Gewerbegebiet Archive - landbote.info https://landbote.info/tag/gewerbegebiet/ Internetzeitung für Rhein-Main und Mittelhessen Tue, 29 Oct 2024 09:51:31 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 85898093 Steinzeit https://landbote.info/steinzeit/ https://landbote.info/steinzeit/#comments Mon, 28 Oct 2024 20:11:20 +0000 https://landbote.info/?p=54886 Ein Dorf der ersten Bauern Von Klaus Nissen Zwischen den Niddaer Stadtteilen Borsdorf und Harb soll auf 19 Hektar ein Gewerbepark entstehen. Mit viel Grün, Radwegen und dezentraler Energieversorgung aus erneuerbaren Quellen. Die Planung schreitet leicht verzögert voran. Sichtbar sind momentan nur die Archäologen vor Ort. Sie finden Uraltes. Man fand hier schon Etruskisches Ein … Steinzeit weiterlesen

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Ein Dorf der ersten Bauern

Von Klaus Nissen

Zwischen den Niddaer Stadtteilen Borsdorf und Harb soll auf 19 Hektar ein Gewerbepark entstehen. Mit viel Grün, Radwegen und dezentraler Energieversorgung aus erneuerbaren Quellen. Die Planung schreitet leicht verzögert voran. Sichtbar sind momentan nur die Archäologen vor Ort. Sie finden Uraltes.

Man fand hier schon Etruskisches

Ein großer Bagger und zwei Kleinbusse stehen auf dem weiten Feld gegenüber der Lupp-Zentrale, im Winkel der Bundesstraßen 455 und 457. Der Bagger hat seit Anfang September 2024 fünf jeweils etwa tennisplatz-große Flächen frei geräumt. Er schob die obersten 30 Zentimeter des Ackers ab und häufte die Erde daneben zu mannshohen Halden.

Der „Borsdorfer Henkel“ ist der kunstvolle Griff eines Bronzegefäßes aus der vorrömischen Etrusker-Kultur. Er wurde 1855 beim Pflügen eines gerade gerodeten Waldes bei Borsdorf gefunden. Jetzt kann man die beiden Ringer im Darmstädter Landesmuseum bewundern. Foto: Wetteraukreis

Das ist Routine, wenn das Landesamt für Denkmalschutz auf einem Bauplatz Relikte aus alten Zeiten vermutet. Und das Gelände des künftigen IGO Green (Interkommunaler Gewerbepark Oberhessen) steht schon lange im Verdacht. Bereits 1855 fand man hier den „Borsdorfer Henkel“ – den Teil eines etruskischen Bronzegefäßes aus dem fünften Jahrhundert vor Christus.

Pfostenlöcher, Gruben und Gräben

Der Rest des Bronze-Potts ist bislang nicht gefunden. Doch es zeigte sich weit Älteres: Links hinten im künftigen Gewerbepark ist ein halbes Dutzend Grabungstechniker zugange. In lehmverschmierten Stiefeln und Hosen hantieren sie mit Schaufeln und Schabern in einer der Sondagegruben. Auch der Laie erkennt dunkle Flecken und Linien im sonst hellbraunen Lößboden. Mit gelben Plastikmärkchen und weißen Fäden markieren die Frauen und Männer der Grabungsfirma aus Münzenberg die interessantesten Stellen.

Mit gelben Schildchen markiert das Grabungsteam die Stellen, an denen die Steinzeit-Bauern Pfosten und Wände in den Borsdorfer Boden setzten. Foto: Nissen

„Wir haben Siedlungsspuren gefunden“, sagt einer der Ausgräber. Pfostenlöcher, Gruben, Gräben, Hinweise auf Hauswände. Mehr könne er nicht sagen – man möge sich ans Landes-Denkmalamt wenden.

Siedlung ist wohl älter als 6500 Jahre

Dessen Pressesprecher Lars Görze macht es noch spannender. Denn die Sondierungen weisen „auf vorgeschichtliche Siedlungsspuren hin, die deutlich älter sind als die Befunde aus Wölfersheim-Berstadt. Genauere Angaben können wir jedoch erst nach Abschluss der laufenden Untersuchungen machen.“

Also wird noch in den Winter hinein sondiert. Die Archäologen werden Schnitte durch die dunklen Flächen ziehen und nach kleinsten Resten der Uralt-Siedlung suchen.

Matsch an den Schuhen ist nicht zu vermeiden, wenn man im Wetterauer Lößlehm nach Zeugnissen der Vergangenheit sucht. Diese Treter trocknen gerade während einer Pause am Ausgräber-Auto. Foto: Nissen

Was ist denn „deutlich älter“ als die Befunde aus Berstadt? Älter als 6500 Jahre. Denn dort, wo an der Autobahnauffahrt Berstadt ein Rewe-Logistikzentrum entstehen soll, fand man 2019 ein ganzes Dorf der Rössener Kultur aus der mittleren Jungsteinzeit, ungefähr aus dem Jahr 4500 vor Christus.

So scheint es, dass bei Borsdorf die ersten sesshaften Wetterauer lebten. Sie kamen etwa ab 5800 vor Christus aus dem heutigen Anatolien. Der fruchtbare Boden mag sie zum Bleiben bewogen haben.

