FRANKENSTEIN

Der Vulkan und der Bestseller

von Jörg-Peter Schmidt

Die Neuverfilmung von „Frankenstein“ unter der Regie von Guillermo del Toro ist seit der Premiere Ende 2025 ein großer Erfolg. Dies bietet Gelegenheit, doch wieder einmal den 1818 herausgegebenen Roman von Mary Shelley zu lesen. Das Buch wäre ohne die verheerenden Folgen eines Vulkanausbruchs möglicherweise nie entstanden.

Folgen des Tambora-Ausbruchs

Die Entstehungsgeschichte der Schauergeschichte ist oft erzählt worden, aber immer wieder spannend. Zumal ein Detail erst seit ein paar Jahren verstärkt in den Mittelpunkt gerückt ist.  Es geht um den Ausbruch des Vulkans Tambora (Indonesien), der 1815 erfolgte.  In jüngster Zeit hat man noch intensiver als vorher erforscht, welche furchtbaren Folgen die Eruption hatte.  Es wurden Unmengen von Asche und Gase hochgeschleudert: Es kam zu Wetterkatastrophen und folglich zu entsetzlichen Hungersnöten in vielen Ländern – auch in Europa:

Das „Jahr ohne Sommer“

Deutsche Erstausgabe, Max Altmann, Leipzig 1912 (Quelle. Wikipedia, Woodland987)
 

1816 ist aufgrund seines Dauerregens (bedingt auch durch den Vulkanausbruch) als „Jahr ohne Sommer“ in die Geschichte eingegangen.  Es schüttete pausenlos auch in der Umgebung einer Villa am Genfer See. Dort langweilten sich literarisch Interessierte (darunter Lord Byon), die Bücher durchstöberten und sich mit gruseligen Geschichten beschäftigten. Nach und nach entwickelte sich in diesem lesehungrigen Kreis die Vorstellung, man möge doch selbst eine Horrorgeschichte erfinden. Eine junge Frau aus der Gruppe ließ  die Idee nicht mehr los:  Mary Godwin, aus der später nach ihrer Heirat  Mary Shelley wurde: Sie schrieb ein Buch, das im Laufe der Jahrzehnte zu einem Weltbestseller wurde: „Frankenstein oder Der moderne Prometheus“, in der Erstausgabe 1818 anonym herausgegeben.

Mary Shelley, hier im Gemälde von Richard Rothwell (Quelle: Wikipedia, National  Portrait Gallery)
Ewig packende Story

Die packende Story ist mehrmals verfilmt worden: Der fanatische Wissenschaftler Victor Frankenstein erschafft aus Leichenteilen ein riesiges künstliches menschliches  Wesen, das von seinem Schöpfer entflieht und im Grunde genommen gutmütig ist. Die Menschen haben Angst vor ihm, verfolgen  es. Es kommt zu Missverständnissen und Frankensteins Kreatur tötet Menschen. Das Besondere an dem Buch – und auch in dem neuen Film, unter anderem mit Christoph Waltz in einer der Hauptrollen:  Die Schauergeschichte wird aus zwei Perspektiven erzählt: einmal aus der Perspektive Frankensteins und einmal aus der Sicht von „Prometheus“, der sehr gut sprechen gelernt hat und immer betont,  er sei im Ursprung  kein Wesen von Gewalt. 

 Büste von Karloffs Frankenstein-Monster im  Nationalen Filmmuseum Turin. (Quelle: Wikipedia, Urheber Andre Ribeiro, Curitiba, Brasil)
Eine kleine, aber originelle Änderung

Ein im Packeis  gefangenes Schiff spielt eine wichtige Rolle in der Story von 1818.  Hier hat am Ende seines Films Regisseur Guillermo del Toro eine kleine, aber durchaus einfallsreiche  Änderung gegenüber der Romanvorlage vorgenommen. Aber mehr soll hier nicht  verraten werden.

Spielt die Rolle  des Frankensteih-Geschöpfs in der Neuverfilmung: Jacob Elordi (Quelle: Wikipedia, Harald Krichel)
 

Titelbild: Der Vulkan Tambora (Foto: Wikipedia, Jialiang Gao( peace-on-earth.org)

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