Hessenpark im Herbst

Apfelfest am Wochenende

Von Corinna Willführbu-hessenpark-ziegenbock

Die Äpfel sind gepflückt, die Kartoffeln ausgemacht. Mitnichten aber ist damit die Herbst-Arbeit für Volker Weber und sein Team vom Fachbereich Historische Landwirtschaft und Umwelt im Hessenpark getan. So ist noch jede Menge Arbeit bis zum großen Apfelfest am Wochenende zu erledigen. Und darüber hinaus: Die Futterrüben müssen aus der Erde, die Wintersaat muss in den Boden und die Ställe für die Überwinterung der Tiere müssen vorbereitet werden.

Tabak blüht hinter dem Grünkohl

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Eine der wenigen Pflanzen, die zurzeit noch im Hessenpark blüht, ist der Tabak. (Fotos: Corinna Willführ)

Gleich zur Rechten hinter dem einstigen Eingang des Hessenparks blüht rosarot und weiß noch der Tabak. In langen Reihen davor: Grün-, Rot- und Weißkohl. Typische Gemüsesorten, die auch kühlere Temperaturen gut vertragen. Weniger robusten Pflanzen soll ab nächstem Jahr die unmittelbar an die Felder angrenzende Gärtnerei einen Ort zum Wachsen und Gedeihen bieten. „Wir warten noch auf die Baugenehmigung. Ist sie da, hoffen wir in 2016 noch das Fundament legen zu können“, berichtet Volker Weber, Fachbereichsleiter für Historische Landwirtschaft und Umwelt im Hessenpark. Mit dem Baubeginn ist aber erst in 2017 zu rechnen.

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Rotkohl, Weißkohl, Grünkohl? Fachbereichsleiter Volker Weber stellt immer wieder fest, dass viele Menschen die Gemüsesorten, wie sie in der Natur wachsen, nicht kennen.

Auf jeden Fall bis Ende November will Weber den neuen Zuchteber für die beiden Jungsauen in den Hessenpark holen. Damit es im Frühjahr Nachwuchs gibt. Denn mit der künstlichen Besamung der weiblichen Tiere der alten Rasse der Deutschen Sattelschweine hat es heuer nicht geklappt. „Die Sauen standen zwar gut, aber es riecht eben nur ein Eber genau, wann sie rauschig sind.“ Damit die Wutze ihren Freilandauslauf lange genießen können, werden derzeit neue offene Stallunterkünfte für sie gebaut.
Für die Coburger Fuchsschafe und ihre Artverwandten, die Rhönschafe, ist die Arbeit wohl bald getan. Dann haben sie mit den Thüringer Waldziegen die Weidenflächen auf dem Gelände nicht nur abgemäht, sondern auch abgeknabbert. Volker Weber: „Brennnesseln zum Beispiel fressen Schafe nicht, auch keine hölzernen Gewächse. Das übernehmen dann die Ziegen.“ So sind „Wiesenmäher und Buschvernichter“ quasi einträchtig bei der Fress-Arbeit. Allein: Weibliche und männliche Tiere sind derzeit streng getrennt, wären doch die jungen Hammel durchaus schon an einer Partnerin interessiert. Doch wer unter den tierischen Bewohnern des Hessenparks mit wem Nachwuchs zeugt, wird streng überwacht. „Inzucht muss dabei absolut ausgeschlossen werden.“ Schließlich ist der Hessenpark nicht nur ein biozertifizierter Betrieb, sondern auch ein „Arche-Park“.

Erfreulicher Nachwuchs bei den Leinegänsen

Das gilt auch für die Leinegänse. Vor drei Jahren fand mit Caspar und Helene – nach einigen gänseloser Jahre im Freilichtmuseum – ein junges Gänsepaar der auf der Roten Liste stehenden Tiere ein neues Zuhause im Hessenpark. Sechs Gössel, sind in diesem Jahr aus der „Beziehung“ der beiden entstanden. Zu den äußerst seltenen Tieren – 1994 gab es in Deutschland nur noch sechs Exemplare – hat auch Volker Weber eine besondere Beziehung. „Für mich gehören Gänse einfach zum Landleben.“ Auch zu einem Stück Kindheit wie im Märchen von „Hans im Glück“. Wie Caspar und Helena, die auf der Zuchtschau der Leinegänse in Hannover „verpaart“ wurden, hofft Weber auch für drei der Hessenpark-Gösslinge in der Stadt an der Leine Partner zu finden, um den Bestand der Leinegänse weiterhin sichern zu können.

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Auch sie waren bei einem herbstlichen Rundgang durch den Hessenpark unterwegs: Jungen und Mädchen der Klasse 4c der Darmstädter Schiller-Schule.
Kein Ertrag vom Weinberg

So erfreulich der Zuchterfolg bei den Leinegänsen, so bedauerlich der Leseertrag vom Weinberg. „In diesem Jahr haben wir eine komplette Missernte“, sagt Weber. „Wir haben die Trauben zwar gelesen, aber nicht gekeltert.“ Durch den feuchten Frühsommer seien die Rebstöcke stark von Pilzen befallen worden. „Und als Biobetrieb setzen wir natürlich keine chemische Keule ein.“ So gibt es denn anders als im vergangenen Jahr – 135 Flaschen Riesling waren in 2015 den Kellern gelagert worden – keinen Rebensaft von den Hängen bei Neu-Anspach.
Dafür aber am Wochenende frisch gepressten Süßen aus der Ernte von 24 verschiedenen Hochstamm-Apfelsorten. Und Dämm-, sprich Pellkartoffeln vom eigenen Acker. Und Erläuterungen von Fachleuten der einzigen Bio-Baumschule in Hessen. Und Infos für Apfel-Allergiker. „Das ist ein zunehmendes Thema“, klärt Weber auf, „denn wir haben die Rückmeldung, dass alte Apfelsorten anders als Produkte aus dem Supermarkt von den Menschen besser vertragen werden.“

Noch zum Vormerken: Wie aus der Sau Worscht wird, zeigt am 6. November erstmals der neue Metzger des Hessenparks, Frank Wagner aus Schöffengrund-Laufdorf bei Wetzlar. „wir sehen uns dann wohl erst wieder im Stall bei den Tieren“, schmunzelt der Fachbereichsleiter – zur vierten Folge der Serie – und damit zu einem Winterbesuch hinter den Kulissen des Hessenparks im Januar 2017.

Infos zum Apfelfest am 15. Und 16. Oktober 2016 sowie zum Herbstferien-Programm des Freilichtmuseums Hessenpark unter hessenpark.de

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