Leitungs- und Straßenbau ab Mitte 2025

Die Planer des Gewerbeparks reagieren gelassen auf die Nachricht, dass noch länger gegraben wird. Die Planung dauert ja auch lange. Aktuell arbeiten sie laut Niddas Bürgermeister Thorsten Eberhard am Bebauungsplan, am Erschließungsplan und der Bauland-Umlegung. Auch die Umwidmung des Ackers in Gewerbeland für den Regionalen Flächennutzungsplan und die Ausführungsplanung für die Erschließung des Geländes stehen noch an, sagt Joachim Thiemig. Er führt die Geschäfte des Zweckverbandes für den „IGO Green“.

Ungefähr so stellt sich der Zweckverband der sechs Kommunen den gemeinsamen Gewerbepark vor. Er soll ansehnlicher und umweltfreundlicher als andere werden. Am unteren Bildrand die Zentrale der Baufirma Lupp an der Straße nach Harb. Foto: Nissen

Laut Thiemig war ursprünglich das Frühjahr 2025 angepeilt für den Baubeginn der Straßen, der Geh- und Radwege, Strom- und Datenkabel, der Wasser- und Abwasserleitungen auf der Freifläche zwischen Borsdorf und Harb. Ende 2024 sollten die Arbeiten ausgeschrieben werden. Aber: „Ich will nicht verhehlen, dass es ein sehr komplexes Projekt ist“, sagt der Geschäftsführer. Bei einem geschätzten Kostenvolumen von mehr als 20 Millionen Euro müsse man zum Beispiel eine europaweite Ausschreibung machen. Womöglich könnte der Straßen- und Leitungsbau Mitte 2025 beginnen.

Bürgermeister Eberhard rechnet eher mit dem Herbst nächsten Jahres. Es drängelt noch niemand – bislang gibt es keine Verträge mit ansiedlungswilligen Firmen. Ein Unternehmen aus Nidda wolle im „IGO Green“ Flächen erwerben, verrät Joachim Thiemig. Den Namen nennt er nicht. Es sei aber gut, einen „Anker-Nutzer“ im neuen Gewerbepark zu haben.

Investorensuche bei der Expo Real

Bei der Gewerbeimmobilien-Messe „Expo Real“ in München Anfang Oktober hatte Bürgermeister Eberhard fünf Minuten, um dem internationalen Fachpublikum den Gewerbepark vorzustellen. Alle Stühle im Auditorium waren besetzt, und es gab laut Joachim Thiemig auch viel Laufkundschaft, die an der Info-Stele des Wetteraukreises mit Landrat Jan Weckler und seinen Wirtschaftsförderern redete.

Mit Schaufeln und Schabern suchen die Ausgräber im Boden des künftigen Gewerbegebiets bei Borsdorf nach Relikten der Vergangenheit. Sie fanden eine Siedlung aus der frühen Jungsteinzeit. Foto: Nissen

Doch was ist, wenn sich die Konjunktur weiter abschwächt? Wer siedelt dann noch im neuen Gewerbepark? Es sind sowieso vier Bauabschnitte geplant, antwortet Bürgermeister Eberhard. „Wir können also relativ flexibel auf den Markt reagieren.“ Zuerst werde man entlang der Bundesstraßen Gewerbe ansiedeln, so IGO Green-Geschäftsführer Thiemig. Nur wann genau, weiß noch keiner.

Gewerbepark Oberhessen gehört sechs Kommunen

Sechs Kommunen aus drei Landkreisen entwickeln gemeinsam den interkommunalen Gewerbepark Oberhessen – kurz IGO Green. Die Millionen, die sie investieren, holen sich die Städte Nidda, Gedern, Hungen, Ortenberg, Schotten und die Gemeinde Echzell später in Form von Gewerbesteuern zurück.

Möglichst viele umweltverträgliche Arbeitsplätze für die Region sind neben dem Umsatz die Hauptziele der Entwickler. Man denkt weniger an riesige Logistikhallen, sondern zeichnet gut 30 kleinere Firmengebäude auf dem 19 Hektar großen Areal ein. Sie liegen an zwei Straßenschleifen und sind durch viel Grünland voneinander getrennt. Das Regenwasser von den Dächern landet in einem Teich.

Im Zentrum des IGO Green wollen die Planer eine Gastronomie und Freizeitangebote unterbringen. Ein Mobilitätszentrum mit Strom- und vielleicht auch Wasserstoff-Tankstelle soll erneuerbaren Energien und Verkehrsanschlüsse bringen. Diese und weitere Aspekte des Gewerbeparks propagieren die sechs Kommunen mit Image-Film, Fotos, Grafiken und Texten voller Werber-Poesie auf der Homepage igogreen.info. Gelb blühen die Disteln, grau altern die Stoppeln im künftigen Gewerbepark Oberhessen zwischen Borsdorf und Harb. Bis hier eine ökologisch korrekte Firmensiedlung entsteht, werden noch Jahre vergehen.

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Hammersbach https://landbote.info/hammersbach-3/ https://landbote.info/hammersbach-3/#comments Wed, 13 Mar 2024 11:06:34 +0000 https://landbote.info/?p=51633 Rücktritt – Weg aus dem ZWIGL-Desaster Von Klaus Nissen Am Ende blieb ihm nur der Rückzug. Hammersbachs Bürgermeister Michael Göllner (SPD) legte am 8. März 2024 sein Amt als Vorsteher des Zweckverbands interkommunales Gewerbegebiet Limes (ZWIGL) nieder. Dieser Schritt ist Bedingung, damit das Areal am Rasthof Langenbergheim noch ein Stück wachsen kann. Rückzug des Bürgermeisters … Hammersbach weiterlesen

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Rücktritt – Weg aus dem ZWIGL-Desaster

Von Klaus Nissen

Am Ende blieb ihm nur der Rückzug. Hammersbachs Bürgermeister Michael Göllner (SPD) legte am 8. März 2024 sein Amt als Vorsteher des Zweckverbands interkommunales Gewerbegebiet Limes (ZWIGL) nieder. Dieser Schritt ist Bedingung, damit das Areal am Rasthof Langenbergheim noch ein Stück wachsen kann.

Rückzug des Bürgermeisters von Hammersbach

Drei riesige Logistikhallen stehen auf den früheren Äckern an der A45 zwischen Himbach, Eckartshausen und Langen-Bergheim. Die neueste Halle – ein gut 300 Meter langer und 15 Meter hoher Gebäudeklotz – darf seit seiner Errichtung im vorletzten Jahr nicht genutzt werden. Denn der Verwaltungsgerichtshof Kassel erklärte auf Antrag des Umweltverbandes BUND die Erweiterung des Gewerbegebiets für ungültig, auf dessen Areal die Halle steht.

Diese neue Halle an der A45 darf nicht als Logistikzentrum genutzt werden. Der Investor spricht von Schäden in Millionenhöhe. Foto: Nissen

Grund für diese Blockade ist ein acht Jahre alter Fehler. Anno 2016 beschlossen zwölf der 15 Büdinger, Limeshainer und Hammersbacher Mitglieder in der ZWIGL-Verbandsversammlung die Westerweiterung um zwölf Hektar in Richtung Autobahn. Laut Satzung hätte dieser Beschluss aber einstimmig sein müssen, um zu gelten.

Göllner ließ sich vom Formfehler nicht bremsen

Verbandsvorsteher Göllner trieb den Bau der dritten Logistikhalle trotzdem voran und ließ sich auch durch eine weitere Klage der neuen schwarz-grünen Koalition in Hammersbach nicht bremsen. Der BUND gewann den Konflikt – er fordert nun den Abriss der dritten Halle und die Wiederherstellung des Ackers. Und der Generalunternehmer Wolfgang Dietz aus Bensheim droht mit Millionen-Forderungen an den Verband, falls die Halle dauerhaft nicht genutzt werden darf.

Mehr als ein Jahr dauerte die Suche nach einem Weg, um das Desaster zu vermeiden. Er habe mehr als hundert Stunden lang die Verhandlungen der Akteure moderiert, berichtet der CDU-Landtagsabgeordnete Heiko Kasseckert.

Bei diesem Treffen im Jahr 2019 sah es noch so aus, als könne die dritte Logistikhalle ohne große Probleme gebaut und betrieben werden. Doch der entscheidende Fehler – ein fehlerhafter Beschluss zur Gebietserweiterung – war da schon drei Jahre alt. Heiko Kasseckert (vorne rechts) moderierte später den Ausweg. Und der Verbandsvorsteher Michael Göllner (Mitte) dachte noch nicht an Rücktritt. Links neben ihm Investor Wolfgang Dietz und Limeshains Bürgermeister Adolf Ludwig. Foto: Nissen

Nun scheint ein Kompromiss in Sicht. Dazu gehört vor allem der Rückzug des Verbandsvorstehers Michael Göllner. Der habe das Vertrauen von CDU, Grünen und der Limeshainer Bürgerliste verloren, schrieben die drei Parteien zumWochenende in einer gemeinsamen Erklärung. Sie werfen ihm vor, er habe einfach ignoriert, dass die Gebietserweiterung fehlerhaft war.

Göllner trat nun als Verbandsvorsteher zurück. Er bleibt als Bürgermeister aber mit seinen Kollegen Adolf Ludwig aus Limeshain und Benjamin Harris aus Büdingen im dreiköpfigen Zweckverbands-Vorstand. In seiner Erklärung vom Freitag sieht sich Göllner als Opfer einer „beispiellosen Einmischung in die Angelegenheiten des Vorstandes“ durch CDU, Grüne und Bürgerliste. Von einer „Erpressung“ durch die Grünen spricht in einer weiteren Erklärung gar Susana Cidjovic vom Vorstand der Hammersbacher SPD – Göllners Heimatpartei. Göllner habe „als Verbandsvorsitzender (…) hervorragende Arbeit geleistet“ und eine „Erfolgsgeschichte“ geschrieben.

Neue Halle wird begrünt

Moderator Kasseckert sieht dagegen „grobe handwerkliche Fehler“ in Göllners Arbeit als Verbandsvorsteher. CDU, Grüne und Bürgerliste assistieren: „Das Handeln Göllners war zu keinem Zeitpunkt Teil der Lösung, sondern vielmehr Problemursache.“ Göllner habe stets nur in Sonntagsreden zum Dialog aufgerufen, aber nie dafür die Initiative ergriffen.

