Brunnenfestlauf Oberursel

Rekordfelder trotzen ungünstiger Wetterprognose

von Helmut Serowy

Das Städtchen Oberursel mit seiner romantischen Fachwerk-Altstadt wirbt mit dem   vielversprechenden Slogan „Orscheler Sonnenloch“. Der Taunushang fängt viele aus Nordwest anrückende Regenwolken bereits vor der Stadtgrenze ab. Daher ist das Wetter meist schöner, als es für die Region vorausgesagt wird – man sagt, über Oberursel tue sich ein Loch in den Wolken auf, die ringsum die Sonne verdecken.

Von diesem Schutz war bei der Anreise zum 19. Brunnenfestlauf in Oberursel bedauerlicherweise nichts zu spüren. Stattdessen zogen Gewitter mit Blitz und Donner um den Veranstaltungsort. Zum Start-Auftakt mit Halbmarathon- und 10-km-Läufern – der für 10 Uhr vorgesehen war und um 15 Minuten verschoben wurde – hatten sich die Schleusen erfreulicherweise geschlossen. Trotz der ungünstigen Wetterprognosen konnten die Wettbewerbe erfolgreich durchgezogen werden.

Nachdem im Vorjahr bereits mit 964 Meldungen und 837 Finishern die Teilnehmerzahlen in Oberursel erheblich nach oben geschnellt waren, freuten sich die Organisatoren der TSG um  Christopher Biaesch mit 1052 Meldungen und 943 Finishern über einen weiteren, beachtlichen Aufschwung. Nicht eingerechnet sind dabei die vielen unregistrierten Bambini, deren Zahl sicherlich weit über die 150 hinausgehen wird.

Auch wenn der gemeinsame Start der Hauptläufe über Halbmarathon und 10 Kilometer auf dem historischen Marktplatz vor dem alten Rathaus von 1479 erfolgt, führen die Strecken doch weitgehend durch freundliche Wiesen und die Wälder am Fuße des Feldberges. Nach einem kurzen Abstecher über die Füllerstraße zur mächtigen Christuskirche erreichen die Läufer über die Oberhöchstädter Straße bereits den Süden des Naturschutzgebietes „Maasgrund“. Es gilt, die flache Passage durch das idyllische Tal mit dem Blick auf Oberursel mit der majestätisch über den Häusern thronenden St. Ursula-Kirche zu genießen. Denn nach drei Kilometern geht es in den Stadtwald. In Richtung Hohemark sind hier etliche Höhenmeter zu überwinden. Eine lange Gefällstrecke auf der Königsteiner Straße, die in der Schlussphase wieder einen wunderbaren Blick auf Oberursel bietet, rundet den abwechslungsreichen, vermessenen Kurs ab.Während die 10-km-Läufer geradeaus Richtung Ziel spurten dürfen, müssen hier die Halbmarathon-Starter nach links abbiegen und die Runde durch Maasgrund und Stadtwald nochmals in Angriff nehmen.

Halbmarathon

Ein auf der zweiten Runde einsames Rennen über 21,1 Kilometer und rund 340 Höhenmeter zog Dominic Stahl aus Oberursel unbeirrt durch. Nach 1:18:32 Stunden bejubelte er auf dem Marktplatz  seinen Gesamt-Sieg und den Erfolg in der M35. Seinen zweiten Rang aus dem Vorjahr verteidigte Christopher Ormond von der TSG Oberursel mit 1:20:16 Stunden erfolgreich. Damit belegte er auch in der M35 den zweiten Platz. Weit vor dem Verfolgerfeld sicherte sich Nazar Obaranets aus Oberursel mit 1:24:16 Stunden den dritten Rang und den Erfolg in der M40.

