Rekorde in den Lahnauen
von Helmut Serowy
Die Erfolgsgeschichte des vom Ultra-Sport-Club Marburg organisierten Marburger Lahntallaufes setzte sich auch 2026 fort. Zwar wurde die Entwicklung durch Corona unterbrochen, nahm danach aber schnell wieder Fahrt auf. Zum 30. Lahntallauf 2024 sorgten 1220 Starter für einen neuen Teilnehmer-Rekord. 1913 Meldungen übertrafen im letzten Jahr die kühnsten Erwartungen.2300 Läufer am Start
Um dem Ansturm gerecht zu werden, organisierte das Ultra-Sport-Club-Team um Arne Pflüger mit seinen 100 Helfern die Startnummern-Ausgabe neu, führte Teilnehmer-Limits von jeweils 1000 Startern für die am stärksten frequentierten Distanzen 10 Kilometer und Halbmarathon ein und entzerrte das Start-Prozedere etwas durch zwei zeitlich versetzte Starts. Mit über 2300 Startern registrierten die Organisatoren erneut eine deutliche Teilnehmer-Steigerung. Damit sind aber auch die Kapazitäten auf den Radwegen vollständig ausgereizt. „Wir denken über weitere Startverschiebungen und Starter-Limits nach. Teilnehmerrekorde streben wir auf unserem limitierten Kurs auf keinen Fall mehr an“, zog Arne Pflüger eine positive Bilanz.
Traditionslauf an der Lahn
Veranstaltungszentrum des Marburger Lahntallaufes ist die Sporthalle neben dem Georg-Gaßmann-Stadion. Der Start- und Zielbereich befindet sich rund 600 Meter entfernt in den Lahnwiesen. Die breit gefächerte Palette des Traditionslaufes umfasst Wettbewerbe über 10 Kilometer, Halbmarathon, 30 Kilometer, Marathon und 50 Kilometer. Ein attraktives Angebot für ambitionierte Läuferinnen und Läufer aller Leistungsklassen sowie für die vielen Breitensportler und Genuss-Läufer. Das zudem durch eine weitgehend flache, amtlich vermessene Strecke punktet. Ein 10-km-Rundkurs führt links und rechts der Lahn auf Radwegen durch die Auen und entlang des Stadtbereichs. Halbmarathon- und Marathonläufer erwartet vor dem Zieleinlauf noch eine zusätzliche Wendepunkt-Schleife, um die korrekte Streckenlänge zu erreichen. Erstmals starteten bei der 32. Auflage des Lahntallaufes um 10 Uhr nur die Wettbewerbe über 30 Kilometer, Marathon und 50 Kilometer gemeinsam. Zwanzig Minuten später schickte der Starter die Halbmarathon- und 10-km-Läufer auf ihre Runden.
50 Kilometer
„Königsdisziplin“ ist beim Marburger Lahntallauf das 50-km-Rennen, in dessen Rahmen bereits zweimal Deutsche Meisterschaften ausgerichtet wurden. Bei ansonsten guten Bedingungen hatten die Starter ab der zweiten Runde in den weiten Auen allerdings mit einem kräftig aufkommenden Wind zu kämpfen.
Nicht beeindrucken ließ sich hierdurch der Ultralangstreckler Anno Dallmann vom TuS Deuz. Nach 39:15 min in der ersten Runde zog er sein Tempo auch auf den weiteren Schleifen gleichmäßig durch. Der M40-Läufer belohnte sich nach 3:16:53 Stunden mit einem überlegenen Erfolg. Als Duo waren auf den beiden ersten Runden seine Verfolger Sven Theis (Nine Sub 9/Sisu Training) und Jan Schött (SG Landenhausen) unterwegs. Sven Theis konnte sich anschließend lösen, setzte sich immer weiter ab und sicherte sich mit 3:38:18 Stunden den zweiten Rang. Jan Schött lief nach 3:48:53 Stunden zu Bronze und dem zweiten Rang in der M40.
Als Vierter und M40-Dritter folgte Andy Beck (RLT Rodgau) – der die Frauen-Zweite Sabine Beck fast 40 Kilometer begleitete – in 3:54:22 Stunden. Hinter Zhan Georgiev (Dautphetal, 3:55:35 Stunden) erkämpften sich Luis Vieyra (Exatec Running) mit 3:59:45 Stunden und Ulrich Sieke aus Herborn mit 4:01:55 Stunden die Siege in der M45 und der M55.

