Neujahrskonzert

Musik in allen Geschwindigkeiten

Mit dem traditionellen Neujahrskonzert ist das Stadttheater Gießen schwungvoll ins Jahr 2022 gestartet. Das Philharmonische Orchester Gießen spielte unter der Leitung von GMD Florian Ludwig ein kurzweiliges Programm zum Thema „Bewegung“ in allen Geschwindigkeiten und in alle Richtungen: Vom romantischen Spaziergang über den heißen Ritt bis schließlich über die Erde hinaus.

Traditionell ist das Programm des Neujahrskonzerts eine Überraschung für das Gießener Publikum, so auch diesmal. Die Moderation übernahm Dirigent Florian Ludwig, der das Programm mit allerlei Hintergrundinformationen und Anekdoten zu den Stücken würzte.

Florian Ludwig mit Solist Tomi Wendt auf dem Fahrrad (Bariton). (Fotos: Daniel Regel)

In Zeiten eingeschränkter Bewegungsfreiheit und des Nachdenkens über nachhaltige Formen der Fortbewegung, die technischen Fortschritt und Umweltverträglichkeit vereinen, sollte das Konzertprogramm spannende Anregungen zum Jahresbeginn bieten, schreibt die Pressestelle des Stadttheaters  in einem Rückblick auf das Konzert.

Die glorreichen Sieben

Die musikalische Reise ließ sich indes bequem vom Sitzplatz aus genießen. Gleich zu Beginn ging es im epischen Breitbildsound in den Wilden Westen. Hoch zu Ross ritten die Revolverhelden mit Elmer Bernsteins Suite aus dem Western-Klassiker „Die glorreichen Sieben“ durchs Große Haus, zumindest vor dem inneren Auge. Anschließend kamen die Fußgänger auf ihre Kosten, als das Orchester zu einem „Walk to Paradise Garden“ einlud, worin der britische Komponist Frederick Delius zwei Liebenden einen traumschönen Ausflug in die Natur beschert.

Zugglocken und Trillerpfeife

Sogleich zog das Tempo wieder an, als sich das Orchester mit dem „Kobenhaven Eisenbahn Galopp“ des „dänischen Walzerkönigs“ Hans Christian Lumbye einem Verkehrsmittel zuwandte, „das wir in den vergangenen zehn Jahren immer lieber gewonnen haben, der Hoffnungsträgerin der Verkehrswende“, so Ludwig. Nach einer anmutigen Melodie gaben Zugglocken und Trillerpfeife das Signal zur Abfahrt. Hierbei war der durch die Landschaft brausende Zug ebenso gut herauszuhören wie das Motorrad im „Motorbike Concerto“ des schwedischen Komponisten Jan Sandström.

Solist Tomi Wendt mit dem Orchester.

Solist Philippe Stier zeigte eindrücklich, wie sich mit der Posaune täuschend echte Motorradgeräusche imitieren lassen, während es auf Weltreise ging durch die amerikanischen Everglades, die Berglandschaft der Provence und die australische Wüste.

Musik aus dem Kultfilm „E.T“

Nach der Pause lud Leroys Andersons „Sleigh ride“ zur schmissigen Schlittenfahrt, Johann Strauß‘ „Accelerationen-Walzer“ huldigte der Beschleunigung, stampfende Maschinen eingeschlossen, während es nach „Siegfrieds Rheinfahrt“ von Richard Wagner schließlich Richtung Weltall ging, mit Musik von John Williams aus dem Science-Fiction-Film „E.T.“.

Einen humorvollen Auftritt hatte „der velophile Bariton“ Tomi Wendt aus dem Ensemble des Stadttheaters mit der leicht skurrilen Nummer „Fahrrad fahren ist notwendig“ des Finnen Mauri Antero Numminen, der die Vorteile der Fortbewegung auf dem Drahtesel anpries, „einer der großartigsten Erfindungen der Neuzeit“, wie Florian Ludwig ergänzte.

Zugabe im breiten Bayerisch

An diesen leichten Tonfall knüpfte die Zugabe an. Mit „Ein Wagen von der Linie 8“ aus der Feder des Münchner Komikers Weiß Ferdl gab Wendt im breitesten Bayerisch gemeinsam mit Musikdramaturg Samuel Zinsli und Dirigent Florian Ludwig ein liebevolles Portrait der Trambahn und deren Fahrgästen zum Besten. Mit dem „Radetzky-Marsch“ verabschiedete sich das Orchester nach einem kurzweiligen Konzert von seinem Publikum, das mit lang anhaltendem Applaus für alle Beteiligten dafür dankte, dass Gießen auch im neuen Jahr in Bewegung bleibt.

Titelbild: Das Philharmonische Orchester Gießen unter der Leitung von GMD Florian Ludwig mit Solist Philippe Stier (Posaune)

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