Vom Kreml diktierter Friedensplan
von Dietrich Jörn Weder
Der in der Presse verbreitete ursprüngliche Trumpsche 28-Punkte-Plan für einen Frieden in der Ukraine könnte wortwörtlich vom Kreml diktiert worden sein. Die New York Times bezeichnet ihn als einen Akt der Schande (englisch disgrace). Die US-Regierung biete hierin die Unterwerfung der Ukraine zu russischen Bedingungen an.Erntedankfest für Russland
Wenn der Plan, wie von Trump gewünscht, am amerikanischen Thanksgiving Day zustande komme, dann könne Russland diesen Tag künftig als politisches Erntedankfest begehen, schreibt die NY Times.
Die daran beteiligten US-Politiker werde man dann künftig mit dem britischen Premierminister Neville Chamberlain vergleichen, der die Tschechoslowakei 1938 im sogenannten Münchener Abkommen an Hitler auslieferte. Trumps Plan signalisiere überdies, dass Russland sich mit Gewalt oder nuklearer Erpressung alles holen könne, was es wolle, ohne ein amerikanisches Einschreiten fürchten zu müssen.
Kiews rote Linien
Weder Kiew noch die europäischen Nato-Mitlieder werden vor Trump und dem Kreml, wie von beiden gewünscht, in die Knie gehen. Der ukrainische Parlamentspräsident hat bereits die roten Linien gezogen, über die sich Kiew keinesfalls ziehen lassen werde: Erstens:keine formelle Abtretung ukrainischer Gebiete, zweitens: keine Beschränkung seiner Truppenstärke und drittens: keine Einschränkung der Bündnisfreiheit der Ukraine.
Was am Ende stehen wird, falls es überhaupt zu einem Waffenstillstand kommt, ist völlig offen. Nur einen Thanksgiving Day mit einem ukrainischen Truthahn wird es für Trump nicht geben.
Für einen Waffenstillstand wird die Ukraine gleichwohl einen Preis zahlen müssen. Denn einen militärischen Sieg kann sie nicht erringen. Im besten Fall könnte sie den jetzigen Frontverlauf mit riesengroßem Einsatz halten.
Dr. rer. pol. Dietrich Jörn Weder war Jahrzehnte lang leitender Umweltredakteur und Fernsehkommentator des Hessischen Rundfunks. Seit seiner Pensionierung arbeitet er als freier Autor für Print- und Audiomedien. Er betreibt den Blog Wachposten Frankfurt, auf dem er Kommentare zu aktuellen Themen veröffentlicht. Wachposten
Titelbild: Der Bahnhofsvorplatz von Kramatorsk nach dem Angriff der russischen Armee am 8. April 2022, wo mehrere hundert Zivilisten auf die Evakuierung mit der Bahn warteten, 58 Menschen getötet und über 100 weitere verletzt wurden. (Bildquelle/ Wikipedia/Von armyinform.com.ua – https://armyinform.com.ua/2022/04/08/shtab-oos-pro-obstril-kramatorska-czynichne-varvarstvo-moskovytiv-ne-maye-mezh/, CC BY 4.0) https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=116752143)
