schnell anruft, ergattert sicher noch einen der 18 offerierten Plätze in Altenstadt. Gerade dieser kleine, intime Rahmen ist das Reizvolle an einem Hauskonzert. KünstlerInnen und Gäste sitzen in Tuchfühlung, alle sind direkt einbezogen. Ausübende und Zuhörende bilden eine Einheit, die wechselseitig aufeinander reagiert.

Wohnzimmer in Altenstadt. (Foto: Musikschule Schaubach)

Da wo das Hauskonzert in einem Ladenlokal oder einem Club stattfinden wird, ist auch mal Platz für 50 oder mehr Gäste. Aber auch dann bleibt der intime Charakter gewahrt, das Fernglas kann zu Hause bleiben. Die Neunte Symphonie mit ihrem Chor-Finale „Freude schöner Götterfunke“ wird ja nirgends aufgeführt werden.

Privileg des Adels und der Großbürger

Der musikalische Salon war früher dem Adel und dem Großbürgertum vorbehalten. Schon deshalb, weil nur diese ausreichend große Räume bewohnten. Und abends noch Kräfte hatten, die Musik zu genießen sowie sich über die Komposition und ihre Darbietung auszutauschen. (Foto 3)  Diese historischen Hausmusiken gingen als „Schubertiaden“ in die Geschichte ein. Weil nämlich der Komponist Franz Schubert, der jung 1828,

Eine Schubertiade, Ölgemälde von Julius Schmid (entstanden 1897)

also nur ein Jahr nach Beethoven starb, sich besonders gerne auf solchen Veranstaltungen am Flügel produzierte. Damals nannte man das noch nicht einen ‚Event‘, wie das nun die Initiative ‚Beethovenbeiuns‘ des öfteren tut. Diese macht indessen noch ein weiteres großartiges Angebot. Sie bringt musikalische InterpretInnen, Orte und GastgeberInnen zusammen. Bis zum 3. Dezember kann sich melden, wer gerne eine Hausmusik in seinen Räumen veranstalten möchte, aber keine KünstlerInnen kennt. Oder wer ein Instrument besitzt, aber weder Räume noch Gäste. Alle bekommen  dann organisatorische Hilfen jeder Art. Bis zum 3. Dezember wird sich also die Anzahl der Hausmusik-Veranstaltungen noch vergrößern.

Kontakt und Anmeldung für Altenstadt: Tel. 06047-4320

www.beethovenbeiuns.de

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