Prisoner 951

Politische Geisel in Teheran

von Michael Schlag

Die TV-Serie „Prisoner 951“ erzählt die Geschichte der britisch-iranischen Staatsbürgerin Nazanin Zaghari-Ratcliffe. Sie wurde sechs Jahre lang im Iran gefangen gehalten, während ihr Ehemann Richard in London alles versuchte, ihre Freilassung zu erreichen. Es ist eine Geschichte von politischer Geiselnahme und verlogener Diplomatie, in der das Schicksal eines Menschen und seiner Familie wenig zählt. Die Serie wurde von der BBC produziert läuft bis Ende des Jahres in der Arte-Mediathek.

Willkürlich verhaftet

Teheran, April 2016: Nazanin Zaghari-Ratcliffe will nach einem Besuch bei ihrer Familie im Iran gemeinsam mit ihrer kleinen Tochter zurück nach London, wo sie mit ihrem Mann und ihrer Tochter lebt. Am Flughafen wird sie von Sicherheitskräften aufgehalten, es gebe Probleme mit ihrem Reisepass, es werde nicht lange dauern. Doch dann wird die junge Frau beschuldigt, sie habe im Iran einen Umsturz geplant, verbringt Monate in Einzelhaft, wird immer wieder verhört, erfährt aber nie, was genau man ihr vorwirft.

Immer neue Verhöre mit absurden Vorwürfen.

Alptraum von Rechtlosigkeit

Während ihre kleine Tochter Gabriella bei den Großeltern in Teheran lebt, versucht ihr Ehemann Richard über die britische Regierung, seine Frau freizubekommen. Doch er stößt auf eine Mauer der Bürokratie im Außenministerium. Nach zwei Monaten dürfen die Eheleute zum ersten Mal kurz telefonieren. Es vergehen Monate, schließlich Jahre, Nazanin erlebt einen Alptraum von Rechtlosigkeit und psychologischem Terror. Man spielt ihr Aussichten auf Freilassung vor, die immer wieder zerplatzen. Ihr Richter erfindet beliebige neue Anschuldigungen, verlängert willkürlich die Untersuchungshaft, es folgen neue Verhöre, ihre Verteidigung ist so rechtlos wie sie selber. Dann das Urteil: Fünf Jahre, ohne jeden Beweis für eine Straftat. Mit und mit stellt sich heraus, dass das Regime in Teheran Nazanin als Geisel gefangen hält, um die britische Regierung zu erpressen.

Nazanin bekommt einen kurzen Hafturlaub, um ihre Tochter und ihre Familie in Teheran zu sehen. Der Urlaub wird willkürlich verkürzt und macht alles noch schlimmer.

Ungeklärtes Waffengeschäft

Der lange zurückliegende Krieg zwischen in Iran und Irak in den 80er Jahren spielt eine Rolle und britische Waffenlieferungen damals. Und die britische Regierung heute lässt sich daran nur ungern erinnern. Richard verzweifelt an der Gleichgültigkeit der britischen Regierung und dem Unvermögen der Diplomatie. Schließlich geht er in London an die Öffentlichkeit, organisiert eine Medienkampagne, tritt sogar in den Hungerstreik – und gefährdet damit zusätzlich die Familie seiner frau in Teheran.

Richard (Mitte) geht in London an die Öffentlichkeit und tritt in Hungerstreik

Nazanin ist bereits anderthalb Jahre in Haft, als der damalige Außenminister Boris Johnson durch eine hirnlose Bemerkung ihre Lage noch verschlimmert. Auch ein Besuch von Außenminister Johnson im Iran endet ohne Ergebnis. Nazanin, ihr Mann Richard – und auch der Zuschauer – glauben mittlerweile niemandem mehr. Jedes Wort kann eine Lüge sein. Prisoner 951 ist ein düsterer Politthriller, basierend auf der wahren Geschichte von Nazanin und Richard Zaghari-Ratcliffe.

Titelbild: Nazanin wird von zwei Aufseherinnen begleitet in ein anderes Gefängnis gebracht.

Alle Fotos: ZDF / © Dancing Ledge Productions

Online verfügbar vom 03.09.2026 bis 15.12.2026

Prisoner 951

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