Energiegenossenschaft

Wenig Sorgen trotz Windpark Winterstein

Von Klaus Nissen

Ein Stück eines Windparks und 41 größere Solarstrom-Anlagen besitzen die rund 760 Mitglieder der Mittelhessischen Energiegenossenschaft (MiEG). Das macht sich für sie bezahlt. Bei der Generalversammlung gab es am 29. Januar 2026 neben Geld auch einen Ausblick auf neue Projekte. Und Fragen zum verzögerten Bau des Windparks auf dem Winterstein.

Es gibt eine Dividende

Wie viel vom Gewinn will man einkassieren? Diese schöne Frage diskutierten die rund 30 über rutschige Straßen angereisten Genossen im Sitzungsraum der Butzbacher Volksbank. Man solle lieber das Eigenkapital für den Bau weiterer Wind- und Solaranlagen verstärken, meinten einige. Am Ende genehmigten sich die Mitglieder eine 15prozentige Dividende aus dem Gewinn der Geschäftsjahre 2023 und 2024.

Die Module der Energiegenossenschaft auf dem Dach der Sporthalle in Rosbach-Rodheim müssen gelegentlich vom Schattenwurf der dort wachsenden Pflanzen befreit werden. Im Jahr 2025 wurden alle Steckverbindungen erneuert – nun liefert die Anlage wieder deutlich mehr Strom, meldet der Vorstand der Mittelhessischen Energiegenossenschaft. Foto: Nissen

Reich werden sie davon nicht. Zur Verteilung stehen um die 60 000 Euro, nachdem alle Kosten, Investitionen, Abschreibungen und Rückstellungen vom Ökostrom-Verkauf übrig bleiben. Das sei eine „solide Bilanz“, sagte der Aufsichtsrats-Vorsitzende Ralf Krause. Elf Jahre nach der Gründung zeige sich, dass die Energiegenossenschaft gut wirtschaften könne und die Produktion erneuerbarer Energien voran bringe.

Bis zu 4,5 Megawatt zusätzlich in Planung

Bislang produzierte die MiEG Solarstrom auf den Dächern von Kindergärten, Schulen und Gemeindehäusern in der Wetterau, im Vogelsberg und im Kreis Gießen. Vor wenigen Jahren kam die Beteiligung am Vogelsberg-Windpark Söderwald hinzu.

Der Friedberger Energieberater Achim Parbel managt nebenberuflich mit Heinz Acker und Dennis Zährl die Mittelhessische Energiegenossenschaft. Am Donnerstag wählten die Genossen Jürgen Wolf und Armin Häuser erneut in den Aufsichtsrat. Foto: Nissen

Für 2026 plant man laut Vorstand Achim Parbel die Sanierung der 100-Kilowatt-Anlage auf dem Reichelsheimer Bürgerhaus. Außerdem eine Solaranlage für Mieter mit insgesamt 50 Kilowatt Leistung in Rosbach und eine Anlage mit 600 Kilowatt Leistung auf einer Gewerbefläche in Friedberg. Als größtes Projekt steht Planung und Bau einer Freiflächen-Solaranlage auf der ehemaligen Mülldeponie bei Rockenberg an. Sie soll laut Parbel bis zu 3,9 Megawatt Strom liefern, der möglicherweise auch vor Ort in Batterien gespeichert werden kann.

Für Kauf des Winterstein-Windparks braucht es Millionen

All diese Projekte sind „Peanuts“ (so Aufsichtsrat Krause) im Vergleich zum geplanten Einstieg in den Windpark Winterstein. Dabei geht es um Millionen. Als Teil einer extra gegründeten Zentral-Energiegenossenschaft will die MiEG möglichst viele der 13 vom Wiesbadener Unternehmen Abo Energy geplanten Windanlagen auf dem Winterstein kaufen und betreiben. Sie hat ein Vorkaufsrecht. Allerdings kostet schon ein Windrad um die zehn Millionen Euro, sagte Ulrich Rohde von der Zentralgenossenschaft. Die habe momentan acht Mitglieds-Energiegenossenschaften aus dem Vogelsberg, Frankfurt, dem Odenwald, Starkenburg, dem Main-Kinzig-Kreis und Oberursel.

Die Kreise zeigen, wo die 13 Windkraftanlagen von Abo Wind werden auf der Taunushöhe oberhalb von Rosbach und Ockstadt mit zeitlicher Verzögerung entstehen sollen. Die vier Anlagen von Alterric auf der rechten Seite sollen schon dieses Jahr entstehen. Am Donnerstag, 5. Februar 2026 ist das ab 19.30 Uhr in der Friedberger Stadthalle Thema bei der öffentlichen Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung. Foto: Nissen

Wie genau kommt so viel Geld zusammen? fragte ein MiEG-Mitglied. Es werde wohl eine Mischung aus Eigenkapital und Nachrangdarlehen, antwortete Vorstand Achim Parbel. „Im Durchschnitt sind die Menschen bereit, sich mit 8000 bis 10 000 Euro zu beteiligen.“ Aber so weit sei man noch lange nicht.

Investor Abo Energy machte 2025 Verlust

Denn Ende Dezember wurde bekannt, dass die Windrad-Bauer von Abo Energy 2025 erstmals Verluste machten. Der in zahlreichen Projekten bis hin nach Südafrika aktive Konzern kündigte eine Restrukturierung an und verschob den Bau des 130 Millionen Euro schweren Winterstein-Windparks um sechs bis acht Monate. Mit den Kredit gebenden Banken habe man eine „Stillhaltevereinbarung“ geschlossen, meldete Abo Energy am 26. Januar. Der Börsenkurs war zuvor abgesackt, der Broker Trade Republic trotzdem den Kauf der Aktie.

Die Mittelhessische Energiegesellschaft sei davon überhaupt nicht betroffen, versicherten Parbel und Aufsichtsrat Krause. Die Genossenschaft sei Abo Energy in keiner Weise verpflichtet. Für den Einstieg in die Zentralgenossenschaft gab die MiEG 10 000 Euro aus. Dieser Verbund könne man auch in andere Projekte als dem Winterstein-Windpark investieren, so Ulrich Rohde. Beispielsweise in eine Technik, die alle Solaranlagen der Zentralgenossenschaft überwacht.

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