Überlegener Halbmarathon-Sieger wurde Dominic Stahl (Oberursel)

Unter der 1:30-Marke blieben auf der hügeligen Strecke zudem der Hauptklassen-Sieger Fabian Liepach aus Oberursel mit 1:29:39 Stunden und der M30-Sieger Patrick Willert  mit 1:29:59 Stunden. Hinter dem zweiten Hauptklasse-Läufer Won Woo Lee aus Königstein (1:32:52 Stunden) gewann Maximilian Preuß mit 1:33:35 min die B-Jugend (U18) in 1:33:35 Stunden.

Top-Ten-Platzierungen schafften auch die Schnellsten der M45 und der M50, Robin Vergeer  vom AV Clytoneus Woerden (1:33:44 Stunden) und Amael Kervarrec (1:34:33 Stunden). Thomas Schiller vom MTV Kronberg feierte den M60-Gewinn mit 1:35:10 Stunden knapp vor dem M55-Dominator Michael John vom Tria-Team Rodheim (1:35:16 Stunden). Die M65 gewann Jörg Burbach (Tinajo, 2:05:18 Stunden), die M70 Rudolf  Nickels vom TV Groß-Umstadt (2:33:41 Stunden).

Bereits als Sechste des Gesamteinlaufes strebte Lorena Kohlas vom SV Fun-Ball Dortelweil dem Ziel entgegen. Mit ausgezeichneten 1:30:36 Stunden setzte sie sich deutlich von ihren Mitstreiterinnen ab. Die Vorjahres-Dritte Julia Hacke aus Kronberg verbesserte sich um über drei Minuten auf 1:36:23 Stunden und schob sich damit auf den Silber-Rang vor. Sie wechselte die Position mit der Vorjahres-Zweiten und W40-Siegerin Ilka von Hubatius von der IG Trailrunning im Taunus. Die Halbmarathon-Siegerin der Jahre 2022 und 2023 lief nach 1:40:49 Stunden über die Ziellinie.

Stark präsentierte sich über die 21,1-km-Strecke Lorena Kohlas (SV Fun-Ball Dortelweil)

Als Vierte holte sich Leah Bleise vom benachbarten TV Oberstedten in 1:43:30 Stunden die Goldmedaille bei den A-Jugendlichen (U20) vor der W40-Zweiten Yun-Ching Chao (Adidas Runners Frankfurt, 1:45:09 Stunden) und der Hauptklassen-Dritten Josie Fischer aus Bad Homburg (1:45:36 Stunden).

Siege bei den Seniorinnen holten sich zudem in der W30 Hannah Hartlieb (Eintracht Frankfurt Triathlon, 1:51:36 Stunden), in der W35 Nina Christl (Frankfurt, 1:55:26 Stunden), in der W45 Peggy Bretschneider (Oppenheim, 1:52:28 Stunden), in der W50 Ria Bohrer (Oberursel, 1:49:44 Stunden), in der W55 Prisca Lepper-Schwarz (RFC Oberstedten, 1:50:26 Stunden), in der W60 Ilona Ruhau (MTV Kronberg, 2:16:09 Stunden) und in der W65 Doris Namsons (MTV Kronberg, 2:17:54 Stunden).

10 Kilometer

Mit 343 Meldungen und 298 Finishern dominierten die 10-km-Starter einmal mehr die Wettbewerbe beim Oberurseler Brunnenfestlauf. Auf der Strecke durch den grünen Maasgrund und  die anstrengenden Taunusausläufer mit ihren rund 174 Höhenmetern setzte der A-Jugendliche (U20) Ben Löer aus Friedrichsdorf bei der 19. Auflage des Brunnenfest-Laufes die Maßstäbe. Der Solist ließ sich nach 36:29 min als überlegener Sieger auf dem Marktplatz feiern. Es dauerte eine Weile, bis der M35-Schnellste, Marius Dorn von den Adidas-Runners nach 38:07 min als Zweiter empfangen wurde. Mit Fabian Scholtyssek (We run for Pizza) sicherte sich ein weiterer M35-Starter in 40:40 min den dritten Podest-Platz.

