Gartenvögel in Hessen

Spatzen werden rar

Spatzen sind in den hessischen Gärten selten geworden. Das hat der Naturschutzbund (Nabu) Hessen bei seiner alljährlichen Vogelzählung festgestellt, die er „Stunde der Wintervögel“ nennt. Mehr als 10.400 Hessen haben bei der Zählung am zweiten Januarwochenende mitgemacht und insgesamt 239.297 Vögel in 7.675 Gärten erfasst, berichten die Vogelschützer.

Mehr Zähler, weniger Vögel

„Das ist das viertbeste Teilnehmenden-Ergebnis aller 16 hessischen Zählungen und ein Plus von knapp 10 Prozent im Vergleich zum Vorjahr“, wird Nabu-Ornithologe Bernd Petri in einer Pressemittelung des Nabu Hessen zitiert. „Schnee und Frost haben für das passende Winter-Feeling gesorgt, so dass viele Menschen Lust hatten, sich mit den Wintervögeln im Garten zu beschäftigen“, vermutet er.

Weniger erfreulich sind die Ergebnisse der Zählung in Hessen, beklagt der Nabu. Mit im Schnitt 31,2 Vögeln wurden noch nie so wenige pro Garten oder Park gemeldet wie in diesem Jahr. Bei der ersten Zählung 2011 waren es noch durchschnittlich 41,4 Vögel. Hessen zeigt damit die gleiche Tendenz wie das gesamte Bundesgebiet. „Über die vielen Aktionsjahre lässt sich leider ein stetiger Abwärtstrend bei der Anzahl der Vögel pro Garten beobachten. Damit reihen sich auch häufige Arten wie Amseln, Meisen, Finken und Spatzen in den zunehmenden Schwund der Vogelbestände ein, wenn es auch hier nicht so dramatisch abwärts geht, wie das bei den Agrarvögeln der Fall ist“, stellt Petri fest.

Amsel, Meise, Star – alle Vögel sind schon rar

Besonders auffällig ist der große Rückgang bei den beiden Spatzenarten. Landesweit wurden sie 15 Prozent (Haussperling) und 14 Prozent (Feldsperling) seltener gesichtet als im Vorjahr. Damit setzt sich der langjährig negative Trend weiter fort. „Wo all die Spatzen hin sind, müssen wir noch genauer untersuchen. Klar ist, dass Brutplatz- und Nahrungsmangel seit Jahren ein Problem für die beiden Arten sind“, erläutert Petri. Trotz seines Negativtrends liegt der Haussperling hessen- und bundesweit immer noch ganz vorn in der Rangliste der am häufigsten gesichteten Vögel. Es folgen Kohlmeise, Blaumeise, Amsel, Star und Elster. Besonders viele Spatzen wurden wie in den Vorjahren in Nordhessen gesichtet. In Südhessen belegt hingegen die Kohlmeise den ersten Platz. In Wiesbaden liegt der Spatz sogar nur auf Platz 6, dicht gefolgt vom bunten Halsbandsittich auf dem siebten Platz, mit zunehmender Tendenz. Wo Verlierer sind, gibt es auch Gewinner: Rotkehlchen, Kleiber, Buntspecht und Schwanzmeise kamen teils deutlich häufiger als im Vorwinter an die hessischen Futterhäuser. 

Viele Kraniche

Auffällig ist in diesem Jahr die große Zahl der gemeldeten Kraniche in Hessen. Mit 7.116 Individuen wurden über 3.600 Prozent mehr Kraniche als im letzten Jahr gezählt. „Da in diesem Winter besonders viele Kraniche wochenlang bei uns rasteten und in den hessischen Auen genug Nahrung fanden, gab es deutlich mehr Beobachtungen. Das zeigt einmal mehr, dass die Stunde der Wintervögel die aktuelle Situation unserer gefiederten Freunde sehr gut widerspiegelt“, freut sich Petri.

Die „Stunde der Wintervögel“ laut Nabu „Deutschlands größte wissenschaftliche Mitmachaktion“. Sie wird vom Nabu und seinem bayerischen Partner LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) organisiert. Die Aktion liefert in enorm hoher Auflösung Daten zur Winter-Bestandsentwicklung häufiger Arten des Siedlungsraums. Je größer die Teilnahmezahlen und je länger die Zeitreihe, desto aussagekräftiger sind die Ergebnisse. Die nächste Zählaktion ist die „Stunde der Gartenvögel“ für die Zeit vom 8. bis 10. Mai 2026 geplant, kündigt der Nabu an.

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