Trump ohne Siegestrophäe
von Dietrich Jörn Weder
Das nahöstliche Kriegstheater weitet sich aus und zieht sich in die Länge. Das iranische Regime ist militärisch nicht schachmatt gesetzt. Raketeneinschläge in der Nähe der israelischen Atomforschungsanlage in der Negev-Wüste mit vielen Verletzten demonstrieren dies der Weltöffentlichkeit. Teheran attackiert auch weiterhin treffsicher neuralgische Ziele in den mit Amerika alliierten Golfstaaten. Diese benötigen und reklamieren wirksamen Beistand der USA, den letztere nicht verweigern können, ohne Ansehen und Einfluss in dieser Weltregion zu verlieren. Donald Trump kann bisher keine Siegestrophäe vorzeigen, mit der er gesichtswahrend das Kampffeld verlassen könnte.Israel mit eigenen Interessen
Die israelische Regierung zeigt ohnehin kein Interesse, die Kampfhandlungen baldigst einzustellen. Ministerpräsident Netanjahu verfolgt offenbar das Ziel, Irans Militärmacht möglichst vollständig zu zertrümmern. Sein Militär tötet erstaunlich zielgenau reihenweise hochrangige Vertreter des Mullah-Regimes und rühmt sich dessen. Aber damit fehlen auch mögliche Ansprechpartner für eine etwaige Friedensvereinbarung. Doch das ist vielleicht sogar Absicht, denn der Verlässlichkeit einer Verhandlungslösung traut Netanjahu vermutlich sowieso nicht.
Die Tötung iranischer Kommandeure verspricht auf Dauer freilich keinen militärischen Nutzen. Wie der vielköpfigen Hydra in der Herkules-Sage wachsen alsbald Köpfe für die abgeschlagenen Häupter nach, und warum sollten die Nachkommenden nachgiebiger als ihre Vorgänger sein?
Ausweg mit Diplomatie?
Den gordischen Knoten des Iran-Krieg zu lösen, fällt allein den Amerikanern zu. Ohne einen größeren US-Militäreinsatz wird die Meerenge von Hormuz nicht wieder passierbar. Und ohne freie Durchfahrt für Tanker aller Flaggen geht der für den US-Präsidenten so wichtige Ölpreis nicht wieder zurück. – War es nicht auch Trumps Mindestziel, die Mullahs an einer weiteren Uranreicherung zu hindern und das schon beinahe bombenfähige Material in die Hand zu bekommen?
Der Weg dahin ist nun vielfach verlegt. Wahrscheinlich braucht es nicht nur Waffen, sondern auch die Rückkehr zur Diplomatie, um in der Sache voranzukommen. Die heranrückenden Zwischenwahlen im November lassen Trump nicht viel Zeit dazu. Und selbst das US-Waffen-Arsenal ist nicht unerschöpflich.
Dr. rer. pol. Dietrich Jörn Weder war Jahrzehnte lang leitender Umweltredakteur und Fernsehkommentator des Hessischen Rundfunks. Seit seiner Pensionierung arbeitet er als freier Autor für Print- und Audiomedien. Er betreibt den Blog Wachposten Frankfurt, auf dem er Kommentare zu aktuellen Themen veröffentlicht. Wachposten
Titelbild: Donald Trump empfängt Benjamin Netanyahu am 4. Februar 2025 im Weißen Haus. (Bildquelle: Wikipedia)