Der Jugendliche Ben Löer (Friedrichsdorf) führte die 10-km-Läufer an

Zwei Nachwuchs-Athleten liefen auf Platz vier und fünf ein: der B-Jugend-Sieger (U18) Eamon Wilder aus Frankfurt (40:57 min) und der A-Jugend-Zweite Kilian Maul vom VfB Oberursel (41:39 min). Michael Marechal vom Team Mainova (41:49 min) gewann die M40, Jan-Philip Wieferig aus Oberursel (42:30 min) die M30, Florian  Pesch von Tria Echterdingen (42:37 min) die Männer-Hauptklasse und Frank Stolze aus Buseck (43:02 min) die M45.

Weitere Senioren-Erfolge verbuchten in der M50 Patrick Schimanski von der TSG Oberursel (44:45 min), in der M55 Alexander Heintz (HeiPfei Runners, 48:43 min), in der M60 Matthias Bender aus Wehrheim (51:58 min), in der M65 Olaf Tolke von der TSG Friedrichsdorf (51:12 min), in der M70 Erhard Steinberg von der TSG Wehrheim (55:13 min) und in der M75 Helmut Schöbel vom EFC Oberursel (64:56 min).

Nach dem dritten Rang im Vorjahr ließ Lisa-Marie Müller von der VLG Eisenbach beim 19. Brunnenfestlauf in Oberursel über 10 Kilometer nichts anbrennen. Mit 44:24 min lag die W30-Starterin diesmal klar in Front. Die W45-Siegerin Susan Gerstner von der LG Bad Soden/Neuenhain holte sich Silber in 48:30 min. Erst auf der Ziellinie fiel die Entscheidung über  Bronze. Im packenden Finish sprintete die W30-Zweite Arabel Schwammborn aus Frankfurt zu 49:41 min. Eine Sekunde danach konnte sich Laura Berlipp von der TSG Oberursel Lauftraining – die im letzten Jahr bereits das 5-km-Rennen anführte – nach 49:42 min zumindest mit der Goldmedaille bei den A-Jugendlichen trösten.

Lisa-Marie Müller (VLG Eisenbach) hatte die Frauen-Konkurrenz über 10 km im Griff

Kerstin Wahlich aus Oberursel schaffte als Fünfte mit 50:09 min den ersten Rang in der W50. Zum sechsten Platz in der Brutto-Wertung rannte die zu den stärksten deutschen W70-Läuferinnen zählende Johanna Wieferig von LF SFN Vechta mit 51:12 min. Sie hielt in der W70 die in dieser Saison bereits wieder mit zahlreichen Gold- und Silbermedaillen bei Europameisterschaften dekorierte, neuntplatzierte Margot Göttnauer von der LG Bad Soden/Neuenhain (51:47 min) in Schach.

Louisa Renowitzki aus Oberursel lag mit 51:16 min in der Frauen-Hauptklasse in Front. Seniorinnen-Gold schafften außerdem Manuela Pisch aus Oberursel (56:24 min) in der W35, Ines Julia Rockmann aus Frankfurt (52:55 min) in der W40, Michaela Scherr aus Hemmingen (55:27 min) in der W55 und Dagmar Noack (53:57 min) in der W60.

5 Kilometer

Nach einer Einführungsschleife führt das weitgehend flache 5-km-Rennen auf einer Wendepunkt-Strecke durch das Naherholungsgebiet Maasgrund. Ein Trio kämpfte auf der langen Zielgeraden um die Medaillen-Ränge. Angeführt wurde die Läuferschlange schließlich vom Vorjahres-Dritten Kevin Linke aus Frankfurt. Er steigerte sich um 29 Sekunden auf 18:47 min und gewann zugleich die Männer-Wertung. Nur eine Sekunde zurück feierte Anton Bernhard mit 18:48 min den Erfolg bei den B-Jugendlichen. Bronze im Gesamteinlauf und Gold in der U16 schaffte Jakob Heinl von den stark vertretenen SC-Oberursel-TriKids mit 18:55 min. Das Duell um den U14-Sieg entschied Lennard Günther (KLV, 21:45 min) vor Bruno Schröder (Eintracht Frankfurt, 21:52 min) für sich.

