Lennys Wald in Karben wird noch größer
Von Klaus Nissen
Es ist sinnvoll und macht Spaß, Bäume zu pflanzen. Menschen und Unternehmen geben dafür gerne Geld. So kommt es, dass Lennys Wald an der Straße nach Nidderau demnächst bald doppelt so groß wird wie bisher. Dazu braucht es aber noch jede Menge Baumspender. Auch im Hochtaunuskreis wird neuer Wald angepflanzt.
Bald wächst der zweite Zukunftswald
Im Jahr 2023 hatte der neunjährige Lenny Kraut aus Klein-Karben eine folgenschwere Idee. Er wollte etwas für die Zukunft tun. Buchstäblich ein Bäumchen pflanzen. Und möglichst nicht nur eins. Das hat geklappt. Wenige Monate später entstand ein ganzer Zukunftswald rechts der Straße nach Heldenbergen, schräg gegenüber der städtischen Biogasanlage. Er ist drei Hektar groß und besteht aus gut 13 000 jungen Eichen, Buchen, Ahornbäumchen, Ebereschen.

Zuerst richtete Lenny eine Instagram-Seite ein, auf der er seine Idee schilderte. Schnell fanden sich erste Follower und Spender. Als ein paar hundert Euro zusammen waren, schrieb Lenny an Karbens Bürgermeister Guido Rahn. „Wir haben gar nicht unbedingt erwartet, dass er gleich antwortet“, sagt Lennys Mutter Kim Kraut zwei Jahre später. Doch Rahn bot gleich einen Acker am Waldrand zum Bepflanzen an. Mit seiner Mutter und anderen klingelte Lenny nachmittags an vielen, vielen Haustüren in Karben. „Ich hab 36 000 Euro gesammelt“, sagt der inzwischen zwölfjährige Siebtklässer stolz.
Im Dezember 2023 konnten Arbeiter schließlich tausende kniehohe Jungbäume in den Acker setzen. Drei Monate später kamen noch ein paar tausend Bäumchen außerhalb des umzäunten Geländes hinzu. Da konnten Spender die von ihnen finanzierten Bäumchen selber pflanzen. Im folgenden Sommer versorgte die Karbener Jugendfeuerwehr die Schößlinge mit Wasser. Medien berichteten über die Aktion. Und Landrat Jan Weckler überreichte ihm im Friedberger Kreishaus eine „Sonderbelobigung“ wegen seines Engagements.
Ein Teenager mit vielen Interessen
Inzwischen ist Lenny deutlich gewachsen. Kein Kind mehr, sondern ein schlaksiger Teenager. Seine Interessen haben sich erweitert. „Ich fahre gern Scooter mit dem Trickroller“, erzählt er bei einem Besuch im jungen Wald. „Ich bin Mitglied bei Funball Dortelweil und in der Triathlon-AG der Kurt-Schumacher-Schule.“ Fast jeden Nachmittag trainiert er. In seiner Altersklasse schwimmt man bis zu 400 Meter, fährt dann 20 Kilometer Fahrrad und läuft 2,5 Kilometer. „Ich zocke auch gerne Online-Spiele.“

Dem Wald bleiben Lenny und seine Familie aber treu. Hin und wieder besuchen sie ihn. Der Haselstrauch und das Walnuss-Bäumchen am Eingang sind gut angewachsen. Der kniehohe Mammutbaum hat aber seinen zentralen Trieb verloren. „Vielleicht hat jemand den Zaun offen gelassen, und ein Reh fraß die Knospen“, vermutet Lenny. Die Mini-Sequoia lebt noch. Sicherheitshalber pflanzten die Krauts noch ein zweites Mammutbäumchen an den Waldrand.
Studentischer Papierverzicht finanziert neue Bäume
Nun geht das Projekt in eine zweite Runde. Den Anstoß gaben Michael Scheithauer und seine Frau Nicole. Das Ehepaar aus Karben ist ideenreich und gut vernetzt. Erst im Oktober wurde auf Scheithauers Initiative der Naturerlebnispfad in der Verlängerung der Büdesheimer Straße am Waldrand oberhalb des Friedhofs eröffnet – mit einem acht Meter langen Eichenholzhtisch als Attraktion, den Auszubildende des Büromöbelherstellers König + Neurath geschreinert haben.