Nach erfolgreichen Marathonläufen stürmte Laurine Freitag von der LGV Marathon Gießen über die 50-km-Distanz mit 3:37:31 Stunden zu einer Top-Zeit und dem zweiten Rang im Gesamteinlauf. Die 2015 bei den Deutschen 50-km-Meisterschaften von Nele Alder Baerens (Ultra-Sport-Club Marburg) festgeschriebene Zeit von 3:37:23 Stunden verpasste die 30-km-Dritte des Vorjahres nur hauchdünn. Stark präsentierte sich als Zweite der Frauen-Wertung und Fünfte des Gesamt-Klassement auch die W40-Siegerin Sabine Beck (RLT Rodgau). Die Vorjahres-Dritte verbesserte sich auf 3:50:00 Stunden. Mit gleichmäßiger Renneinteilung sicherte sich Elisabeth Grund aus Berlin in 4:08:13 Stunden Bronze und den Erfolg in der W30.
Nach Bronze und Silber in der Frauen-Wertung 2024 und 2025 erreichte Jasmin König (LT Roßbachtal) diesmal als Vierte den Zielbogen unterhalb des Landgrafenschlosses. Mit ausgeglichener Renneinteilung bestätigte sie nach 4:21:25 Stunden ihre Vorjahres-Leistung. Auf den Plätzen fünf und sechs folgten die W35-Siegerin Katharina Janz (Wiesbaden, 4:45:20) und die W45-Siegerin Annet Schäfer (RLT Rodgau, 4:50:32).
Marathon
Seine aufsteigende Form münzte Philip Scharck (M35) von der LGV Marathon Gießen zum überlegenen Marathonsieg um. Das Einstiegstempo über 10 Kilometer in 38:48 min zog er konsequent bis zum Zieleinlauf in 2:44:42 Stunden durch. Damit war er bereits früh seinen Mitstreitern enteilt. Diese führte über 30 Kilometer hinaus der spätere Sechste und M40-Sieger Sven Höller (LT Florstadt, 3:00:02 Stunden) an. Letztlich führte der anfänglich Drittplatzierte Max Schneider aus Marburg die ausgeglichene Verfolger-Truppe an. Der Gesamt-Zweite gewann nach 2:56:25 Stunden die Hauptklasse. Bronze holte sich der zweite M35-Starter Daniel Alexander Bizjak in 2:57:11 Stunden vor dem M35-Dritten Lars Müller (Bischoffen, 2:58:40).
Unter der Drei-Stunden-Marke blieb zudem als Fünfter der schnellste M55-Läufer Muharrem Yilmaz (Ayyo Team Essen, 2:58:46). Hinter Sven Höller freute sich Till Schüchen (Steinebach/Sieg, 3:08:26) über den Junioren-Erfolg (U23).
Im letzten Jahr hatte die W45-Starterin Petra Herrmann vom Lübecker Marathon e.V. den Marathon-Streckenrekord beim Lahntallauf mit 2:59:30 Stunden erstmals unter die Drei-Stunden-Marke gedrückt. Mit 41:42 min übeer 10 Kilomerter startete sie bei der 32. Auflage noch etwas schneller und steigerte ihre Strecken-Bestzeit um 49 Sekunden auf 2:58:41 Stunden. Im Gesamteinlauf glänzte sie damit zusätzlich als Fünfte.

Lange lag Clarissa Lehmeyer vom Polizei SV Berlin auf der Silber-Position. Die ruhiger anlaufende Verena Henze vom Warburger SV rückte ihr im Verlaufe des Rennens immer dichter auf den Pelz und zog auf der letzten Runde schließlich vorbei. Nach 3:26:29 Stunden erkämpfte sie sich den zweiten Rang und Gold in der W40. Clarissa Lehmeyer gewann als Dritte in 3:28:23 Stunden die W30.
Die Vorjahres-Zweite Sylke Kuhn (100 Marathon Club, 3:51:24) lag als Vierte in der W55 in Front. Es folgten die W55-Zweite Annette Sattler (Team Klinikum Nürnberg, 3:52:18), die W40-Zweite Verena Staubitz-Mink (Team Sieseby, 3:54:15) und die W30-Zweite Eva Semmler (TG Hallgarten, 3:56:40).
