Dekanat Büdinger Land

Birgit Hamrich neue Dekanin

Von Elfriede Maresch

Weite Wege, unterschiedliche Berufsfelder, wechselnde Aufgaben: Pfarrerin Birgit Hamrich hat eine erfahrungsreiche Berufsbiografie. Nun kommt eine neue Herausforderung auf sie zu: von der Synode des Dekanats Büdinger Land wurde sie zur Dekanin gewählt.

Ihre Amtsvorgängerin Dekanin Sabine Bertram-Schäfer war am Jahresende in das Amt der Pröpstin von Nord-Nassau gewechselt. Voraussichtlich am 1. August übernimmt Birgit Hamrich ihr neues Amt und leitet damit ein Flächendekanat mit 76 Kirchengemeinden und ungefähr 57.000 evangelischen Gemeindegliedern. Die offizielle Einführung in einem Gottesdienst wird am 18. September sein.

Theologiestudium in Sibiu

Pfarrerin Birgit Hamrich ist 1972 geboren. Sie wuchs in einem Pfarrhaus der evangelischen Kirche Augsburgischen Bekenntnisses in Rumänien in volkskirchlichen Strukturen auf. Ihr Theologiestudium absolvierte sie in Hermannstadt/ Sibiu und in Erlangen. Sie berichtet von prägenden Studienerfahrungen: vom „Faszinosum Alte Sprachen und Welt der Bibel“, von den wichtigen Predigtimpulsen, die sie durch die Dramaturgische Homiletik von Professor Martin Nicol (Erlangen) bekam, von einem Aufbausemester an der FAU Erlangen bei Professorin Johanna Haberer, das Anregungen für Christliche Publizistik auf unterschiedlichsten Kanälen gab. Und ein weiterer Schwerpunkt: „Die Theologie nach Ausschwitz, die Frage nach Gott an Orten tiefster Gottverlassenheit hat mich sehr bewegt. Bei aktuellen Bildern und Nachrichten dieser Wochen aus der Ukraine erhalten solche Fragen existentielle Bedeutung. Wie kann von Gott in der Krise, angesichts von unsagbarem Leid und Zerstörung gesprochen werden?“

In ihrem Vikariat, wieder in Rumänien, kam sie in die Stadtgemeinde Bistritz, die sie als extreme Diaspora beschreib. Dort leistete sie Citykirchenarbeit mit diakonischen, kulturellen und überkonfessionellen Schwerpunkten,betreute aber gleichzeitig verstreute ländliche Gemeinden bis an die ukrainische Grenze zusammen mit ihrem Ehemann Hans Hamrich, der ebenfalls Pfarrer ist. Vor 20 Jahren kam sie in die EKHN, arbeitete mit halber Stelle in Panrod und Hennethal/Taunus. In der anderen, ans Dekanat gebundenen Stellenhälfte hatte Birgit Hamrich als Schwerpunkte die Gründung eines Standorts der Ehrenamtsakademie, Dekanatsfrauenarbeit, die Tätigkeit als Johanniterpfarrerin sowie die Ausbildung von Prädikant/Innen und Lektor/Innen. Später übernahm sie erst das Amt der stellvertretenden, dann der kommissarischen Dekanin. 2016 wechselte sie an das Zentrum Oekumene (Frankfurt), wo sie bis jetzt für die kirchlichen Partnerschaften innerhalb Europas und den USA zuständig ist, ebenso für die Aktion „Hoffnung für Osteuropa“, die auch die Tschernobyl-Hilfe Schotten im Vogelsberg unterstützt hat.

Partnerschaft mit Südindischer Kirche

Ökumenische Zusammenarbeit wird auch Teil ihres Dekaninnen-Amtes sein. Zwischen der Südindischen Kirche von East Kerala und dem Dekanat Büdinger Land besteht eine langjährige Partnerschaft. Birgit Hamrich: „Das finde ich großartig, diese Partnerschaft stärkt das Bewusstsein, Teil einer weltweiten Kirche zu sein. In den vergangenen zwei Jahren haben sich diese Beziehungen durch digitale Begegnungen intensiviert bis zu gemeinsamen Gottesdiensten über Zeitzonen hinweg. In jüngster Vergangenheit ist das Bewusstsein für den ökologischen Aspekt der partnerschaftlichen Begegnungen in den Vordergrund gerückt. Zusammenarbeit unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit zu gestalten, erfordert den engen Dialog der Partnerkirchen.“

Als weitere Schwerpunkte ihrer künftigen Arbeit sieht sie die Förderung die vielseitige Gottesdienstgestaltung, auch mit Mitgestaltung von Gemeindegliedern, die Förderung ehrenamtlich Tätiger, das Engagement der Kirche in den örtlichen Sozialräumen. Aber die Strukturprobleme der Kirchen, immer knapper werdende Personaldecke, weniger Mitglieder, weniger Finanzkraft, und das noch verschärft durch Strukturverluste des ländlichen Raumes? Birgit Hamrich: „Der Transformationsprozess der Landeskirche wird vielerorts als Einsparprozess, nicht als Chance, wahrgenommen. Es gibt Mut machende Kooperationen im Büdinger Land. Pfarrteams sind gemeinsam mit Kirchenmusikerinnen, Gemeindepädagogen und Verwaltungsfachkräften für einen Raum zuständig und teilen sich gemeinsam mit Ehrenamtlichen die Aufgaben. Es liegt in der Verantwortung der so genannten Mittleren Ebene, der Dekanate, gemeinsam mit den Beteiligten vor Ort gute Möglichkeiten der Zusammenarbeit zu finden.“ Birgit Hamrich betont: „Kirche lebt von Begegnungen. Die Chance, dass die Pfarrerin ihre Gemeindeglieder persönlich kennt, ist im ländlichen Raum größer. Dass `die Kirche im Dorf, am Ort bleibt´, wird eine der großen Aufgaben in den nächsten Jahren sein.“

Titelbild: Rolf Hartmann, Präses des evangelischen Dekanats Büdinger Land, gratulierte der neuen Dekanin Pfarrerin Birgit Hamrich

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