Grundwasserstand weiter problematisch
Nach den Niederschlägen und der Schneeschmelze im Februar 2026 sind viele Gräben, Bäche und Flüsse im Vogelsberg gut mit Wasser gefüllt. Dennoch muss man sich weiterhin um die Grundwasserbildung, die Grundwasserstände und die Trinkwasserversorgung Sorgen machen, warnt die Schutzgemeinschafft Vogelsberg (sgv).Der Boden ist viel zu trocken
Der Tiefbauer Wolfgang Schleich aus Gedern, der engagiertes Mitglied in der Schutzgemeinschaft hat Mitte Februar während der Anlage von Biotopen am Hillersbach zwischen Burkhards und Glashütten festgestellt, dass das Erdreich nicht durchfeuchtet oder nass ist, berichtet die sgv. Bei Erdarbeiten mit seinem Bagger etwa 200 Meter vom Bach entfernt war das Erdreich völlig trocken. In der ausgehobenen Grube hat sich auch kein Wasser gesammelt. Noch vor zehn Jahren wäre das Loch schnell bis zur Hälfte mit Wasser vollgelaufen, berichtet der erfahrene Bauunternehmer, der Biotope zur Wasserrückhaltung und Wasserversickerung anlegt, laut sgv.
Die Auswirkungen der vergangenen Trockenjahre auf die Struktur der vorherrschenden Lehmböden seien fatal. Auch der fehlende Frost im Winter trage dazu bei, dass die Böden kaum Regenwasser in die Grundwasser führenden Schichten abgeben. Das meiste Tauwasser aus den Hochlagen des Vogelsberges lande viel zu schnell in den Bächen und Flüssen, analysiert Schleich laut sgv und fordert: „Wir brauchen zur Stabilisierung der Grundwasserstände ein Vielfaches an dezentralen Regenrückhalteeinrichtungen.“
Sparsam mit der Ressource Wasser umgehen
Die Forderungen der sgv, sehr sparsam mit der kostbaren und nicht unendlich zur Verfügung stehenden Ressource Wasser umgehen, sei nach wie vor aktuell. Die Politik und die Menschen im Rhein-Main-Gebiet, die fast 40 Millionen Kubikmeter Wasser pro Jahr aus dem Vogelsberg beziehen, müssten endlich verstehen, dass der Klimawandel voranschreitet und dass künftig nur noch weniger Wasser aus den Gewinnungsgebieten in Richtung der Metropole gefördert werden kann, mahnt die Schutzgemeinschaft. Das Rhein-Main-Gebiet müsse vermehrt auf die Trinkwassereigenversorgung setzen und endlich die von der sgv seit Jahren geforderte Brauchwasserleitung in Neubauten und Bebauungsgebieten verpflichtend umsetzen.
Wassercent wieder einführen
Auch die Landesregierung sei gefordert und müsse die Erhebung des Wasserentnahmeentgeltes wieder einführen, das in den 1990er Jahren abgeschafft. Die Abgabe soll externe Kosten der Wassernutzung internalisieren, um die Wasserbewirtschaftung zu finanzieren und Anreize für die Nachhaltigkeit zu setzen. Das Land Hessen lehne die Wiedereinführung des Wassercents in dieser Wahlperiode weiter ab. 13 von 16 Bundesländern haben die Abgabe laut sgv schon länger eingeführt und auch das Land Bayern wolle ab Juli dieses Jahres nachziehen. Die Landeshauptstadt Wiesbaden habe eine Wasserverbrauchssteuer ab dem 1. Januar 2024 eingeführt. Der vom hessischen Innenministerium ausgerufene Stopp dieser Abgabe sei vom Verwaltungsgericht Wiesbaden im vergangenen Jahr aufgehoben worden. Die Stadt Frankfurt wehre sich weiterhin gegen eine solche Abgabe, die zu einem bewussteren Umgang mit Trinkwasser führen würde.
Die sgv fordert zudem von der Landesregierung, die Förderung von kommunalen und teilräumlichen Wasserkonzepten, die bis zum Ende des Jahres befristet ist, weiter zu gewähren. Damit werde den Städten und Gemeinden sowie den Zweckverbänden und kommunalen Unternehmen in Hessen die Möglichkeit gewährt, Konzepte zur nachhaltigen, klimaanpassungsfähigen öffentlichen Wasserversorgung und die Potenzialanalyse zur Nutzung von Betriebswasser zu erstellen.
Titelbild: Die Lüder bei Crainfeld ist über die Ufer getreten. Dem Grundwasserspiegel nutzt das wenig. (Foto: sgv)