Vogelschutz

Storchenland Hessen

Mit 7,4 Vögeln auf 100 Quadratkilometern hat Hessen die höchste Storchendichte in Deutschland, teilt der Naturschutzbund (Nabu) Hessen mit. „Wir kommen in diesem Jahr auf insgesamt 1.563 freilebende Weißstorchpaare, die mit der Brut begannen, rund 160 mehr als im Vorjahr“, berichten die Nabu-Weißstorchexperten Bernd Petri und Klaus Hillerich. Die Vogelschützer rufen wieder dazu auf, Weißstörche zu melden, die hier überwintern und nicht in den Süden ziehen.

2112 Jungtiere

Die hessischen Weißstörche zogen 2.112 Jungtiere groß, rund 27 Prozent weniger als im Vorjahr. Der starke Rückgang ist laut Nabu vor allem auf das trockene Frühjahr zurückzuführen, das die Nahrung knapp werden ließ. Im Jahr 2024 waren noch 2.904 Adebare flügge geworden.

Das Mekka der hessischen Weißstörche ist nach wie vor der Landkreis Groß-Gerau, wo 571 Jungvögel von 406 Brutpaaren aufgezogen wurden. Aber auch in Mittel- und Nordhessen nehmen die Bestände kontinuierlich zu. Mit einer Anzahl von 7,4 Vögeln auf 100 Quadratkilometern hat Hessen die höchste Storchendichte in ganz Deutschland. „Der große südhessische Bestand spielt hierbei eine wichtige Rolle. Derzeit sind nur die Landkreise Rheingau-Taunus und Limburg-Weilburg noch storchenfrei“, schreibt der Nabu in einer Pressemitteilung.

Der Nabu-Ornithologe Petri erläutert, dass die Weißstorch-Bestände in Hessen noch nicht überall stabil sind. „Ohne die Kerngebiete im Hessischen Ried bei Biebesheim und Trebur, in den Altneckarschlingen bei Büttelborn und Groß-Gerau, in der Wetterau, im Kinzigtal, im Kreis Darmstadt-Dieburg und bei Wiesbaden gäbe es im übrigen Hessen noch keine dauerhaften Weißstorch-Vorkommen. Vieles hängt nach wie vor von den Ausbreitungszentren in Südhessen ab“, so Petri. Der hessische Gesamtbestand ist mit über 1.500 Brutpaaren gesichert. „Was wir in den letzten Jahren erleben, ist, dass Weißstörche auch in die Mittelgebirgslagen einwandern und sich neue Brutgebiete erschließen. Gerade in Ost- und Nordhessen kommt es immer wieder zu Neuansiedlungen“, erklärt Petri.

Brutpaare nach Landkreisen

Die Storchenzahlen werden jährlich von vielen hessischen Storchenfreunden der „Arbeitsgruppe Weißstorchberingung in Hessen“ unter Leitung von Klaus Hillerich zusammengetragen. „Ohne die ehrenamtliche Mitarbeit vieler Storchfreunde wäre es gar nicht möglich, die Bestände des weißen Schreitvogels so genau zu beobachten und zu kontrollieren“, erläutert Hillerich. Für die Zukunft des Weißstorchs in Hessen ist vor allem der Erhalt von Feuchtgrünland von entscheidender Bedeutung. „Störche brauchen möglichst viele nasse Wiesen in Nestnähe, um genug Futter für ihre Jungen finden zu können“, erläutert Petri. Der Lebensraumverlust steigt in Hessen immer noch rasant an. Mit dem Verlust von Feuchtgrünland verschwindet nicht nur der Lebensraum des Weißstorches, sondern auch der vieler anderer Tier- und Pflanzenarten. „Der Storchenschutz ist ein wichtiger Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt auf unseren Wiesen. Gut, dass immer mehr in Hessen geklappert wird und die Störche in ihrem Bestand zunehmen“, so Petri.

Die Brutpaare der Weißstörche nach Landkreisen: Bergstraße: 142 (126), Groß-Gerau: 406 (382), Darmstadt-Dieburg: 101 (105), Odenwald 1 (1), Wiesbaden: 64 (56), Offenbach: 18 (11), Frankfurt 1 (1), Main-Taunus 24 (18), Main-Kinzig: 184 (150), Fulda: 51 (43), Wetterau: 243 (224), Gießen: 64 (55), Lahn-Dill: 15 (12), Hochtaunus 4 (5), Marburg-Biedenkopf: 92 (83), Waldeck-Frankenberg: 13 (12), Hersfeld-Rotenburg: 26 (23), Vogelsberg: 27 (25), Schwalm-Eder: 60 (44), Kassel: 23 (18), Werra-Meißner 4 (5). Die Landkreise Rheingau-Taunus und Limburg-Weilburg waren ohne Weißstorchbruten. Die Zahlen in Klammern beziehen sich auf das Jahr 2024.

Die Rückkehr des Storchs

„Vom südhessischen Auenland bei Lampertheim bis hoch hinauf in das waldreiche nordhessische Vaake im Reinhardswald klappert wieder der Weißstorch. Kaum jemand hätte noch Ende des vergangenen Jahrhunderts daran geglaubt, dass Hessen wieder zum Storchenland wird“, schreibt der Nabu in seiner Pressemitteilung. Das Verschwinden des Klapperstorchs im vergangenen Jahrhundert hatte viele Gründe. Rasante Veränderungen der Landschaften, die Umstellung von Weideviehhaltung auf Stallviehhaltung. Entwässerungen, Flächenverluste durch Bebauung und Verluste durch Leitungsanflüge, Stromschläge, Gifteinsatz und Verluste auf den Zugwegen. Mitte der Siebziger Jahre begann man zu retten, was noch zu retten war. Gerade im Nabu engagierten sich die Menschen vor Ort für die Natur und ihre Heimat.

An die Rückkehr der Störche glaubten allerdings nur wenige. Neben Renaturierungen von Auengebieten und der Ausweisung von Schutzgebieten gab es „Spinner“, die einfach Masten mit Kunstnestern in die Landschaft stellten, weil sie meinten, dass Störche, sollten sie jemals wiederkommen, diese Nistmöglichkeiten dringend bräuchten. Mit dem Anwachsen der sogenannten „westziehenden“ spanischen Storchenpopulation, der Ausweisung von Schutzgebieten und verschiedenen Auswilderungs-Projekten wuchs der Storchenbestand. Vor dreißig Jahren siedelten sich dann vereinzelt Störche in Südhessen an. Und jeder Gast bekam sofort größte Aufmerksamkeit und Fürsorge. Und vor allem: Die modernen Störche flogen auf die von Menschenhand errichteten Nester auf Masten. Seit diesen Tagen kümmern sich viele engagierte Naturschützer um deren Wohl.

Der Nabu ruft auf, bis zum 31. Januar 2026 Weißstörche zu melden,
die im Winter bei uns bleiben und nicht in den Süden ziehen. Jeder
könne “ bei diesem Citizen-Science-Projekt mitmachen und helfen, Weißstörche besser kennenzulernen und zu schützen“, schreibt der Nabu. Überwinternde Weißstörche können online unter
nabu-naturgucker.de/weissstorch gemeldet werden.

Ein Gedanke zu „Vogelschutz“

  1. Das Problem dabei ist, dass durch die hohe Dichte der Störche u.a. die Amphibien und die Jungvögel von Bodenbrütern leiden. Denn diese stehen auf dem Speiseplan der Störche.
    Durch die extreme Hege und Pflege der Störche gerade im Wetteraukreis ist das schon ein Problem.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert