Gürtelrose-Impfung gegen Demenz
von Michael Schlag
Die Impfung gegen Gürtelrose (Herpes Zoster) senkt das Risiko, im Alter dement zu werden und bremst womöglich das Fortschreiten einer vorhandenen Demenz. Zu diesem Ergebnis kommen mittlerweile drei wissenschaftliche Studien, in diesem Jahr erneut eine medizinische Studie aus Kanada. Die Untersuchung ist im Fachmagazin The Lancet Neurology erschienen, das Deutsche Ärzteblatt berichtet darüber.
Viren greifen Nervensystem an
Herpesviren führen nicht nur zu schmerhaften Hautauschlägen, sie stehen auch im Verdacht, das zentrale Nervensystem anzugreifen. Eine Forschungsgruppe untersuchte nun den Effekt, den die Einführung einer Herpes-Zoster-Impfung in Ontario (Kanada) auf das Auftreten von Demenz hatte. Dort haben Personen über 70 Jahre Anspruch auf eine kostenlose Impfung gegen Gürtelrose. Die Forscher verglichen nun verschiedene Altersgruppen in Ontario mit gleichen Altersgruppen (Geburtskohorten) in anderen kanadischen Provinzen, die kein Impfprogramm hatten.
Risiko für Demenz gesenkt
Im Beobachtungszeitraum von 5,5 Jahren zeigte sich, dass allein die Impfberechtigung das Demenzrisiko um zwei Prozent senkte. Verglichen wurden Personen, die unmittelbar vor und nach dem 1. Januar 1946 geboren wurden. Auch waren neue Demenzdiagnosen in in diesen Altersgruppen nach Beginn des Impfprogramms in Ontario seltener als in kanadischen Provinzen, die kein Herpes-Zoster-Impfprogramm hatten. Die Daten belegen nach Ansicht der Studiengruppe einen kausalen Zusammenhang zwischen der Impfung und dem Schutz vor Demenz.
Offensichtlich doppelt effektiv
Auch Gesundheitsinstitution in Deutschland haben sich mittlerweile dazu geäußert. Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) hält den vorbeugenden Effekt der Herpes-Zoster-Impfung für so überzeugend, dass sie diese Impfung allen Menschen über 60 Jahren empfiehlt, auch wenn bereits erste kognitive Einschränkungen vorliegen. Die Impfung sei „offensichtlich doppelt effektiv“, so DGN-Generalsekretär Peter Berlit: „Sie schützt vor einer schmerzhaften Gürtelrose und reduziert darüber hinaus das Demenzrisiko beziehungsweise verlangsamt eine vorliegende Demenzerkrankung“.
Studie in Wales
Im vergangenen Jahr kam eine Studie mit Daten aus Wales (Großbritannien) zum gleichen Ergebnis. Geimpfte Senioren erkrankten auch hier seltener an einer leichten kognitiven Beeinträchtigung. Bei Menschen mit einer bereits bestehenden Demenz war das Sterberisiko vermindert. Weil die Impfstoffe knapp waren, bot der National Health Service in Wales die kostenlose Impfung damals zunächst nur Personen an, die am 1. September 2013 ein Alter von 80 Jahren erreicht hatten. Außer der Zoster-Impfung gab es keine anderen Veränderungen im Gesundheitswesen, einziges Kriterium war das Alter der Personen zum Stichtag. Die Untersuchung wurde auch dadurch aussagekräftig, dass die Impfung von den Waliser Senioren und Seniorinnen gut aufgenommen wurde. Fast die Hälfte ließ sich impfen – und erkrankte in den folgenden sieben Jahren zu 37 % seltener an einem Herpes Zoster. Auch die Wahrscheinlichkeit einer neuen Demenzdiagnose innerhalb dieser sieben Jahre sank um 3,5 %.
Wirkung bei Frauen höher
Die Schutzwirkung gegen Demenz war bei Frauen deutlich ausgeprägter als bei Männern; DGN-Generalsekretär Peter Berlit meinte dazu, angesichts der Zusatzwirkung sollte die Impfung für Frauen bereits ab 50 Jahren empfohlen werden. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt die Gürtelrose-Impfung derzeit ab 60 Jahre. Die Impfung werde aber zu wenig in Anspruch genommen, warnt die Barmer Ersatzkasse. Laut Arzneimittelreport 2025 sind in Deutschland rund 80 Prozent der anspruchsberechtigten Menschen nicht oder nur unvollständig gegen Herpes Zoster geimpft. Das entspricht etwa 20 Millionen Menschen ab 60 Jahren, für die die Impfung seit 2019 Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung ist.
Quelle: https://www.aerzteblatt.de/search/result/7f207843-e9f0-4c8d-90b3-edede7dda790?q=G%C3%BCrtelrose
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