Nach seinem Rücktritt scheint der Weg frei für einen Kompromiss zu sein, der zumindest die dritte Logistikhalle benutzbar macht. Um hohe Schadenersatzforderungen und langjährige Prozesse zu vermeiden, soll der Zweckverband laut Eric Duda einen im vorigen November ausgehandelten Vergleich der Gemeinde Hammersbach mit den Investoren akzeptieren. Der sieht mehr Begrünung und ein geringeres Bauvolumen in der Westerweiterung vor. Im dritten Anlauf soll dazu in den nächsten Monaten die Verbandsversammlung einstimmig grünes Licht geben. Ein Termin steht aber noch nicht fest. Der auf Abriss der Halle klagende BUND ist in diesen Kompromiss nicht eingebunden. Es bleibt also ein Prozessrisiko.

Auch die geplante Osterweiterung des gemeinsamen Gewerbegebiets von Hammersbach, Limeshain und Büdingen ist Teil des von Heiko Kasseckert vermittelten Kompromisses. Die ZWIGL-Satzung will man ändern – in Zukunft sollen Erweiterungsbeschlüsse nicht mehr einstimmig, sondern mit einer 80-Prozent-Mehrheit gelten. Um Ackerboden zu schonen, soll das Gewerbegebiet im Osten nicht mehr um 16, sondern um 10,7 Hektar wachsen. Am alten Friedberger Handelsweg soll Schluss sein. Eine ursprünglich von der Dietz AG geplante vierte Logistikhalle darf es dem Kompromiss zufolge nicht geben.

So sieht der Kompromiss zur dritten Halle aus

Der saarländische Elektroteile-Großhändler Hager hat einen Mietvertrag für die neue Logistikhalle neben der A45 an der Autobahn-Auffahrt Langen-Bergheim. Doch er darf das von der Dietz AG erbaute Areal nicht nutzen, um das Rhein-Main-Gebiet mit ihren Produkten zu beliefern.

Es gibt nun einen Ausweg: Wenn bis zum 31. März eine Lösung in Sicht ist, greift ein Ende 2023 verhandelter städtebaulicher Vertrag. Demnach verzichtet die Dietz AG auf Schadenersatz und beteiligt sich mit maximal 600 000 Euro an den Kosten einer verbesserten Autobahn-Auffahrt. Außerdem wird der Investor dann Toiletten und Duschen für die vielen Fernfahrer bauen, die das Logistikzentrum ansteuern.

Das blau umrandete Gebiet links markiert die umstrittene Westerweiterung des interkommunalen Gewerbegebiets. Dort steht inzwischen die dritte Logistikhalle, die auf Weisung des Verwaltungsgerichstshofes nicht genutzt werden darf. Im Intergrund können noch gut zwei Hektar für kleinere Betriebe aus der Region nicht bebaut werden, so lange der acht Jahre alte Formfehler bei der Ausweisung des ERweiterungsgebietes nicht geheilt ist. Foto: Gemeinde Hammersbach

Die neue Hager-Halle darf dann noch ein verkleinertes, maximal zwölf Meter hohes viertes Segment bekommen. Die Hallenfassade muss zu mindestens 30 Prozent mit Rankpflanzen belebt werden. Auf drei Vierteln der Dachfläche sind Solarmodule zu installieren.

Der BUND trägt diesen Kompromiss nicht mit und fordert den Hallenabriss. Als Grüner sei er emotional ebenfalls dafür, räumt Eric Duda ein. Aber: „Fakt ist, der Boden ist zerstört.“ Es mache keinen Sinn, die neue Halle verfallen zu lassen, während die Firma Hager irgendwo anders im Rhein-Main-Gebiet eine andere Logistikhalle miete oder gar eine neue baue und dann dort Ackerboden vernichte.

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Gewerbegebiet Limes https://landbote.info/gewerbegebiet-limes-3/ https://landbote.info/gewerbegebiet-limes-3/#respond Wed, 28 Jun 2023 11:22:29 +0000 https://landbote.info/?p=47007 Rettungsversuch für Riesenhalle Von Klaus Nissen Mit einem neuen Bebauungsplan versucht die Gemeinde Hammersbach, den drohenden Abriss der Riesenhalle im Gewerbegebiet „Limes“ zu verhindern. Der Aufstellungsbeschluss spaltete die örtliche Grünen-Fraktion. Und nach Einschätzung des Bürgermeisters bleibt unsicher, wer die Planungshoheit hat. Riesenhalle bekommt Bebauungsplan Schon seit Jahresbeginn 2023 sollen jeden Tag dutzende Lastwagen die neue … Gewerbegebiet Limes weiterlesen

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Rettungsversuch für Riesenhalle

Von Klaus Nissen

Mit einem neuen Bebauungsplan versucht die Gemeinde Hammersbach, den drohenden Abriss der Riesenhalle im Gewerbegebiet „Limes“ zu verhindern. Der Aufstellungsbeschluss spaltete die örtliche Grünen-Fraktion. Und nach Einschätzung des Bürgermeisters bleibt unsicher, wer die Planungshoheit hat.

Riesenhalle bekommt Bebauungsplan

Schon seit Jahresbeginn 2023 sollen jeden Tag dutzende Lastwagen die neue Logistikhalle des Elektroteile-Händlers Hager ansteuern. Die Dietz AG hatte 2022 den gut 300 Meter langen und 15 Meter hohen Bau für das saarländische Unternehmen errichtet.