Michael Scheithauer verdient sein Geld als Kanzler (Verwaltungschef) der Hamburger Fernuniversität – einer Hochschule mit 14 000 Studierenden. Die haben laut Scheithauer alle das Recht, ihre Studienunterlagen auf Papier per Post zu erhalten. Dieser teure Ressourcen-Verbrauch ärgert ihn schon länger. „Deshalb mache ich unseren Studenten seit Mai ein Angebot. Für jeden, der auf Papier-Unterlagen verzichtet, spenden wir ein Bäumchen.“ Für Lennys Wald. Das Geld für 381 Jungbäume hat der Kanzler schon an die Stadt überwiesen.
Im Frühjahr 2026 werden weitere 2,5 Hektar aufgeforstet
Aber Lennys Wald ist voll. Da trifft es sich gut, dass die Stadt auf der anderen Seite des Feldweges noch einen Acker besitzt. Das rund 25 000 Quadratmeter große Areal soll ab Frühjahr ebenfalls aufgeforstet werden – die Stadt hat es bei der Unteren Naturschutzbehörde beantragt.
„Der Wald ist nichts, um Geld damit zu verdienen“, sagt Bürgermeister Guido Rahn. Die Holzpreise gehen gerade in den Keller. Und junge Bäume müssen freigeschnitten und mit Drahtzäunen vor Wildverbiss geschützt werden. „Aber wir bekommen dafür Ökopunkte, die wir zum Ausgleich für Baumaßnahmen an anderer Stelle einsetzen können.“
Wer das Projekt verfolgen will, kann die Instagram-Seite „Lennys_Baumprojekt“ aufrufen. Bislang hat sie 488 Follower. Spenden für weitere Bäume sammelt Lenny auf dem städtischen Konto mit der IBAN DE69 5185 0079 0110 0000 30. Das Stichwort: „Lennys Baumspende“.
Auch im Taunus entsteht neuer Wald
Die Folgen des Klimawandels haben den Wald im Hochtaunuskreis stark geschädigt. Wo vor zehn Jahren noch mächtige Baumbestände den Blick
von der Höhe ins Tal versperrten, ist das heutzutage kein Thema mehr.
Da haben Hitzewellen, Trockenheit und Borkenkäfer ganze Arbeit
geleistet: ganze Waldareale sind verschwunden, Fichtenbestände gibt
es nur noch wenige. Die entstandenen Freiflächen holt sich der der Wald
nur ganz langsam zurück.
Um dem Wald zu helfen, gibt es seitdem im Taunus zahlreiche
Wiederaufforstungen, berichtet die Pressestelle des Landratsamtes in Bad Homburg. Auch der Hochtaunuskreis beteiligt sich daran.
Der Kreistag beschloss im September 2025, tausend
junge Bäume zu pflanzen. Mit der Planung, Organisation und
Umsetzung wurde der Naturpark Taunus beauftragt, der sich als
Partner den Neu-Anspacher Verein WaldLiebe mit ins Boot
geholt hat.
Am Freitag, 14. November 2025 setzten rund 40 Helferinnen und Helfer die tausend Jungbäume hinter den den Sportplatz des Neu-Anspacher Stadtterils Hausen in die Erde.
„Wir pflanzen mit Douglasien, Lärchen, Flatterulmen, Roterlen und
Buchen Bäume, die vergleichsweise klimaresilient sind“, erklärte Landrat Ulrich Krebs. Ursprünglich sei angedacht gewesen, eine Art Forstgarten anzulegen und daraus Saatgut zu gewinnen, um damit die Taunuswälder
aufzuforsten. „Doch seit zwei Jahren hat sich die Situation verändert“, so
Krebs, „der Bedarf an Saatgut und Forstpflanzen hat sich beruhigt und
auf einem Maß eingependelt, der durch die in der Region ansässigen
Samendarren und Baumschulen gut bewältigt werden kann.“
Jährlich 20 000 Euro für weitere Bäume
Rund 10 000 Euro hat der Kreis für die Pflanzaktion zur Verfügung
gestellt. In den beiden nächsten Jahren sind weitere jeweils 20 000 Euro
für zwei Pflanzaktionen auf Kreisflächen. „Wir werden beobachten, wie
sich die Situation im Taunuswald entwickelt und gegebenenfalls das
Budget in den Folgejahren bedarfsgerecht anpassen“, versprach Krebs.

