Café „La Porta“ Büdingen

Jeder gibt, was er kann

Von Corinna Willführ

Das Café „La Porta“ in Büdingen hat nicht nur einen eher ungewöhnlichen Namen, sondern auch ein einzigartiges Konzept: Wer zu einer Suppe, einem Tagesgericht, zu Kaffee und Kuchen einkehrt, „gibt nur, was er kann“. Maike Szuppa-Neun, 50-Jährige Mutter zweier erwachsener Kinder, ist die neue „Wirtin“ des Lokals in der Büdinger Vorstadt. Und das ist mit seinem neuen Konzept mehr als ein Ort für einen schnellen Espresso, sondern eine Begegnungsstätte für Jung und Alt. Denn Gastfreundschaft ist für das Initiatoren-Team entscheidend.

Vor dem Café „La Porta“ mit der Adresse Vorstadt 9-12 in Büdingen fällt der Blick zunächst auf große Fenster, dann auf eine Schiefertafel vor dem Eingang. Auf dieser werden die Tagesgerichte angekündigt: Mal gibt es Linsensuppe, mal Blumenkohl Garam Masala, einheimisches Gemüse auf indische Art zubereitet. Das Angebot wechselt täglich. Alle Speisen sind vegetarisch. Es gibt keinen Alkohol und auch keine Soft-Getränke. Und keine Preisliste: Denn das „La Porta“ will keine Gewinne erwirtschaften – und ist gerade deshalb ein Gewinn für das Gemeinwesen der Wetteraustadt.

Die Kirchengemeinde finanziert die Wirtin

Bereits in 2017 hat die Evangelische Kirchengemeinde die Räumlichkeiten an der zentral gelegenen Adresse (zur Linken kurz vor dem Jerusalemer Tor) für eine Begegnungsstätte angemietet, in 2019 dann gekauft. Seitdem ist dort auch ihr Gemeindebüro. Mit der Einstellung der studierten Ernährungswissenschaftlerin Maike Szuppa-Neun hat sie zum Herbst vergangenen Jahres nach Monaten der Corona-Zwangspause einen Schritt getan, der in der Evangelischen Kirche Hessen-Nassau (EKHN) bislang noch keine Nachfolge gefunden hat: Aus Rücklagen finanziert die Kirchengemeinde die halbe Stelle für Maike Szuppa-Neun – zunächst befristet auf zwei Jahre. Das „La Porta“ selbst soll sich weiterhin über Spenden finanzieren. Denn dort gilt der Gedanke der Wohltätigkeit: also allen Menschen, unabhängig von Geld, Status oder Zugehörigkeit Teilhabe zu ermöglichen – an einem Gespräch ebenso wie an einer kleinen Mahlzeit oder einem Stück Kuchen.

Die Entscheidung sei schon „ein mutiger Schritt gewesen“, sagt Pfarrer Andreas Weik. Doch mit dem Kirchenvorstand und einem eigens für das „La Porta“ gegründeten Ausschuss ist er überzeugt, dass dessen Konzept zukunftsträchtig ist. Zwei Erfahrungen haben das Initiatoren-Team darin bestärkt: „Zum einen hat uns die Erfahrung aus unseren Gemeindefesten dazu bewogen. Bei diesen haben wir auch bei einer hohen Besucherzahl keine Preise für Speisen und Getränke festgelegt, sondern haben sie auf Spendenbasis abgegeben“, erklärt Weik. Zum anderen sei es die enorme Unterstützung und Wertschätzung gewesen, die die Einrichtung nach dem Hochwasser (am 29. Januar 2021 standen weite Teile der Büdinger Altstadt unter Wasser) erfahren habe.

Ein Ort für Geflüchtete und Trauernde

Während die Fluten die Gassen der Altstadt unpassierbar gemacht hatten, jegliche Infrastruktur zusammengebrochen war, fanden Bewohner wie Helferinnen und Helfer in den vor dem Jerusalemer Tor gelegenen Räumlichkeiten einen Ort, in dem sie Unterstützung jeglicher Art bekamen: vom aufwärmenden Tee, einer heißen Suppe bis zu aufmunternden Worten und Trost in der schwierigen Situation.

Für jedermann geöffnet ist das „La Porta“ – unter den jeweils geltenden Corona-Auflagen – mittwochs, donnerstags und freitags von 11.30 Uhr bis 16.30 Uhr. Darüber hinaus ist die Begegnungsstätte Treffpunkt etwa für eine Gruppe Menschen, die den Verlust eines Angehörigen zu verkraften haben. Es ist auch ein Ort, an dem sich Geflüchtete treffen, ebenso wie Seniorinnen und Senioren. Ein „süßes Netzwerk“ von ehrenamtlichen begeisterten Hobby-Bäckerinnen versorgt das Café mit selbst gebackenen Kuchen, Torten und Naschwerk.

„Die Menschen lechzen nach den monatelangen Einschränkungen durch die Pandemie nach Begegnung“, sagt Isidro Peréz. Er ist Vorsitzender des siebenköpfigen „La Porta“-Ausschusses und aktiv im Malteser Hilfsdienst. Dessen Büro ist nur wenige Schritte von dem Café entfernt. Die Kooperation der katholischen Malteser mit der Evangelischen Kirchengemeinde in Büdingen besteht seit vielen Jahren. Peréz ist überzeugt, dass die Kirche zu den Menschen gehen müsse, wenn die Menschen immer weniger in die Kirche gingen. Missioniert wir im „La Porta“ niemand.

Vielmehr wünscht sich Maike Szuppa-Neun, „dass Lachen, Freude, Offenheit und Einfühlsamkeit unsere täglichen Begleiter sein werden.“ An einem Ort, der ebenso Tür wie Hafen bedeutet.

Titelbild: Isidro Peréz, Maike Szuppa-Neun, Claudia Geiß und Pfarrer Andreas Weik (von links) vor einem Bild des Malers Marc Chagall, zentraler Blickfänger im „La Porta“. Es zeigt die Gastfreundschaft von Abraham und Sarah aus dem Alten Testament. (Foto: Corinna Willführ)

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