Von außen ist die neue Logistikhalle im gemeinsamen Gewerbegebiet von Hammersbach, Büdingen und Limeshain fertig. Doch der Bebauungsplan ist außer Vollzug, und für den Innenausbau gibt es keine Genehmigung. Der BUND verlangt vor Gericht den Abriss der Halle. Foto: Nissen

Doch das Millionenprojekt stockt. Kein Mensch arbeitet dort; die 26 Lkw-Tore sind noch nie benutzt worden, der große Parkplatz steht ebenso leer wie die ganze Lagerhalle.

Ein Formfehler im Planungsverfahren und mehrere Klagen von Umweltschützern, Landwirten und Kirchenleuten haben zu dieser Situation geführt. Der Zweckverband Interkommunales Gewerbegebiet Limes (Zwigl) hatte 2016 die Westerweiterung des gemeinsamen Areals von Hammersbach, Büdingen und Limeshain ohne die notwendige einstimmige Mehrheit beschlossen.

Die Riesenhalle darf nicht genutzt werden

Zusätzlich wendete sich nach der Kommunalwahl von 2021 die neue schwarz-grüne Mehrheit in Hammersbach gegen die Versiegelung des Ackers zwischen einer schon bestehenden Halle und der Autobahn 45. Im Jahr 2022 setzte der Verwaltungsgerichtshof in Kassel den Bebauungsplan außer Vollzug. Die neue Hager-Halle darf nicht genutzt werden. Auch der Innenausbau stockt. Er wird von der Bauaufsicht wegen der unklaren Rechtslage momentan nicht genehmigt, sagt Bürgermeister Michael Göllner auf Anfrage.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) hält die riesige Logistikhalle für einen Schwarzbau. Er verlangt per Verwaltungsgericht vom Kreisbauamt eine Abrißverfügung. Gerade habe man die Klagebegründung abgegeben, so das BUND-Vorstandsmitglied Werner Neumann aus Altenstadt.

Schon bei der März-Sitzung des Zweckverbandes für das Inerkommunale Gewerbegebiet Limes (ZWIGL) wirkten der Verbandsvorsteher Michael Göllner (rechts) und der Limeshainer Parlamentsvorsitzende Wolfgang Schönfeld etwas ratlos. Foto: Nissen

In der Hammersbacher Koalition ist der Widerstand gegen das neue Logistikzentrum allerdings zusammengebrochen. Grüne und CDU beantragten am 13. Juni 2023 die Aufstellung eines neuen Bebauungsplans. „Wir jubeln nicht über diese Halle“, sagte die Grünen-Fraktionschefin Antje Schöny. „Es ist eine Menge Beton darin verbaut worden. Aber ihr Abriss wäre energetisch nicht vertretbar.“ Wegen der komplexen Gerichtsverfahren sei absehbar, dass die Halle in den nächsten zehn bis 15 Jahren nur so dastehe. Außerdem könne deswegen auch kein Baugrund an örtliche Kleinunternehmen vergeben werden.

Nun will die Gemeinde die Riesenhalle legalisieren

Nach dem Willen der Koalition soll deshalb die Gemeinde Hammersbach die Westerweiterung des Gewerbegebiets legalisieren. Die Dietz AG müsse sich verpflichten, die schon fertige Halle zusätzlich mit einer „extensiven Wandbegrünung“, mit einer zusätzlichen Fotovoltaik-Anlage und mit Ladesäulen für Elektrofahrzeuge zu ergänzen.

Die SPD-Fraktion wollte lieber, dass der Zweckverband das Problem löst. Dessen Verbandsversammlung solle den Bebauungsplanbeschluss von 2016 wiederholen, forderten die Sozialdemokraten. In der Hoffnung, dass diesmal keine Gegenstimme anfällt. Der Antrag wurde aber abgelehnt.

In jeder Fraktion gibt es einen anderen Plan

Die Grünen-Gemeindevertreterin Irmgard Beck wiederum beantragte, die Gemeinde möge nur für die nördliche Fläche des Erweiterungsgebietes einen Bebauungsplan machen – um dort kleine Betriebe anzusiedeln.

Bei der Abstimmung hatte die Koalition wegen der grünen Abweichlerin keine eigene Mehrheit. Mit Hilfe der SPD wurde der schwarz-grüne Bebauungsplan dann aber doch beschlossen. Die Dietz AG ist laut Bürgermeister Göllner bereit, die Öko-Nachbesserungen auf ihre Kosten vorzunehmen. Auch die Firma Hager wolle die Anlage möglichst bald in Betrieb nehmen.

Wird das alles funktionieren? Hat der Zweckverband oder die Gemeinde Hammersbach die wahre Planungshoheit über die zwölf Hektar östlich des Rasthofs Langen-Bergheim? Das sei eine „diffizile Situation“ und könne auch er nicht genau sagen, meint Michael Göllner.

BUND fordert den Abriss

„Illegales Bauen sollte nicht legalisiert werden“, schimpft derweil der Wetterauer BUND-Kreisvorsitzende Werner Neumann. Es sei ein fatales Signal, dass die Hammersbacher Koalition nun sämtliche Trümpfe aus der Hand gebe. Sie dürfe nicht vergessen, dass die Dietz AG im November 2021 gut 200 000 Tonnen besten Mutterbodens abfahren ließ und damit gegen das Baugesetzbuch verstoßen habe. Die von der Koalition geforderten „Biodiversitätsdächer“ könnten die immense Zerstörung des Bodens und der Natur nicht gutmachen.