30 Kilometer
Vom Start weg übernahm der Hessenmeister im 10-km-Straßenlauf der M40 – Andreas Poppe von der LG Reinhardswald – das Kommando im gemeinsamen Rennen der Starter der Wettbewerbe über 30 Kilometer, Marathon und 50 Kilometer. Nach der Einstiegsrunde in 35:58 min schloss er sein Solo nach 1:50:22 Stunden mit über sechs Minuten Vorsprung ab. Wie im Vorjahr strebte Timo Kortemeyer (Läuferherz Darmstadt) ungefährdet mit 1:56:36 Stunden zum zweiten Rang und dem Hauptklassen-Erfolg. Andreas Ogrizek von der LGV Marathon Gießen wiederholte nach 1:59:35 Stunden ebenfalls seinen dritten Rang und setzte sich in der M35 an die Spitze. Markus Mockenhaupt von der SG Wenden – Marathon-Zweiter von 2025 – gewann als Vierter in 2:00:06 Stunden die M45. Stärkste Läufer der M50 und der M30 waren dahinter Nils Tore Gjone (Oslo, 2:11:18) und Daniel Heß (Frankfurt/M, 2:11:59).
Ana Birkenhauer von Spiridon Frankfurt hatte die Frauen-Konkurrenz über 30 Kilometer unter Kontrolle und mischte zusätzlich als Gesamt-Fünfte auch die Männer-Konkurrenz auf. Ihr gleichmäßiges Rennen mit dem 10-km-Einstieg in 42:08 min zog sie voll durch. Nach ausgezeichneten 2:05:38 Stunden feierte sie einen Vorsprung von 17 Minuten vor der Zweiplatzierten Rike Donges aus Marburg, die nach 2:22:39 Stunden finishte.
Eng wurde es bei der Entscheidung um die Bronze-Platzierung. Einen kleinen Vorsprung nach der ersten Runde verteidigte die W30-Siegerin Vanessa Oster vom TuS Deuz mit 2:27:52 Stunden bis ins Ziel. Carina Salzmann (TSV Niederelsungen, 2:28:17) gewann als Vierte die W40, Maleen Bienek (SG Chattengau-Triathlon, 2:28.42) erreichte dichtauf den dritten Rang in der Hauptklasse. Die W35 führte Elena Zavalko (Friedberg, 2:29:52) an.
Halbmarathon
Den Halbmarathon über zwei Runden mit einer zusätzlichen Wendepunkt-Strecke vor dem Zieleinlauf – für den sich 941 Sportler beworben hatten – führte Moritz Weiß von der LGV Marathon Gießen mit einem 10-km-Einstieg in 33:34 min souverän an. Der M35-Starter siegte einmal mehr über die 21,1-km-Distanz in 1:11:24 Stunden. Jamal Sanhaji vom SF Blau-Gelb Marburg – der nach längerer Pause bei den mittelhessischen Winterlauf-Serien wieder überraschte – blieb nach 1:14:22 Stunden der zweite Rang und der Erfolg in der M35. Bronze sicherte sich der Hauptklassen-Sieger Silas Becker vom TV Haiger in 1:15:28 Stunden. Als Vierter führte der M35-Zweite Marc Unger (SC Neukirchen, 1:17:54) ein Trio mit Luis Graulich (LGV Marathon Gießen, 1:18:03) und dem Junioren-Sieger Ruben Magalhaes Ferreira (VfL Altenstadt, 1:18:04) an.
Die für die Schwimmabteilung des VfL Marburg startende Johanna Mankel trumpfte beim Halbmarathon der Frauen auf. Nach 37:33 min über 10 Kilometer setzte sie ihr Temporennen weiter fort und steigerte den Streckenrekord auf starke 1:19:39 Stunden. Lediglich sieben Männer erreichten vor ihr den Zielbogen. Den zweiten Rang erkämpfte sich die Triathletin Janina Edenhofner vom ACT Kassel, die sich mit 1:24:44 Stunden die Krone in der W30 aufsetzte. Bronze holte sich Jana Echterhoff (W30) von der LG Aachen mit 1:30:45 Stunden vor der Hauptklassen-Zweiten Tara Kiani (LGV Marathon Gießen, 1:31:08) und der W30-Dritten Annika Hartmann (TSV Niederelsungen, 1:31:14).

