Zölle

Trump entfesselt Welthandelskrieg

Von Dietrich Jörn Weder

Donald Trump übertrifft erneut schlimmste Befürchtungen. Mit hohen Zöllen gegen Freund wie Feind entfesselt er einen weltweiten Handelskrieg. Bei den Betroffenen löst der Rundumschlag des US-Präsidenten Kopfschütteln oder auch Entsetzen aus. Sie sinnen nun über eine geeignete Vergeltung nach.

US-Verbraucher bezahlen die Rechnung

Mit Strafzöllen von 20 Prozent kommt die EU vorerst noch relativ glimpflich davon, verbunden allerdings mit dunklen Andeutungen, dass es noch weitere Giftpfeile im Köcher gäbe, die man herausholen könne. Einfuhren aus einigen asiatischen und afrikanischen Ländern will Trump gar mit Zöllen bis zur Hälfte des Warenwerts abschrecken. Waren aus China sollen mit 34 Prozent Zoll belegt werden.

Mit der Abschottung gegen ausländische Konkurrenz glaubt der US-Präsident der eigenen Wirtschaft ein „goldenes Zeitalter“ zu bescheren. Zunächst aber wird sich die Lebenshaltung der US-Verbraucher verteuern, weil sie für Importwaren empfindlich höhere Preise bezahlen müssen.

Der tiefe Einschnitt in die internationalen Wirtschaftsbeziehungen könnte in den USA sogar eine Rezession auslösen, so die Befürchtung vieler Ökonomen. Eine derart radikale Aufkündigung des freien Welthandels hat es in der Nachkriegszeit noch nicht gegeben.

Deutschland hart getroffen

Über die Beziehungen Deutschlands zu seinem wichtigsten Handelspartner jenseits des Atlantiks hängt nun ein riesengroßes Fragezeichen. Sollte es bei der von Trump gewollten Erschwerung unserer Ausfuhr in die USA bleiben, werden die Folgen daraus für die deutsche Wirtschaft nur schwer zu verkraften sein.

Brüssel und Berlin herausgefordert

Aber vielleicht kommt alles noch einmal in Fluss, wenn die EU sich auf eine harte Vergeltung einigt. Diese müsste vor allem die US-Digital-Konzerne treffen, um wirklich wehzutun. Aber vorerst herrscht vor allem Unsicherheit über alles, was sich aus Trumps handelspolitischen Donnerschlägen noch ergeben wird. Und diese Unsicherheit wird die Welt vermutlich noch eine ganze Weile in Atem halten.

Union und SPD sollten sich mit der angestrebten Regierungsbildung nun umso mehr beeilen, denn die Herausforderung aus Washington wartet auf sie als erste große Bewährungsprobe. Die künftigen Koalitionspartner müssen sich noch mehr als bereits angestrebt darauf konzentrieren, die ohnehin lahmende Wirtschaft zu stabilisieren. Der drohende Verlust von Arbeitsplätzen in der deutschen Industrie sollten sie vor allem anderen beunruhigen und ihnen Beine machen.

Dr. rer. pol. Dietrich Jörn Weder war Jahrzehnte lang leitender Umweltredakteur und Fernsehkommentator des Hessischen Rundfunks. Seit seiner Pensionierung arbeitet er als freier Autor für Print- und Audiomedien. Er betreibt den Blog Wachposten Frankfurt, auf dem er Kommentare zu aktuellen Themen veröffentlicht. Wachposten

Titelbild: Containerstapler in Bremen (Bildquelle: Wikipedia/ Von JoachimKohler-HB – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=145140836)

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