Was nun? „Die tote Gabelstapler-Turnhalle muss radikal umgebaut werden“, forderte gestern Kim Sen-Gupta von der Bürigerinitiative „Schatzboden“. Klar sei, dass für 20 oder 30 Kleinbetriebe neues Betriebsgelände gebraucht werde. Die sollte man in der schon fertigen Hager-Halle ansiedeln.

Was tatsächlich aus dem riesigen Neubau wird, entscheiden irgendwann die Gerichte.

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Nidda https://landbote.info/nidda-4/ https://landbote.info/nidda-4/#respond Fri, 16 Dec 2022 07:34:00 +0000 https://landbote.info/?p=42937 Große Pläne für Eichelsdorf Von Klaus Nissen Die Industrieruine der Folienfabrik Maria Soell am Rande des Niddaer Stadtteils Eichelsdorf hat einen neuen Besitzer: Dieter Munk aus Stuttgart. Der Geschäftsführer der Firma EcoShare Solutions hat einiges mit dem 6,5 Hektr großen Areal vor. Wohnungen und Handwerkerhöfe für Nidda Tristesse und Verfall prägen das weite Gelände links … Nidda weiterlesen

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Große Pläne für Eichelsdorf

Von Klaus Nissen

Die Industrieruine der Folienfabrik Maria Soell am Rande des Niddaer Stadtteils Eichelsdorf hat einen neuen Besitzer: Dieter Munk aus Stuttgart. Der Geschäftsführer der Firma EcoShare Solutions hat einiges mit dem 6,5 Hektr großen Areal vor.

Wohnungen und Handwerkerhöfe für Nidda

Tristesse und Verfall prägen das weite Gelände links der Bundesstraße 455 am Ortseingang von Eichelsdorf. Es atmet „den Geruch vergangener Zeiten“, sagt Dieter Munk. Da „wuchert das Unkraut zwischen fast barackenähnlichen Bauten. So, wie es jetzt dasteht, ist es nicht so schön anzuschauen“.

Dieter Munk aus Stuttgart hat mit seiner Firma EcoShare Solutions das 6,5 Hektar große Gelände von Maria Soell gekauft. Er will es mit umweltverträglichen Wohn- und Firmenhäusern bebauen. Foto: Privat

Im September 2021 beantragte die fast 100 Jahre alte Unternehmensgruppe Maria Soell die Insolvenz – konkret die Folienproduktion High Technology Films und die Maria Soell GmbH. Die Produktion kam zum Erliegen, die etwa 80 Beschäftigten verloren ihre Jobs. Schon davor habe er mit Stefan Steinmeier, dem Chef des bereits kriselnden Unternehmens, über den Kauf der 6,5 Hektar großen Betriebsfläche verhandelt. Geklappt habe das aber erst im Juni 2022, sagt Dieter Munk.

Die Gasversorgung ist unterbrochen

Der Geschäftsführer der EcoShare Solutions GmbH hat aktuell wenige Zwischennutzer auf dem Industrie-Areal. Im Verwaltungsgebäude von Maria Soell arbeitet die Coveto – eine Personalvermittlungsagentur. Und in der markanten Sheddach-Halle ist vorerst bis Mitte 2023 die Firma STI aktiv, die dort laut Munk Wachspapier herstellt. Die Arbeitsbedingungen sind dort nicht beneidenswert, sagt der Vermieter. Denn es regnet an manchen Stellen der bis zu 15 Meter hohen Halle durch. Die Gas-Hochdruckleitung zur Sheddach-Halle wurde mit dem Ende von Maria Soell vom Versorger abgestellt. Das Dampfaggregat der Fabrik und die Hallen-Heizung sind deshalb nicht mehr im Betrieb.

Ungefähr so könnte es künftig auf dem Gelände der Industrieruine von Maria Soell am Ortsrand von Eichelsdorf aussehen. Bleiben könnten das markante gezackte „Sheddach“ der großen Fabrikhalle. Grafik: EcoShare Solutions

In der Zukunft soll es am Rande von Eichelsdorf ganz anders aussehen. „Das Grundstück hat ein sehr gutes Potenzial“, findet Dieter Munk. Es sei gut ans Straßennetz angebunden und eben – also leicht neu zu bebauen. Beispielsweise mit Handwerker-Höfen oder mit Hochregal-Lagern für Logistikfirmen. Im Süden des Maria Soell-Geländes, also an der Bundesstraße, würde Munk gerne Wohnungen mit hohen ökologischen Standards bauen. Eine entsprechende Änderung des Bebauungsplans hatte schon der Vorbesitzer Stefan Steinmeier Anfang 2021 beantragt.

Bisher habe er noch keine Nutzer für das Areal, gibt der 61-jährige Projektentwickler Munk zu. „Wir wollen es mit Ehrgeiz angehen“. Deshalb stelle er sich am heutigen Montag auch dem Gespräch mit dem Ortsbeirat und kommuniziere intensiv mit der Stadtverwaltung.