Das Kommando bei den Frauen übernahmen bereits früh die U16-Schülerin Ida Troge von den SC Oberursel TriKids und Svenja Schwarz (Special Olympic Team Schwarz). Die Spitze verteidigte schließlich Ida Troge mit 22:41 min. Als Zweite gewann Svenja Schwarz die Frauen-Wertung mit 22:55 min. Über Bronze freute sich die U14-Siegerin Anna Schuster aus Oberursel nach 23:556 min. Es folgten die Hauptklassen-Zweite Lena Seitz aus Frankfurt (24:18 min) und die B-Jugendliche (U18) Josephine Kleier von VfL Eintracht Hannover (24:24 min).

3 Kilometer Schüler- und Sportabzeichen-Lauf

Den ursprünglichen 2,5-km-Lauf haben die Veranstalter der TSG Oberursel nun zum dritten Mal als 3-km-Lauf ausgeschrieben. Neben dem Schüler-Rennen wird hierdurch das Projekt „Sportabzeichen“ und der Breitensport unterstützt.

255 Finisher sorgten bei dem Wettbewerb für Riesentrubel auf der Wendepunkt-Strecke durch den Maasgrund. Herausragend präsentierte sich erneut der M14-Sieger Keanu Müller vom SC Oberursel TriKids. Der 3-km-Sieger der beiden letzten Jahre stürmte erneut dem Pulk voraus und ließ sich bei seinem Hattrick nach 11:20 min vom begeisterten Publikum im Ziel auf dem Marktplatz feiern.

Ebenfalls ungefährdet sicherte sich der zweite U14-Starter Fionn Ayles vom TSV Friedberg-Fauerbach mit 11:37 min den zweiten Rang. Bronze und U12-Sieg feierte Leon Flek von der TSG Schwalbach (12:02 min) vor Rafael Herrmann (SC Oberursel TriKids, 12:11 min). Die U10 führte Maximilian Günthert vom LSC Bad Naunheim (13:10 min) an.

Schnellste der Frauen-Wertung wurde die U16-Jugendliche Rubina Noort aus Oberursel mit 12:34 min. Die weiteren Podestplätze erliefen sich die U14-Siegerin Julie Seifert aus Oberursel mit 12:50 min und die Schnellste der U12, Sophie Victoria Dapp vom TV Weißkirchen (13:10 min). Sie hatte den Bronze-Rang bereits im Vorjahr geschafft. Die U10-Konkurrenz hatte Emilia Lütz von der TSG Oberursel (13:42 min) im Griff.

Bambini-Rennen

Finales Highlight des Brunnenlaufes in Oberursel ist immer wieder das Bambini-Rennen auf einer knapp 1000 Meter langen Wendepunkt-Strecke zwischen dem überfüllten Marktplatz und dem ruhigen Naherholungsgebiet Maasgrund. Sicherlich weit über 150 kleine Flitzer jagten über die Strecke und ließen sich von den Zuschauer-Massen feiern.

„Ziel vom Bambini- und Schülerlauf ist nicht, den Wettbewerb zu forcieren. Der Spaß am Laufen und am Sport soll im Focus stehen – ein entspanntes und fröhliches Gemeinschaftserlebnis“, wünschen sich die Organisatoren. Daher erhalten die Bambini zwar Startnummern wie die Profis, werden aber nicht registriert, gelistet und ohne Zeitmessung auf die Strecke geschickt. Belohnt werden sie neben dem Jubel des Publikums nach dem Zieleinlauf mit kleinen Präsenten.

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