Max Ernst

Der große Wahnsinn

von Michael Schlag

Max Ernst (1891-1976) gilt als einer der Wegbereiter der surrealistischen Malerei. Er malte rätselhafte magische Welten, die Bilder faszinieren und verstören bis heute. Aus ihnen sprechen Erfahrungen mit Krieg und Faschismus, ein Trampeltier wird zur Allegorie auf die menschliche Zerstörungslust. Zum 50. Todestag von Max Ernst erzählt eine Dokumentation auf Arte die spannende Geschichte des Surrealisten bis zu seinem US-amerikanischen Exil in den 1940ern.

Im Internierungslager

Im Juni 1940 befindet sich Max Ernst in einer bedrohlichen Situation: Die deutschen Truppen rücken immer weiter vor in Richtung Südfrankreich – und er ist mit anderen deutschen und österreichischen Staatsbürgern als vermeintlich „feindlicher Ausländer“ in einem Internierungslager bei Aix-en-Provence inhaftiert. Für den Hitler-Gegner Max Ernst, dessen Werke von den Nazis als „entartete Kunst“ diffamiert werden, wäre es sehr gefährlich, ihnen in die Hände zu fallen.

Max Ernst als junger Erwachsener im Jahr 1909 – vor dem traumatisierenden Krieg
Foto: ZDF © LVR Landschaftsverband Rheinland
Max Ernst, Meister des Surrealismus, mit Schaukelpferd (1937)
Foto: ZDF © LVR Landschaftsverband Rheinland

Das Trauma der Front

Ausgehend von diesem Moment erzählt die Dokumentation rückblickend die faszinierende Geschichte des epochalen Künstlers: dem Freigeist, Antifaschist und Frauenliebling. 25 Jahre zuvor, im Ersten Weltkrieg, hatte Max Ernst selbst als Soldat in den Kampf ziehen müssen. Die traumatisierende Fronterfahrung, der „große Wahnsinn“, wird zu einem Schlüsselerlebnis in seiner Biografie.

Max Ernst mit seiner Partnerin Leonora Carrington (1939), kurz vor seiner Internierung in Frankreich
Foto: ZDF © LVR Landschaftsverband Rheinland

Die Pariser Surrealisten

Von diesem Zeitpunkt an ist Ernst immer auch ein politischer Künstler – einer, der die alte Gesellschaftsordnung zerstören will. Zusammen mit den Pariser Surrealisten um André Breton zettelt Max Ernst eine kulturelle Revolution an. Mit seinem 1937 entstandenen Werk „Der Hausengel“ – dem Trampeltier, das alles, was ihm in den Weg kommt, zerstört und vernichtet – schuf Max Ernst eine Allegorie auf die Diktatoren seiner Zeit. Sie wirkt heute aktueller denn. Mit reichhaltigem Archivmaterial, Elementen der Graphic Novel und namhaften Interviewpartnern erzählt die Dokumentation die aufregende Geschichte von Max Ernst in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts.

Dokumentation 53 Min.
Online verfügbar bis 01.04.2030
Arte Max Ernst

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