Der Bürgermeister von Nidda findet die Pläne gut

Das bestätigt Niddas Bürgermeister Thorsten Eberhard. Auf Anfrage zeigt er sich auch offen, das bisherige Industriegelände zum Wohngebiet zu machen. „Inwieweit dies auf dem Gelände der Maria Soell möglich ist, werden wir in den Gremien im nächsten Jahr beraten“. Auch die Schaffung regionaler Arbeitsplätze sei wichtig. Er schätze Dieter Munk als zuverlässigen Gesprächspartner, so der Bürgermeister. Die Wirtschaftsförderung der Stadt unterstütze die Pläne der EcoShare Solutions.

Wer ist das überhaupt? Die EcoShare Solutions GmbH wurde 2017 gegründet. Als Firmenzweck nennt sie den Kauf von Immobilien, deren energetische Sanierung und den folgenden Verkauf. Auf der Homepage berichtet sie über den aktuellen Bau von acht Doppelhaushälften aus Holz-Verbundbauteilen in Waiblingen. In Reichenbach (Baden Württemberg) baut die Firma gerade 41 Einfamilienhäuser, die aus erneuerbaren Quellen mit Wärme und Strom versorgt werden.

Für das „Quartier Nidda“ hat der Investor eine eigene GmbH gegründet. Auch hier will er eine nachhaltige Bauweise anwenden. Wie das aussehen könnte, steht auf der Webseite www.ecoshare-solutions.de.

Maria Soell: Nach 99 Jahren kam das Aus

Nur ein Jahr vor dem 100-jährigen Jubiläum ging der Firma Maria Soell die Puste aus. 2021 musste das traditionsreiche Unternehmen abgewickelt werden. Das Ende hatte sich schon 2015 abgezeichnet. Damals beantragte die Geschäftsführung zum ersten Mal ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Maria Soell hatte damals noch mehr als 100 Beschäftigte.

Hergestellt wurden am Rande von Eichelsdorf unter anderem Joghurtdeckel und Bonbonpapiere, außerdem beschichtete Trennpapiere für die Chemie- und Autoindustrie. Zum Portfolio gehörten auch Schrumpffolien, mit denen eingewickelte Lebensmittel länger haltbar werden.

Im Jahr 2021 kam das Ende

Im Jahr 2018 verlagerten die damaligen Inhaber den Bereich Silikon, Extrusion und wasserbasierte Kaschierung an ein Unternehmen ins spanische Baskenland. Das kostete die ersten 30 Arbeitsplätze in Nidda.

Im Jahr 2020 versuchte Maria Soell zum letzten Mal, mit einer größeren Investition den Betrieb wieder auszuweiten. Die Firma leaste eine neue Blasfolien-Anlage, um damit besonders dünne und haltbare Folien herzustellen, die auch nach Übersee exportiert werden sollten. Doch dann kam die Corona-Pandemie. Die Lieferketten für die Rohstoffe gerieten ins Wanken. Das Material wurde schließlich zu teuer – das Geschäftsmodell von Maria Soell kippte und ging schließlich unter.

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Gewerbegebiet Limes https://landbote.info/gewerbegebiet-limes/ https://landbote.info/gewerbegebiet-limes/#comments Wed, 06 Apr 2022 18:45:21 +0000 https://landbote.info/?p=36016 Logistikprojekt droht Baustopp Von Klaus Nissen Auf dem Acker östlich der Rasthofs an der A45 wachsen schon Pfeiler für die dritte Riesenhalle im interkommunalen Gewerbegebiet. Die Gegner des Projekts peilen nun trotz einer gerichtlichen Abfuhr den Baustopp an. Zugleich muss der Hammersbacher Bürgermeister und Gewerbegebiets-Manager Michael Göllner juristisch gegen sein eigenes Projekt vorgehen.Neue Urteile zur … Gewerbegebiet Limes weiterlesen

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Logistikprojekt droht Baustopp

Von Klaus Nissen

Auf dem Acker östlich der Rasthofs an der A45 wachsen schon Pfeiler für die dritte Riesenhalle im interkommunalen Gewerbegebiet. Die Gegner des Projekts peilen nun trotz einer gerichtlichen Abfuhr den Baustopp an. Zugleich muss der Hammersbacher Bürgermeister und Gewerbegebiets-Manager Michael Göllner juristisch gegen sein eigenes Projekt vorgehen.Neue Urteile zur dritten Logistikhalle am Rasthof Langenbergheim.

Neue Urteile behindern Planer und Gegner

Der Mietvertrag ist längst geschlossen – nun entsteht die vier Hektar große Auslieferungshalle für den Elektro-Großhändler Hager. Ende 2022 soll sie fertig sein, Anfang 2023 in Betrieb gehen. Doch das Tauziehen zwischen den Organisatoren und den Gegnern des Logistikprojekts geht weiter. Zuletzt erlitten beide Seiten Niederlagen vor Gericht. Das hat teils kuriose Folgen.

Aktuell arbeiten neben der Autobahn rund 500 Menschen im gemeinsamen Gewerbegebiet der Kommunen Büdingen, Limeshain und Hammersbach. Auf 24 Hektar stehen zwei große Hallen. Eine wird von der Spedition Kühne + Nagel als Zwischenlager für Amazon-Produkte genutzt, sagt Michael Göllner. Er ist Bürgermeister von Hammersbach und zugleich Vorsteher des „Zweckverbandes interkommunales Gewerbegebiet Limes“ (Zwigl).