Weiter auf Erfolgskurs ist beim Halbmarathon die Führende der Deutschen Jahresbestenliste der W70 – Monika Donges vom Team Naunheim. Nach langer Verletzungspause im letzten Jahr meldete sie sich bereits bei den Winterlauf-Serien wieder erstarkt zurück. Mit ihren beim Lahntallauf erreichten 1:41:43 Stunden liegt sie aktuell national wieder vorne. „Eigentlich wollte ich noch etwas schneller laufen. Auf der zweiten Runde hat mich der starke Wind aber leider ausgebremst“, bedauerte sie dennoch.
10 Kilometer
Am stärksten besetzt waren auch beim 32. Marburger Lahntallauf wieder die 10 Kilometer mit 997 Meldungen. Diese lieferten auf ihrer Runde entlang der Lahn aber auch wieder hochklassige Leistungen ab.
Im letzten Jahr hatten gleich vier Läufer den alten Streckenrekord unterboten – angeführt von Lorenz Rau vom ASC Breidenbach mit 30:52 min. Zusammen mit dem ebenfalls für die mittelhessische Läuferhochburg ASC Breidenbach startenden Marathon-Hessenmeister Jannik Weber bestimmte Lorenz Rau erneut das 10-km-Rennen. Zeitgleich stürmten beide nach 31:07 min über die Ziellinie. Der Vorjahres-Dritte und M30-Schnellste Jannik Weber erkämpfte sich in der Millimeter-Entscheidung den Sieg vor Lorenz Rau. Mathias Schneider (TeaM TriranhaS) – 10-km-Sieger von 2024 – sprang als Hauptklassen-Zweiter nach 32:51 min auf das dritte Treppchen.
Das Verfolgerfeld führte der M30-Zweite Pascal Fischer (Laufteam Kassel, 33:17 min) vor den beiden schnellsten M35-Startern Simon Jakob (KSV Baunatal-Triathlon, 33:31 min) und Relin Mehrhoff (TriranhaS Bad Arolsen, 33:48 min), dem M30-Dritten Tobias Heyden (Gießen, 33:50 min) und dem M40-Sieger Marc Feussner (ASC Breidenbach, 33:57 min) an.
Nina Reuter/Voelckel von Frankfurt Athletics hatte bereits 2023 und 2024 beim 10-km-Rennen im Lahntal neue Streckenrekorde aufgestellt. Nur zwei Wochen nach ihrer Halbmarathon-Bestzeit von 1:11:05 Stunden in Barcelona blies sie in Marburg erneut zum Angriff. Als Gesamt-Achte steigerte sie ihren Streckenrekord nochmals um 17 Sekunden auf glänzende 33:53 min. Das Moderatoren-Duo Markus Bourcarde und Sven Schnitker von den Running-Voices feierten als erneute Zweite auch die Marathon-Hessenmeisterin Verena Goldfuß vom TSV Krofdorf-Gleiberg, die nach 37:24 min das Ziel erreichte.

Das Duell um den dritten Rang entschied die W40-Siegerin Steffi Lemke vom ACT Kassel mit 40:06 min knapp vor der U20-Siegerin Teresa Dinges vom VfL Marburg (40:11 min) für sich. Hinter der Hauptklassen-Dritten Elisa Köhler (TV Wetter, 40:53 min) gewann die Vorjahres-Zweite über 30 Kilometer – Karin Hahnfeld (MTV Gießen, 41:23 min) – in der Triathlon-Vorbereitung die W50. Die Winterlauf-Seriensiegerin von Pohlheim und Alten-Buseck – Jana Schütt (BG Marburg, 41:30 min) folgte dichtauf als Schnellste der W45. Lea Kleine Vorholt (Running Crew Münster, 41:58) übernahm die Spitze bei den Juniorinnen.
Ergebnisse www.volkslauf.de & www.lahntallauf.de
Titelbild: Lang ziehen sich beim Marburger Lahntallauf die Läuferschlangen durch die Auen unterhalb des Landgrafenschlosses