Hallig Hooge wie im Kino

Eigentlich wollten wir gestern Nachmittag (13.9.2017) auf der benachbarten Hanswarft ins Sturmflutkino. Den Weg mussten wir uns sparen. Wir konnten live erleben, wie die Hallig Hooge überflutet wird.

Das Wasser kommt immer näher. (Fotos: Rieb)

Der Wind pfiff seit der Nacht ohrenbetäubend. Das Vieh wurde von den Weiden auf die Warften getrieben. Das Meer war noch fern, war aber aufgewühlt und rückte immer näher. Auf den Wiesen bildeten sich Seen, die immer größer wurden. Am späten Nachmittag war die ganz im Westen der Hallig gelegene Westerwarf ganz von Wasser umgeben. Rasch stieg es auch um unsere Backenswarft. So früh im Jahr habe es schon ewig keine Sturmflut mehr gegeben, erzählt man uns im Friesenpesel, in dem wir es uns gemütlich gemacht haben. Es ist die ältesten Gaststätte der Hallig.

Vor der Flut.

Später im Jahr sind Sturmfluten für die Hallig nicht nur normal, sondern auch nötig, hatte man uns tags zuvor im Informationszentrum der Schutzstation Wattemeer auf der Hanswarft erzählt. Durch die Überflutungen wächst die Hallig: ein bis zwei Millimeter Schlick bleiben zurück. Es ist allerdigs ein aussichtloses Rennen gegen den Anstieg des Meerespiegels: der steigt im Jahr um vier Millimeter.

Unser spannender Hallig-Urlaub endet voraussichtlich am 15. September. Die Fähre soll dann wieder fahren. Den Eintritt fürs Sturmflutkino haben wir gespart.

Die Hallig Hooge ist übrigens knapp sechs Quadratkilometer groß und als einzige der zehn Nordsee-Halligen von einem 1,2 Meter hohen Steindeich umgeben. Der nutzt bei größeren Stürmen aber nicht viel. Auf der Hallig gibt es zehn Warften – erhöhte Siedlungsinseln mit insgesamt knapp 100 Bewohnern.

Ein Gedanke zu „Hallig Hooge wie im Kino“

  1. Lieber Chefredakteur Bruno Rieb, liebe Ursula Rieb,
    Der schauerliche Bericht rief mir den Gang des Dichters Lenz durch die Vogesen in Erinnerung. Georg Büchner beschreibt ab Satz 2 ähnliches in seiner Erzählung „LENZ“ (da war es allerdings Winter, denn sommers betrug sich das Wetter damals noch nicht so unartig):
    „Es war nasskalt, das Wasser rieselte die Felsen herunter und sprang über den Weg. Die Äste der Tannen hingen schwer herab in die feuchte Luft. Am Himmel zogen graue Wolken, aber Alles so dicht, und dann dampfte der Nebel herauf und strich schwer und feucht durchs Gesträuch, so träg, so plump…“ (nachzulesen bei gutenberg.spiegel.de/buch/lenz-422/1)
    Gute Heimfahrt durch die Wasserberge!!!

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