Die Varadys

Eine Familie lebt die Musik

Von Elfriede Maresch

„Eine Reise durch die Welt der Musik“ versprachen Iryna Varady (Klavier) und Robert Varady (Geige, Gitarre), die das traditionelle Neujahrskonzert im Parksaal in Bad Salzhausen gestalteten. Als „Duo Bravo“ sind sie über die Region hinaus bekannt und geschätzt. Sie hatten eine dritte Interpretin mitgebracht: ihre 16 Jahre alte Tochter Angelina (Gesang). Das Trio bot dem Publikum einen Abend mit Musik mehrerer Länder, Stilrichtungen und Stimmungen.

Eine musikalische Reise durch die Welt

Gute Einstimmung boten klangmalende Melodien, der 2. und 3. Winter-Satz aus Vivaldis „Vier Jahreszeiten“. Das Geigen-Pizzicato ließ im Raum an prasselnden Regen draußen denken, Geigen- und Klavierstimme steigerten sich im dritten Satz zur Wiedergabe des Wintersturms – behaglich zu hören für das Publikum im geschützten Parksaal. Überzeugend ist das Zusammenspiel der beiden Musizierenden: sie als einfühlsame, aber durchaus eigenständige Begleiterin, er als souveräner Spieler mit Darstellungstalent. Das zeigten die beiden bei der temperamentvollen Habanera aus Bizets „Carmen“ in der Bearbeitung von Pablo Sarasate. Verhalten, schmerzlich, und doch mit einem Hauch vom Überlebenswillen der Klezmer-Musik folgte eine Filmkomposition von John Williams, Melodien aus „Schindlers Liste“. Einen „Tango mit Herz und Lebensfreude“ kündigte Iryna Varady an: bei Carlos Gardels „Volver“ mit feinsten Trillern und effektvollem Schluss zeigten die beiden Interpreten ihre spieltechnische Brillanz.

Auf den ersten Blick musikalisch: Iryna und Robert Varady. (Fotos: Elfriede Maresch)

Die leidenschaftlich singende Tochter

Nun griff Angelina Varady zum Mikrophon, sang „Over the rainbow“ und gab die sehnsüchtige Atmosphäre des Songs so überzeugend wieder, dass das Publikum hingerissen applaudierte. Die 16-jährige zeigte auch bei ihren nächsten Titeln eine klare tragende Stimme von großem Tonumfang und viel Einfühlung in die Emotionalität der Lieder. Sie sang leidenschaftlich bei „Fly me to the moon“, von Robert Varady durch Klopfen auf den Gitarrenkörper rhythmisch unterstrichen, schmerzlich und rebellisch zugleich bei Adeles „Someone like you“, träumerisch bei „My fair Lady“-Musicalmelodien „Ich hätte getanzt heut Nacht“. Dazwischen wechselten die Eltern Varady zu Konzerttangos, zu Astor Piazollas „Oblivion“ mit der dunklen Schwermut der Klavierstimme, den hohen fast schrillen Geigenpassagen. Ein Stimmungswechsel: bei Piazzollas „Liber Tango“ mit unterstrich Varady Klavierpassagen mit Klopfen auf dem Geigenkörper, erinnerte an Kastagnetten oder stampfende Absätze auf der Tanzfläche, ehe er mit extrem raschen solistischen Geigenpassagen die Vitalität der Kompostion hervorhob. Bravo-Rufe kamen aus dem Publikum.

Ein musikalisches Gefühlsbad

Auch der zweite Teil des Konzerts bot vielseitige Musikgenres: träumerisch sang Angelina Varady „Moon River“, zeigte sich leidenschaftlich, eruptiv bei Adeles „Rolling in the Deep“, von Robert Varady bearbeitet, erst auf der Cajon, dann vom klatschenden Publikum rhythmisch angeheizt und mit Jubel quittiert. Iryna und Robert Varady spielten Jerry Bocks Musicalkomposition „Wenn ich einmal reich wär“. Der Geiger wechselte mitten im beschwingt-sehnsüchtigen Lied zur Mini-Geige und nahm spielend ein Bad in der Zuschauermenge, die längst mitklatschte – viel zu mitgerissen zum ruhigen Zuhören. Auf „Song from a secret Garden“ mit kraftvollen Klavierpassagen folgte Johannes Brahms´ „Ungarischer Tanz Nr. 5“ mit seinen Tempowechseln, seinen Czardas-Assoziationen. Tumultapplaus folgte. Nach Garners Instrumental „Misty“ sang noch einmal Angelina Varady, von ihrer Mutter am E-Piano begleitet, Andrew Lloyd Webbers „Memories“ aus „Cats“ und ließ nach dem „Fluch der Karibik“-Medley ihrer Eltern ein weiteres Gefühlsbad folgen „Time to say goodbye“. Als auch Iryna Varady das Konzertende ankündigte, ließ sich das Publikum wieder hören – mit einem bedauernden Murren, das Improvisationskünstler Varady blitzschnell mit einem Geigenton aufgriff. So sang Angelina das bekannte „The Rose“ und schließlich noch Adeles „Easy on me“. Sehr treffend sprach Iryna Varady am Schluss von der „geteilten Energie und Freude an der Musik“, vom „Geben und Nehmen“ dieses Konzerts und traf genau den Punkt: auch das Publikum, das aufgesprungen war und stehend applaudierte, hatte mit seiner Begeisterungsfähigkeit auf die Künstler zurückgestrahlt.

Robert Varady spielten Jerry Bocks Musicalkomposition „Wenn ich einmal reich wär“.
Angelina Varady beeindruckte das Publikum

In den Nachgesprächen wurde deutlich, dass die junge Sängerin das Publikum stark beeindruckt hatte. Nun hat sie von klein auf in ihren Eltern praktizierende Profimusiker erlebt, hatte schon früh Freude am Singen, bekommt Klavier- und Geigenunterricht und lange Zeit Gesangsunterricht bei Gabriella Tasnadi (Gießen). Ganz deutlich ist der Wunsch Angelinas, ihr musikalisches Talent, insbesondere ihre Gesangsstimme, einzusetzen und weiter zu entwickeln. 2023 nahm sie am Wettbewerb „Jugend musiziert“ teil, kam auf regionaler Ebene auf den 1., beim hessischen Landeswettbewerb auf den 2. Platz. Sie war Teilnehmerin der 13. Staffel des SAT1/Joyn- Wettbewerbs „The Voice Kids“, erreichte die Knockouts. 2025 trat sie beim Niddaer Street Food Festival des Vereins Better Future Foundation e.V. zugunsten benachteiligter Menschen in Tansania auf, brachte Titel von Adele, Amy Winehouse und Etta James.

Besonderen Beifall erhielt sie für ihren letzten, selbst getexteten Song „Your light“, einer nachdenklichen Aufforderung, an sich selbst zu glauben, zur eigenen Identität zu stehen. Ob sommerliches Street Fod Festival oder Neujahrskonzert in Bad Salzhausen – Angelina Varady verfügt stimmlich und darstellerisch über eine Ausdrucksstärke, die bei einer so jungen Frau überrascht.

Titelbild: Eine Familie, die Musik lebt und liebt: Mutter Iryna Varady ist Pianistin, Angelina singt, Vater Robert Varady ist Geiger und Gitarrist.

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