Bundestag

Vier vertreten die Wetterau in Berlin

Von Klaus Nissen

Drei Frauen und ein Mann vertreten bis 2025 die Interessen der Wetterauer im Bundestag. Bei der Wahl am 26. September 2021 wurden zwei direkt und zwei über die Landeslisten ihrer Partein gewählt. Die Wahl brachte auch Erkenntnisse zur Stärke der AfD im Wetteraukreis.

Armin und Armin haben verloren

Zum ersten Mal seit 2009 vertritt wieder eine SPD-Frau im Bundestag die Interessen der 243 000 Menschen in der westlichen Wetterau. Die junge Bad Nauheimerin Natalie Pawlik setzte sich im Wahlkreis 177 Wetterau-West als Direktkandidatin gegen ihren Hauptkonkurrenten Armin Häuser von der CDU durch. Die 29-Jährige lag mit  29,6 Prozent der Wählerstimmen knapp zwei Prozentpunkten vor Armin Häuser.

Natalie Pawlik, neue Bundestagsabgeordnete der SPD

So wird Natalie Pawlik am 26. Oktober 2021 bei der ersten Sitzung des neuen Bundestages in Berlin dabei sein. Sie hätte es auch bei einer Niederlage geschafft, weil die SPD sie zuvor auf dem sicheren sechsten Platz der Landesliste abgesichert hatte. Armin Häuser dagegen bleibt in der Wetterau – er steht zu weit hinten auf der CDU-Landesliste.  

Sie sitzt in drei Parlamenten

Natalie Pawlik kam in den Neunzigerjahren als Kind mit ihrer Familie aus Sibirien nach Bad Nauheim. Sie wurde Kreisschulsprecherin, studierte dann in Gießen Geschichts- und Kulturwissenschaften. Politisch engagierte sie sich zuerst bei der Jungen Union, bald aber bei den Jusos. Da wurde sie zeitweise Vorsitzende für den Bezirk Südhessen. Für die SPD sitzt Natalie Pawlik nun im Bad Nauheimer Stadtparlament und im Kreistag. Ihr Geld verdiente die junge Frau bislang in Frankfurt als Büroleiterin des SPD-Europaabgeordneten Udo Bullmann. Sie ist auch seine Ersatzkandidatin: Falls der 65-jährige Bullmann vor der nächsten Europawahl sein Mandat niederlegt, rückt Pawlik auch ins Brüsseler Parlament ein.

Bettina Müller (SPD) kommt für den Wetterauer Ostkreis in den Bundestag

Im Wahlkreis 175 für den Osten der Wetterau, die Schotten und 15 Kommunen des Main-Kinzig-Kreises gewann ebenfalls eine SPD-Frau das Direktmandat. Die 62-jährige Sozialpolitikerin Bettina Müller aus Flörsbachtal übernahm das Mandat des früheren CDU-Generalsekretärs Peter Tauber. Dessen junger Nachfolgekandidat Johannes Wiegelmann konnte nicht genug Stimmen einsammeln. Bettina Müller saß schon seit 2013 im Bundestag. Sie wurde bisher stets über die Landesliste der SPD nach Berlin entsandt.

Zwei schaffen es über die Landesliste
Mariana Harder-Kühnel, Abgeordnete der AfD.

Über die Landesliste der FDP kommt auch der Bad Nauheimer Peter Heidt wieder in den Bundestag. Er musste in der Wahlnacht bis 4.51 Uhr auf die Bestätigung warten. Der 56-jährige Rechtsanwalt gehört in der nun 92-köpfigen FDP-Fraktion zu den Königsmachern, die gemeinsam mit den 118 Grünen-Abgeordneten sowohl der SPD als auch der CDU Bedingungen für ein Regierungsbündnis stellen können. Heidt kam schon 2019 als Nachrücker für Nicola Beer in die FDP-Fraktion.

Peter Heidt, Bundestagsabgeordneter der FDP aus Bad Nauheim

Auch die AfD stellt eine Bundestagsabgeordnete. Für den Wahlkreis 175 rückt die hessische Spitzenkandidatin Mariana Harder-Kühnel erneut ins Parlament ein. Die Anwältin aus Gelnhausen meldete das sogleich über Facebook und erntete so mehr als 200 „Likes“. Sie agiert schon seit 2017 in Berlin und gehört dort zu den bekannteren Gesichtern in der AfD-Fraktion.

SPD gewinnt in beiden Wahlkreisen an Stimmen

Bei den Zweitstimmen wählte die westliche Wetterau mehrheitlich die SPD. Sie lag nach Auszählung aller 226 Wahlbezirke bei 26 Prozent. Die CDU lag bei 23,6 Prozent; fast gleichauf folgten  die Grünen mit  knapp 16 und die FDP mit knapp 14 Prozent. Die AfD landete im Wahlkreis 177 bei 8,5 Prozent. Das ist sind fast drei Prozentpunkte weniger als vor vier Jahren. Die Linkspartei erreichte mit 3,6 Prozent deutlich weniger als in der vorigen Bundestagswahl. Die NPD blieb mit 0,26 Prozent  abgeschlagen. Die erstmals kandidierende Partei „dieBasis“ erreichte rund 1,42 Prozent der Stimmen.

