Klima

Wie es besser werden kann

Von Dietrich Jörn Weder

Wir alle sind beunruhigt, dass es mit Klima und Umwelt auf unserem Planeten nicht besser wird. Und warum nicht? Die Antwort ist ebenso einfach wie unbequem: Mit Klima und Umwelt wird es erst besser, wenn Bevölkerung und Wirtschaft nicht weiterwachsen. Außerdem darf niemand unmäßig mehr Geld als seine Mitbürger verdienen.

Böses Erwachen nach Rio

Das sind die drei Vorbedingungen, die dauerhaft umweltverträgliches Leben und Wirtschaften erst möglich machen. Sie bilden das magische Dreieck, das dem Rezept für ein „Verstetigtes Wirtschaften“ des ehemaligen Weltbank-Ökonomen Herman Daly aus dem Jahre 1977 zugrunde liegt.

Aber müssen wir uns wirklich so umfassend einschränken? Hoffen wir doch noch immer, dass es mit einer neuen sauberen Technik und einem umweltbewussten Lebensstil besser wird! Dreißig Jahre Erfahrung seit dem Klimagipfel in Rio 1992 sprechen ganz und gar dagegen.

Denn es traten bis 2022 noch einmal zweieinhalb Milliarden Menschen zur Weltbevölkerung von anfangs sechseinhalb Milliarden hinzu und das Weltinlandsprodukt verdoppelte sich. Die Klima-aufheizenden Emissionen an Treibhausgasen stiegen unaufhörlich weiter und mit ihnen entsprechend der Verbrauch von Kohle, Erdöl und Erdgas.

Lehrreiche Vorgeschichte

Herman Daly (verstorben im Oktober 2022) hätte das nicht erstaunt. Denn in der zweiten Auflage seines Vorschlags für ein verstetigtes Wirtschaften (Englisch: „Steady-State Economics“) hatte er diesen Zusammenhang schon einmal klar herausgestellt. Dort liest man: Zwischen 1950 und 1986 verdoppelte sich die Weltbevölkerung, das Weltsozialprodukt und der Verbrauch fossiler Energie aber vervierfachten sich in der gleichen Zeit.

Fortsetzung voraussehbar

Behalten die Autoren des jüngsten, siebenten Weltumweltausblicks der Vereinten Nationen mit ihren Voraussagen recht, dann verdoppelt sich das Weltinlandsprodukt bis 2050 ein weiteres Mal, und das bei nochmals zunehmender Weltbevölkerung. Mag irgendjemand glauben, dass dies ohne einen gewaltigen Mehrverzehr an unwiederbringlichen Bodenschätzen und nur begrenzt nachwachsenden Naturprodukten möglich ist? – Wenn nicht, stehen die nach uns Kommenden hitzegeplagt vor leeren geologischen Schatztruhen. (Hier das Bild der ausgebeuteten Kupfergrube in Utah)

Ausgebeutete Kupfermine in Utah (Bildquelle: Wikipedia / Reinhard Jahn – Own work, CC BY-SA 2.0 de, httpscommons.wikimedia.orgwindex.phpcurid=351497)
Ökologische Heilung nur per Rosskur

Weltökonom Daly sieht einen Ausweg aus dieser unserer ökologischen Klemme nur, wenn die Menschen nicht mehr unbegrenzt viele Kinder in die Welt setzen, wenn unmäßiges Geldverdienen unterbunden wird und aus der geologischen Schatzkammer der Erde nicht mehr herausgeholt wird, als die Biosphäre verträgt. Wem diese Rezeptur nicht schmeckt, muss einen anderen großen Hebel erfinden. Billig und ungeschoren wie bisher kommen wir in keinem Fall davon.

Flaute begünstigt Klimaschutz

Die deutsche Bevölkerung und die deutsche Wirtschaft sind in den letzten sechs Jahren beide nur ganz minimal gewachsen. Damit waren zwei Hauptvoraussetzungen für eine umweltverträgliche Entwicklung gegeben Und tatsächlich sank der Gesamtverbrauch fossiler Energien in diesen Jahren von 2019 bis 2024 um rund 20 Prozent, die temperaturtreibenden CO2-Emissionen reduzierten sich dank weiterer günstiger Umstände sogar um 28 Prozent. Wirtschaftlich schadlos kann Deutschland auf diesem Pfad nur voranschreiten, wenn es weiter ganz massiv auf erneuerbare Energie setzt.

Dr. rer. pol. Dietrich Jörn Weder war Jahrzehnte lang leitender Umweltredakteur und Fernsehkommentator des Hessischen Rundfunks. Seit seiner Pensionierung arbeitet er als freier Autor für Print- und Audiomedien. Er betreibt den Blog Wachposten Frankfurt, auf dem er Kommentare zu aktuellen Themen veröffentlicht. Wachposten

Titelbild: Folgen der globalen Erwärmung: Anstieg des Meeresspiegels auf den Marshallinseln. Luftaufnahme aus dem Dokumentarfilm „One World“ von 2020. (Bildquelle: Wikipedia/Von Mark Uriona – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=112681101)

Ein Gedanke zu „Klima“

  1. Sehr geehrter Dr. Weder,
    vielen Dank für Ihren interessanten Beitrag. Diesem kann ich nur zustimmen. Allerdings muss sich auch jeder selbst an die Nase fassen, ob er sich genug für eine lebenswerte Zukunft einsetzt. Ich glaube das tun viel zu wenige unserer Altersgenossen. Ich bin 68 und setze mich seit 40 Jahren für Umwelt- und Klimaschutz ein. Leider gibt´s viel zu viele Menschen, die meinen es gehe sie nichts an oder denken: wenn die Klimakatstrophe kommen sollte, bin ich ja nicht mehr da!
    Eine solche Haltung kann ich vor allem dann nicht verstehen, wenn diese Leute Familien haben, vielleicht Großeltern sind.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert