Demenz

Wenn das Gehirn abbaut

Wenn der Partner, Vater, Mutter, Oma oder Opa dement werden, ist die Herausforderung für die Angehörigen rießengroß. Die Angehörigen müssen mit der Erkrankung umgehen lernen. „Oft machen wir in unserer Einrichtung die Erfahrung, dass Angehörige verständnislos, hilflos und leider oft gereizt reagieren, haben sie doch ihren Angehörigen bisher ganz anders erlebt“, berichtet Susanne ter Jung, die die Seniorenresidenz Alloheim Casino Wetzlar leitet. Sie rät: „Zunächst einmal sollte man die Krankheit Demenz als solche erkennen und akzeptieren.“

Demenz erschüttert das ganze Sein

Die Leiterin der Wetzlarer Seniorenresidenz zitiert aus einer Broschüre des Bundesministeriums für Gesundheit: „Am Anfang der Krankheit sind häufig Kurzzeitgedächtnis und Merkfähigkeit gestört, im weiteren Verlauf verschwinden auch bereits eingeprägte Inhalte des Langzeitgedächtnisses. Die Betroffenen verlieren so mehr und mehr die während ihres Lebens erworbenen Fähigkeiten und Fertigkeiten. Eine Demenz ist jedoch weitaus mehr als eine einfache „Gedächtnisstörung“. Sie kann sich auch in einer zunehmenden Beeinträchtigung der Aufmerksamkeit, der Sprache, des Auffassungs- und Denkvermögens sowie der Orientierung zeigen. Somit erschüttert eine Demenzerkrankung das ganze Sein des Menschen – seine Wahrnehmung, sein Verhalten und sein Erleben.“

Susanne ter Jung.

Es helfe nicht, einem dementen Menschen Vorhaltungen zu machen, warum er dies oder das vergessen hat, was er gestern noch wusste. „Er weiß es nicht mehr! Es nützt nichts, ihm vorzurechnen, wie alt er ist, um ihm zu erklären, dass seine Mutter, nach der er fragt, schon lange gestorben ist. Er weiß es nicht mehr! Ein dementer Mensch lebt in seiner eigenen Welt. Zum Teil fühlt er noch, dass irgendetwas mit ihm nicht stimmt, ist auf der Suche aber findet sich nicht mehr zurecht“, sagt ter Jung. Sie erinnert sich an eine Dame, die unbedingt mit dem Bus nach Hause fahren wollte, weil ihre Mutter auf sie wartete. „Ich schrieb ihr zwei Abfahrtzeiten des Busses auf einen Zettel, sie war glücklich und hat nie mehr nach dem Bus gefragt“, sagt ter Jung. Eine andere Dame sei verzweifelt zu ihr gekommen, weil ihre Mutter nicht wisse, wo sie sei. ter Jung: „Ich nahm den Telefonhörer in die Hand und sagte der Mutter Bescheid – ohne gewählt zu haben. Danach war alles in Ordnung.“

Wer lacht bekommt Lust am Leben

Die Leiterin der Seniorenresidenz rät: „Seien sie erfinderisch, spielen sie mit. Erzählen sie von früher, sprechen sie langsam, vielleicht ein Sprichwort, das ergänzt werden kann: zum Beispiel Morgenstund` hat Gold …, Es ist nicht alles Gold …, Wer andern eine Grube gräbt …, Hunde, die bellen … Singen ist Balsam für die Seele. Früher wurde viel gesungen- vielleicht fällt ihnen das eine oder andere Lied ein, das sie gemeinsam singen können. Berühren Sie Ihren Angehörigen vorsichtig am Arm, bevor sie mit ihm sprechen, dann haben sie seine Aufmerksamkeit und achten sie darauf , dass sie sich ansehen. Sprechen sie langsam in einfachen Sätzen. Gehen sie möglichst viel an die frische Luft, das tut ihnen Beiden gut und es gibt viel zu sehen, auf das man aufmerksam machen kann. Auf den Spaziergängen mit meinem Vater habe ich leckere Himbeeren wieder neu entdeckt, die wir gemeinsam gekostet haben, uns an den Buschwindröschen erfreut und uns an das Sammeln der Bucheckern erinnert.“

Es gebe so Vieles, an das man sich gemeinsam erinnern könne, sagt ter Jung. Man müsse aber immer daran danken, dass das Gesprochene oft nicht verstanden werde. ter Jung: „Lassen Sie den Anderen sehen und spüren, um zu begreifen.“ Sie zitiert den Kabarettisten, Schauspieler und Schriftsteller Werner Finck: „Wer lachen kann, dort wo er hätte heulen können, bekommt wieder Lust zum Leben.“

2 Gedanken zu „Demenz“

  1. Liebe Frau Woell,
    vielen Dank für die Weiterleitung meines Artikels. Ich denke, dass das Thema Demenz uns alle beschäftigt und auch in „Corona Zeiten“ nicht in Vergessenheit treten darf.
    Bleiben Sie gesund.

  2. Es ist schwer, mit dem Menschen mit Demenz umzugehen. Mein Nachbar hat diese Erkrankung, wobei ich seiner Frau helfe. Ich gehe mit ihm spazieren und versuche bei Gesprächen seine Aufmerksamkeit zu gewinnen. Danke für den Tipp mit Singen!

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