 Nur in vier der 17 Wahlkreiskommunen konnte die CDU mehr Stimmen einsammeln als die Sozialdemokraten. In Bad Vilbel lag sie mit 25 Prozent vorn – vier mehr als die SPD. In Rockenberg bekam sie 29, die SPD nur 21 Prozent. Auch in Ober-Mörlen und Wöllstadt bewahrte die Union einen Vorsprung. Das reichte nicht für den ganzen Wahlkreis.  

Im Wahlkreis 175 für den Osten der Wetterau setzten sich ebenfalls die Sozialdemokraten mit 27,4 Prozent der Zweitstimmen durch. Die CDU kam auf 24,2 Prozent, gefolgt von AfD und FDP mit je 12,6 und den Grünen mit 11,1 Prozent. Die Linke lag abgeschlagen bei 3,2 Prozent.

AfD ist nur im Osten des Kreises stark

Zum Abschneiden der Wetterauer AfD bei der Bundestagswahl bietet die Statistik ein paar interessante Details. Es zeigt sich, dass der smart auftretende Direktkandidat Andreas Lichert in den größeren Städten des Westkreises nur wenige Wählerstimmen fand. In seinem Wohnort Bad Nauheim zum Beispiel errang Lichert nur 6,9 Prozent der Erststimmen, in Bad Vilbel gar nur fünf Prozent. In Nidda dagegen waren es 13,9 Prozent. Offenbar leben in Nidda, wo ansonsten die SPD-Kandidatin Natalie Pawlik haushoch gewann, eine Menge AfD-Sympathisanten. Die AfD kam hier auf 13,7 Prozent der Zweitstimmen. Das sind immerhin 1327 Wählerinnen und Wähler.

Andreas Lichert, Landtagsabgeordneter aus Bad Nauheim, wollte auch in den Bundestag. Das hat er nicht geschafft.

Im Osten der Wetterau ist die AfD durchweg beliebter als im Westen. In Büdingen bekam Mariana Harder-Kühnel zum Beispiel 13,6 Prozent der Erststimmen, in Ortenberg 12,4 und im kleinen Hirzenhain sogar 16,9 Prozent. Dieser Erfolg scheint zu Lasten der rechtsradikalen NPD zu gehen. Sie stürzte bei der Bundestagswahl auch in ihren Hochburgen komplett ab. In Büdingen, Heimat des NPD-Funktionärs Daniel Lachmann, bekam die Partei nur 0,91 Prozent oder gerade mal 105 Zweitstimmen. In Altenstadt waren es 1,2 Prozent oder 80 Stimmen. In Nidda blieb die NPD mit 0,47 Prozent oder 45 Wählerstimmen ebenfalls bedeutungslos. Im Vergleich zur vorigen Bundestagswahl verloren sowohl die AfD als auch die NPD kreisweit an Bedeutung.

Zwei Wahlkreise mit Unterschieden

Der Bundeswahlleiter hat interessante Strukturdaten über alle Wahlkreise veröffentlicht. Demnach gibt es im Wetterauer Osten, im angrenzenden Main-Kinzig-Kreis und in Schotten (Wahlkreis 175) andere Lebensbedingungen als im Westen der Wetterau. Beispielsweise ist im Osten die Geburtenzahl fast doppelt so niedrig wie zwischen Bad Vilbel, Reichelsheim und Butzbach. Im Ostkreis sank sie demnach im Jahr 2019 um 3,1 Geburten je tausend Einwohner.

Auch die Zuwanderung fiel geringer aus. Mit 5,6 je tausend Einwohner kamen zwei Menschen pro Jahr weniger aus anderen Regionen oder Ländern in den Wahlkreis. Der Anteil der Bevölkerung ohne deutschen Pass liegt im Osten mit 10,7 Prozent um 2,9 Punkte niedriger als im Westkreis. Und der Anteil der Menschen über 60 Jahre liegt im Osten höher.

Zugleich ist die Bevölkerungsdichte hier mit knapp 152 Menschen je Quadratkilometer fast halb so hoch wie im Westen. Und die Wohnungen sind mit durchschnittlich 105,7 Quadratmeter um 4,3 Quadratmeter größer. Auffällig ist noch, dass der Anteil der Schulabgängerinnen und Schulabgänger mit Abitur im Osten mit 28.6 Prozent um ganze 12,1 Prozentpunkte geringer ist als bei jungen Menschen im Westkreis. Weitere Zahlen finden sich auf www.bundeswahlleiter.de.

Fünf Bürgermeisterwahlen

Parallel zum Bundestag wählten die Menschen in mehreren Kommunen neue Bürgermeister. In Karben gewann der Amtsinhaber und  einzige Bewerber Guido Rahn mit 82 Prozent der Stimmen. In Rockenberg setzte sich Olga Schneider von der Dorfpartei mit 54 Prozent gegen ihre Konkurrenten durch. Amtsinhaber Manfred Wetz (parteilos) geht in den Ruhestand. In Büdingen gibt es eine Stichwahl zwischen Benjamin Harris (CDU) und Ulrich Majunke (FWG). In Glauburg wird die bisherige Büdinger Vizebürgermeisterin Henrike Strauch (SPD) Nachfolgerin von Carsten Krätschmer. Und in Ranstadt siegte die Amtsinhaberin und einzige Kandidatin Cäcilia Reichert-Dietzel.

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