Feuer gegen Dämonen
von Michael Schlag
Es kommt einem schon mal der Gedanke, was die Brandaufsicht einer Stadt in Deutschland dazu sagen würde: Auf jedem Platz ein mannshohes Feuer, alle Straßen voller Menschen, eine Blaskapelle zieht umher, Fleisch und Würste auf dem Grill, so geht das bis spät in den Abend. Die Stadtverwaltung hat sogar noch geholfen dabei und mit LKW-Ladungen von Sand die Feuerplätze vorbereitet. Festa popular de Sant Antoni heißt das Fest, zu erleben jedes Jahr Mitte Januar auf Mallorca, in den östlichen Regionen um die Stadt Manacor.
Gewidmet ist das Fest dem Heiligen Antonius, dem 17. Januar. Er wurde der Überlieferung nach im dritten Jahrhundert in Ägypten geboren. Wohlhabend, gleichwohl gläubig, schenkte er sein Vermögen den Armen und zog als Eremit in die Wüste. Dort wollte ihn der Teufel wiederholt ihn in Versuchung führen, der kam in verschiedenen Gestalten, darunter Dämonen und Tiere. Und wie treibt sich der Katholik die Fleischeslust aus? Durch Schmerz und Feuer natürlich. So widerstand Antonius allen Versuchungen, blieb seinem Glauben treu, wurde später heilig gesprochen und nun erinnert man in Mallorca jedes Jahr Mitte Januar mit großen Feuern daran. Zugegeben, das ist jetzt etwas gerafft wiedergegeben, aber so soll es gewesen sein.
Das Antoniusfest ist eine Jahrhunderte-alte Tradition, angeblich zum ersten Mal gefeiert 1365 in Sa Pobla. Heute gibt es die größten Feuer in den Städten Manacor, Artà, Pollença, Muro, auch in der Inselhauptstadt Palma. Die Bilder hier entstanden in dem Städtchen Cala Millor an der Ostküste von Mallorca. Und wie alle Jahre wurden mit den Feuern, den Foguerons, die Dämonen vertrieben, die in ihren Verkleidungen durch die Stadt ziehen.
Sind die Feuer niedergebrannt, werden mit der Glut große Grills angeheizt. Das Tourismusbüro von Mallorca schwärmt von der „typischen Gastronomie dieser Tage“, die besteht allerdings ausschließlich aus Fleisch und Würsten. Gemüse war an dem Abend auf keinem Grill zu sehen. Das Fleisch bringt man von zu Hause mit und legt es dazu, wo auf einem Grill Platz ist. So wird der Heilige Antonius als der Schutzpatron aller Tiere geehrt, am Tag darauf finden religiöse Feiern mit Tiersegnungen statt.




