Trotzdem da!

Kinder mit Kriegsgefangenen

Die Ausstellung „Trotzdem da!“ berichtet über Kinder aus verbotenen Beziehungen zwischen Deutschen mit Kriegsgefangenen. Sie ist vom 17. Juli 2026 bis zum 16. August 2026 im Geschichtsort Adlerwerke in Frankfurt am Main und vom 19. August bis zum 27. September 2026 in der Gedenkstätte Breitenau in Guxhagen zu sehen.

Unerwünschte Kontakte

Während des Nationalsozialismus waren freundschaftliche und intime Kontakte zwischen Deutschen und Kriegsgefangenen oder Zwangsarbeitern unerwünscht. Zum Teil waren sie streng verboten. „Doch sie sind ‚trotzdem da‘: Kinder, die aus solchen Beziehungen hervorgegangen sind. Ihre Geschichten wurden lange tabuisiert“, heißt es in der Ankündigung der Ausstellung. Die Gedenkstätte Lager Sandbostel in Niedersachsen hat 2023 das Forschungs- und Ausstellungsprojekt „trotzdem da“ gestartet, um diese Kinder und ihre Geschichten und Erinnerungen sichtbar zu machen.

Mehr als 20 dieser Kinder konnten für das Projekt gewonnen werden. Sie haben mit ihren Erinnerungen, mit Dokumenten und Fotos die entscheidende Grundlage für die Wanderausstellung gelegt. Detlef Klingenhäger, Sohn eines polnischen Zwangsarbeiters und einer deutschen Mutter, der auch zur Frankfurter Ausstellungseröffnung am 17. Juli 2026 kommen wird, berichtet über die Bedeutung des Ausstellungsprojektes: „Durch das Projekt ‚trotzdem da!‘ haben viele von uns Kindern aus verbotenen Beziehungen sich untereinander kennengelernt. Wir konnten uns gegenseitig unsere Geschichten erzählen und viele von uns stehen bis heute in Kontakt. Neben der – sehr gelungenen – Ausstellung ist das ein wichtiges Ergebnis, dass das Projekt uns zusammengebracht hat.“

Viele Berührungspunkte

Berührungspunkte zu Zwangsarbeitern und Zwangsarbeiterinnen habe es damals viele gegeben, berichtet Thomas Altmeyer, Leiter des Geschichtsorts Adlerwerke. „Die Unterkünfte lagen in der Nachbarschaft, die Zwangsarbeiter und -arbeiterinn waren in den Fabriken, arbeiteten aber auch in Handwerksbetrieben, auf Bauernhöfen oder in privaten Haushalten. Freundschaftliche und intime Kontakte zwischen Deutschen und ausländischen Zwangsarbeitskräften waren unerwünscht, wurden verfolgt und als ‚verbotener Umgang‘ mitunter hart bestraft. Trotzdem kam es zu zahlreichen Begegnungen, sexuellen Kontakten und Liebesbeziehungen.“

Dr. Ann Katrin Düben, Leiterin der Gedenkstätte Breitenau verdeutlicht: „Der Anteil der Frauen, die wegen verbotenen Umgangs im sogenannten Arbeitserziehungslager Breitenau inhaftiert waren, lag bei 33 Prozent. Unter den deutschen Frauen machte dieser Haftgrund sogar fast die Hälfte aus. Denjenigen, die ein Kind mit einem Zwangsarbeiter bekommen hatten, haftete noch nach 1945 ein Stigma an, insbesondere im ländlichen Raum waren die Frauen und ihre Kinder Diskriminierung und Rassismus ausgesetzt.“

Gefördert von der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung (HLZ) bringen der Geschichtsort Adlerwerke und die Gedenkstätte Breitenau diese Ausstellung nach Hessen. Der Geschichtsort Adlerwerke: Fabrik, Zwangsarbeit, Konzentrationslager ist eine Gedenk- und Bildungsstätte in Frankfurt am Main. In ihr werden die Themen Zwangsarbeit und das Konzentrations-Außenlager „Katzbach“, das sich 1944-45 auf dem Werksgelände der Adlerwerke befand, bearbeitet. Die Gedenkstätte Breitenau in Guxhagen bei Kassel erinnert an die wechselvolle Geschichte eines historischen Ortes, der während der NS-Zeit zunächst als frühes Konzentrationslager (1933–1934) und später als sogenanntes Arbeitserziehungslager (1940–1945) genutzt wurde.

Das Kooperationsprojekt zwischen dem Geschichtsort Adlerwerke und der Gedenkstätte Breitenau ist ein Beispiel für die langjährige Kooperation und Zusammenarbeit unter den hessischen Gedenkstätten und Erinnerungsinitiativen. Im Rahmen des Projektes werden auch die Guides/Teamer beider Gedenkstätten in einem gemeinsamen Workshop fortgebildet.

Die Ausstellung wird am Freitag, 17. Juli 2026, um 17 Uhr im Geschichtsort Adlerwerke, Kleyerstr. 17, 60326 Frankfurt am Main eröfffnet. Einer Ausstellungseröffnung und Kuratorenführung mit Lucy Debus (Ausstellungskuratorin), Detlef Klingenhäger (Projektbeteiligter) und Dr. Katherine Lukat (Stadtarchiv Wiesbaden) wird die Ausstellung vorgestellt.

„Ihr Tod wurde nicht nur in Kauf genommen, er war gewollt! Die Kinder im NS-Zwangsarbeiterinnenlager Kostheimer Straße 9““ ist das Thema einer Stadtteilführung und eines Gesprächs mit Helga Roos (Geschichtswerkstatt Gallus) am Sonntag, 26. Juli, um 16 Uhr im Geschichtsort Adlerwerke.

In Guxhagen wird die Ausstellung am Donnerstag, 20. August 2026, um 17 Uhr in der Gedenkstätte Breitenau, Brückenstraße 12, 34302 Guxhagen, eröffnet. Zur Ausstellungseröffnung spricht Dr. Katherine Lukat vom Stadtarchiv Wiesbaden.

„Ohne retour“ ist das Thema eines Stadtteilrundgangs zu NS-Zwangsarbeit in Kassel-Rothenditmold am Sonntag, 30. August, um 14 Uhr.

„Verbotener Umgang: Frauen im Spannungsfeld zwischen NS-Verfolgung und Anerkennung“ ist das Thema eines Vortrags von Tatjana Varnhold von der Gedenkstätte Flossenbürg am Donnerstag, 10. September, um 18 Uhr in der Gedenkstätte Breitenau, Brückenstraße 12, 34302 Guxhagen.

Ein weiterer Stadtteilrundgang „Ohne retour“ wird am Sonntag, 20. September, um 14 Uhr angeboten. Diesmal geht es um die NS-Zwangsarbeit in Kassel-Bettenhausen.

Der Geschichtsort Adlerwerke Dienstag bis Freitag von 14 bis 18 Uhr und Sonntag von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Gruppen können nach Anmeldung Montag bis Freitag von 8 bis 14 Uhr sowie nach Vereinbarung kommen. Kontakt per E-Mail an info@geschichtsort-adlerwerke.de, Telefon: 069 / 40321984 oder www.geschichtsort-adlerwerke.de

Die Gedenkstätte Breitenau ist Dienstag bis Freitag von 9 bis 16 Uhr und Sonntag von 13 bis 17 Uhr geöffnet.

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