Jung kauft Alt im Kreis Gießen
Der Landkreis Gießen möchte mit dem Programm „Jung kauft Alt“ die historischen Ortskerne stärken: Junge Familien werden beim Kauf alter Häuser gefördert. Für das Programm schlägt der Kreis nun kräftig die Werbetrommel.Junge Familien kaufen alte Häuser
„Eine junge Familie sucht ein Eigenheim. Ein älteres Haus steht nach einem Todesfall leer, ist aber stark sanierungsbedürftig. Ein anderes ist den Bewohnern nach dem Auszug der eigenen und erwachsenen Kinder zu groß geworden. Wie kann die Lösung aussehen, die für alle Seiten passt?“, fragt der Landkreis in einer Pressemitteilung. Die Sozialer Wohnungsbau und Strukturförderung im Landkreis Gießen GmbH (SWS) setze genau hier an, indem sie auf das Förderprogramm „Jung kauft Alt“ des Bundes hinweist. Damit es effektiv genutzt werden kann, will die SWS die Beteiligten zusammenbringen und Beispiele für Lösungen vor Ort aufzeigen, und zwar „für alle Interessierten neutral und kostenlos“.
Gefördert werden Familien mit mindestens einem minderjährigen Kind im Haushalt und eines maximal zu versteuernden Haushaltsjahreseinkommen von 90.000 Euro (zuzüglich 10.000 Euro für jedes weitere minderjährige Kind im Haushalt). Die Familien dürfen zum Zeitpunkt der Antragstellung nicht über weiteres Wohneigentum verfügen und in der Vergangenheit keine anderweitige Bundesförderung zur Wohneigentumsbildung erhalten haben. Voraussetzung: Das zu erwerbende Wohneigentum muss für mindestens fünf Jahre selbst bewohnt werden.
Leerstand in den Ortskernen verhindern
Das Förderprogramm wurde 2023 vom Bund aufgelegt. „Grundsätzlich passt es von der Intention sehr gut zu den Zielen, die Kreis und Kommunen gemeinsam in der SWS verfolgen: Leerstand vermeiden, Ortskerne stärken, neuen Wohnraum im Bestand ermöglichen“, wird Landrätin Anita Schneider in der Pressemitteilung zitiert. Allerdings fehle es häufig an Beispielen für eine Umsetzung. Eine langfristige Folge: Bestandsimmobilien sind zum Teil ungenutzt, stehen leer und verlieren mit der Zeit an Wert. Auf der anderen Seite: Junge Familien, für die ein Neubau nicht finanzierbar ist und die eine Bestandsimmobilie zum Kauf und zur energetischen Sanierung suchen.
Hier wolle die SWS ansetzen. Sie unterstützt und begleitet bereits seit ihrer Gründung 2017 bei der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum. Zur Gesellschaft gehören neben dem Landkreis alle Kreiskommunen mit Ausnahme von Gießen – die Universitätsstadt verfolgt das Ziel über ihre eigene Wohnbau GmbH. Die SWS ist mit vielen Akteuren vernetzt. Sie unterstützt die Mitgliedskommunen auch in der Einführung und Nutzung des hessischen Potenzialflächenkatasters. Dieses gibt digital Auskunft über zur Verfügung stehende Flächen und Nutzungsarten in den angeschlossenen Städten und Gemeinden.
Flächenversieglung verhindern
„Häufig können Lösungen sehr individuell angepasst nach örtlichen Gegebenheiten entstehen, auch im ländlichen Raum“, sagt Negar Jahadi, Geschäftsführerin der SWS. Dafür gibt es Möglichkeiten wie zum Beispiel eine Erbpacht, die eine langfristige Nutzung von Grundstücken ohne Kauf ermöglicht. „Viele Puzzlestücke können dazu beitragen, Ortskerne zu beleben und Wohnraum in bestehenden Strukturen zu schaffen, ohne dass Flächen für Neubauten genutzt und versiegelt werden müssen“, erklärt Jahadi. Eine Nachverdichtung bedeutet also auch eine Schonung von Ressourcen.
Die SWS macht nun an vielen Stellen auf „Jung kauf Alt“ und ihre Vermittler- und Beraterfunktion aufmerksam. Die Sparkasse Gießen sowie die Volksbank Mittelhessen unterstützen die Informationskampagne. Flyer und Aufhänger weisen künftig an vielen Stellen Interessierte auf das Angebot hin. „Wir möchten gerne Beteiligte vor Ort miteinander in den Austausch bringen“, erklärt Landrätin Schneider. Dies können kaufwillige junge Familien ebenso sein wie interessierte ältere Menschen, die nach Alternativen für ihr bisheriges Eigenheim suchen, Grundstücksbesitzer, Kommunen, Bauträger oder Kirchengemeinden. Dabei können individuelle Fragen – auch zu Umsetzungs- und Fördermöglichkeiten – durch die SWS geklärt werden.
Info und Kontakt: lkgi.de/sozialer-wohnungsbau; E-Mail: SWS@lkgi.de; Telefon 0641 9390-9347.
Weitere Infos zum Bundesprogramm unter bmwsb.bund.de
Titelbild: Landrätin Anita Schneider, Negar Jahadi, Geschäftsführerin der SWS, Hagen Roth, Fachdienstleiter Kreisentwicklung und Strukturförderung (von links), stellen das Werbematerial für die Kampagne der SWS zu „Jung kauf Alt“ vor. (Foto: Landkreis Gießen)