Linker Höhenflug
Nach dem Austritt von Sahra Wagenknecht und der Gründung des BSW 2024 schien Die Linke am Ende. Im Anschluss dümpelte die Linkspartei fast ein Jahr lang in der politischen Todeszone bei rund drei Prozent, verlor den Fraktionsstatus im Bundestag und flog bei den Wahlen in Thüringen und Brandenburg aus dem Landtag. Und auf einmal, über Nacht war sie stark wie nie wieder da. Das Buch „Die neue Lust auf Links“ von taz-Redakteur Daniel Bax geht dem Phänomen auf die Spur.
Mitgliederzahl verdoppelt
Einen Monat vor der vorgezogenen Bundestagswahl landet Die Linke in Umfragen wieder über fünf Prozent und zieht im Februar 2025 mit fast neun Prozent in den Bundestag ein. In vielen Großstädten und in allen östlichen Bundesländern erzielt Die Linke zweistellige Ergebnisse, holt sogar sechs Direktmandate. Innerhalb eines Jahres verdoppelt sich die Zahl ihrer Mitglieder auf über 100.000. Wer steckt dahinter, wie haben Heidi Reichinnek, Ines Schwerdtner, Jan van Aken und die vielen Anderen das gemacht?
Stimmen von den Erstwählern
Man stelle sich vor, die Bundestagswahl vor einem Jahr wäre sechs Wochen später gewesen: Die Linke wäre ziemlich sicher mit einem zweistelligen Ergebnis in den Bundestag eingezogen. Der Hauptgrund für das Gesamtergebnis der Bundeswahl sei zunächst die verbreitete Enttäuschung über die Ampelregierung, schreibt Bax, „das zahlt vor allem auf das Konto von AfD und Union, aber auch der Linken ein“. Deren Wähler sind jung: Bei den Erstwählern ist sie mit 25 % die beliebteste Partei, bei den Alten kommt die Linke dagegen nur auf vier Prozent. Jung ist auch die Linken-Fraktion im Bundestag, zwei Drittel sind Neulinge, das Durchschnittsalter der Fraktion beträgt 42 Jahre. Auch bei den Mitgliedern ist sie die jüngste Partei und die mit dem höchsten Frauenanteil. Und nicht zu vergessen: Die Linke hat jetzt doppelt so viele Mitglieder wie die AfD.
Thema soziale Sicherheit
Im Wahlkampf setzt die Partei auf das Thema, das für viele Wählerinnen und Wähler die größte Rolle spielt: soziale Sicherheit. Und da bietet sich Die Linke als gute Alternative an für alle, die sich bei SPD und Grünen nicht mehr aufgehoben fühlen. Die einfachen, klaren Formeln der Linken sitzen: Man erinnere sich an die Amtseinführung von Donald Trump im Januar 2025 – die milliardenschweren amerikanischen Tech-Bosse sitzen da wie bei einer Krönungsmesse. Und Jan van Aken sagt klipp und klar: „Es sollte keine Milliardäre geben“ und trägt dazu ein T-Shirt mit dem Aufdruck „Tax the Rich“. Und dann die Wutrede von Heidi Reichinnek im Bundestag („Wir sind die Brandmauer“) kurz vor der Bundestagswahl.
Mission Silberlocke
Der erste Teil des Buches widmet sich den prominenten Aushängeschildern der Partei: der Spitzenkandidatin und Fraktionschefin Heidi Reichinnek sowie den beiden Parteivorsitzenden Jan van Aken und Ines Schwerdtner. Sie zieren auch das Cover des Buches. Der zweite Teil analysiert den Wahlkampf 2025, aus Sicht von Daniel Brax „eine Zäsur in der Geschichte der Linken“. Es sind schon erstaunlich: Der Wahlkreis Berlin-Kreuzberg, allzeit Hochburg der Grünen mit Hans-Christian Ströbele – aber diesmal geht das Direktmandat an den Linken Pascal Meiser. Im dritten Teil erfährt man mehr über die alten Parteigrößen und die „Mission Silberlocke“ von Gregor Gysi, Bodo Ramelow und Dietmar Bartsch. Das war keineswegs eine Aktion aus Verzweiflung (um es mit drei Direktmandaten doch noch in den Bundestag zu schaffen), sondern war humorvoll eingefädelt, und brachte der Linken viel mediale Aufmerksamkeit. Der vierte Teil blickt auf die jungen Linken, die neuen Gesichter der Partei im Bundestag, darunter Automobilarbeiter, Gewerkschafter, Krankenpfleger, die gerade nicht aus dem politischen Geschäft kommen, sondern aus einer realen Arbeitswelt.
Daniel Bax – Die neue Lust auf links
Woher sie kommen, wohin sie gehen und wie sie unser Land verändern
Verlag Goldmann
ISBN 978-3-442-30219-2
Paperback 352 Seiten, Preis 20 €
Blick ins Buch:
https://www.bic-media.com/widget/?isbn=9783442302192