Zwei Logistikhallen sind schon in der Nutzung. Die dritte Halle im Vordergrund wird gerade für einen Elektro-Großhändler direkt neben der Raststätte Langenbergheim an der A45 an der Grenze von Wetterau- und Main-Kinzig-Kreis gebaut. Grafik: BI Schatzboden

Die zweite Halle hat der Generalunternehmer Wolfgang Dietz an den Getränke-Konzern Pepsico vermietet. Auf der anderen Straßenseite richtet die Firma Waurig laut Göllner gerade ihre neue Unternehmenszentrale ein. Der aus Berstadt kommende Familienbetrieb beliefert Restaurants und Läden zwischen Kassel und Offenbach mit italienischen Lebensmitteln – vom Pizzamehl bis hin zu Weinen. In der neuen Zentrale an der Straße „Zum Haarstrauch“ im Gewerbegebiet soll nun auch ein 800 Quadratmeter großer Laden und ein italienisches Restaurant mit Mittagstisch entstehen, so Bürgermeister Göllner.

Der Ackerboden verfüllt die Kiesgrube bei Langen

Daran hat niemand etwas auszusetzen. Um so heftiger ist der Streit um die gerade wachsende dritte Logistikhalle direkt neben dem Parkplatz der Autobahnraststätte. Dort haben Bagger seit Ende 2021 rund

200 000 Tonnen besten Ackerbodens abgeräumt, klagt Werner Neumann vom Landesvorstand des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND). Die Erde wurde zur Rekultivierung der Kiesgrube am Langener Waldsee genutzt, sagt Michael Göllner auf Nachfrage. Ein Teil des knapp zwölf Hektar großen Erweiterungsgeländes darf noch nicht abgebaggert werden, weil sich dessen Besitzer gegen die Bauland-Umlegung wehrt.

Während im Hintergrund schon die ersten Pfeiler der Logistikhalle wachsen, graben Archäologen die Reste einer Siedlung aus der Steinzeit aus. Ein Teil des Grundstücks ist noch nicht bebaubar, weil sich ein Eigentümer weigert, den Acker herzugeben. Foto: Werner Neumann/BUND

Neben diesem Landbesitzer kämpft ein Bündnis aus Umweltschützern, Kirchenleuten, Bauern und der Bürgerinitiative „Schatzboden“ gegen die Umwidmung des Ackers in eine Logistikzone für Elektroartikel. Stellvertretend für das Bündnis klagte der BUND gegen die Baugenehmigung. Doch im März kam die Abfuhr: Der BUND sei nicht klageberechtigt, urteilte das Verwaltungsgericht Frankfurt. „Wir werden die nächsthöhere Instanz anrufen“, sagt nun Werner Neumann. Man sei „zuversichtlich, dass diese immense Zerstörung landwirtschaftlichen Bodens, der Natur und des Grundwassers gestoppt werden kann und die Bauten der Dietz AG wieder abgerissen werden.“

Bürgermeister muss gegen sein Herzensprojekt vorgehen

Die Gegner sind auch deshalb zuversichtlich, weil sie Verstärkung bekamen. Nach der Kommunalwahl bildete sich in Hammersbach ein schwarz-grünes Bündnis, das anders als die frühere SPD-Mehrheit die dritte Logistikhalle ablehnt. Ende Oktober 2021 beauftragten die Gemeindevertreter Michael Göllner, im Namen der Gemeinde Hammersbach gegen den Bebauungsplan zu klagen. Göllner legte Widerspruch ein. Ein Stopp der Firmenansiedlung wäre schädlich für die Gemeinde, argumentierte er. Doch nun hat ihn das Verwaltungsgericht ausgebremst. Sein Widerspruch habe im Eilverfahren keine aufschiebende Wirkung, so Göllner.

So muss er nun, wie von der Parlamentsmehrheit gewünscht, rechtlich gegen sein eigenes Herzensprojekt angehen. Als Vorsteher des Zweckverbands treibt Göllner gemeinsam mit Erich Spamer aus Büdingen und Adolf Ludwig aus Limeshain den Bau der dritten Logistikhalle schon seit 2016 voran. Nicht gerade lustvoll sagt der Bürgermeister: „Nun wird ein Anwalt prüfen, ob eine Normenkontrollklage gegen den Bebauungsplan möglich und sinnvoll ist.“

Göller: „Wir haben gültige Verträge“

Gleichzeitig könne der Hallenbau weiter gehen, weil ja der Bebauungsplan und die Baugenehmigung gültig seien. Und wenn er, Göllner, vor dem Kasseler Verwaltungsgerichtshof in zweiter Instanz erfolgreich sei, schreite die Entwicklung des Limes-Gewerbeparks ohnehin voran. „Ich bin sehr zuversichtlich“, sagt der Bürgermeister und Zwigl-Vorsteher. Man habe gültige Verträge mit Unternehmen. Und die Ansiedlung von Logistikbetrieben neben der Autobahn bringe nachweislich viele Jobs und hohe Steuereinnahmen für die Menschen in Büdingen, Limeshain und Hammersbach.

Ob letztere das genauso sehen, wird sich am 12. Juni zeigen. Dann will sich Göllner in seine vierte Amtszeit wählen lassen. Diesmal hat er allerdings im CDU-Mann Alexander Kovacsek einen Gegenkandidaten, der die Parlamentsmehrheit gegen die Gewerbepark-Erweiterung repräsentiert.

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