Lebenshilfe zieht Konsequenzen
Die Lebenshilfe Gießen, die rund 1900 Beschäftigte hat, kehrt der Messegesellschaft Gießen dauerhaft den Rücken. Grund ist die Irritation und Enttäuschung über die Entscheidung der Messegesellschaft, ihre Hallen ohne Not und rechtliche Verpflichtung für die Gründung der Jugendorganisation der AfD Ende November 2025 vermietet zu haben.Messegesellschaft in der Kritik
Auch das ignorante Verhalten der Geschäftsführung vor und nach der Veranstaltung führte jetzt zu der Entscheidung, unterstreicht die Pressestelle der Lebenshilfe in einem Pressebericht. „Die Lebenshilfe steht seit ihrer Gründung 1959 für eine offene, vielfältige und solidarische Gesellschaft. Wir setzen uns täglich für Menschen mit und ohne Behinderungen ein und engagieren uns für ein demokratisches Miteinander, in dem Ausgrenzung, Menschenfeindlichkeit und extremistische Ideologien keinen Platz haben“, erklärte das Geschäftsführungsteam aus Linda Hauk, Jennifer Seidler und Dirk Oßwald.
Lebenshilfe setzt Zeichen
„Bereits am 27. November haben wir als Mitveranstalter der großen Demonstration für Demokratie und Vielfalt gemeinsam mit vielen tausend Menschen ein deutliches Zeichen gesetzt. Jetzt gilt es, der Messe Gießen auch wirtschaftlich deutlich zu machen, was ihre Entscheidung für sie selbst für Konsequenzen hat.“
Kürzlich fand in den Messehallen noch die Ausbildungsmesse „Chance“ – eine Veranstaltung, an der die Lebenshilfe und viele andere Firmen und Institutionen teilgenommen haben, weil die Buchung und Bezahlung des Standplatzes lange vor Bekanntwerden des Skandals erfolgt waren.
„Doch bevor nun kurzfristig erneut Verträge für die ‚Chance 2027‘ oder andere Formate abgeschlossen werden, braucht es ein klares Signal auch der Gießener Wirtschaft“, meint die Lebenshilfe und ruft alle anderen Akteure aus Wirtschaft und Verwaltung auf, dem Beispiel zu folgen.
„Menschenwürde schützen“
„Wir laden alle Organisationen, Unternehmen und Institutionen ein, sich diesem Aufruf anzuschließen und gemeinsam Verantwortung zu übernehmen. Gießen soll ein Ort bleiben, an dem Menschenwürde, Vielfalt und demokratische Kultur geschützt und aktiv gelebt werden“, schreiben Hauk, Seidler und Oßwald abschließend.
Titelfoto: Die optischen Zeichen in Gießen gegen die Gründung der AfD-Jugendorganisation (hier im Seltersweg) waren vielerorts deutlich. Und der Protest hallt nach. (Foto: Jörg-Peter Schmidt)
