Adlerwerke Archive - landbote.info https://landbote.info/tag/adlerwerke/ Internetzeitung für Rhein-Main und Mittelhessen Mon, 29 Nov 2021 12:47:16 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.0 85898093 KZ Katzbach https://landbote.info/kz-katzbach-7/ https://landbote.info/kz-katzbach-7/#comments Mon, 29 Nov 2021 12:47:16 +0000 https://landbote.info/?p=31652 Gedenken an den Todesmarsch Der Verein Leben und Arbeiten in Gallus und Griesheim (LAGG) will am 19. März 2022 mit einer ganz besonderen Aktion an den Todesmarsch der Häftlinge des Konzentrationslagers „Katzbach“ in den Frankfurter Adlerwerken erinnern: er sucht 1616 Menschen, die sich mit einem selbst gemachten Schild entlang des Mainufers aufstellen. Etwa so: Ich … KZ Katzbach weiterlesen

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Gedenken an den Todesmarsch Der Verein Leben und Arbeiten in Gallus und Griesheim (LAGG) will am 19. März 2022 mit einer ganz besonderen Aktion an den Todesmarsch der Häftlinge des Konzentrationslagers „Katzbach“ in den Frankfurter Adlerwerken erinnern: er sucht 1616 Menschen, die sich mit einem selbst gemachten Schild entlang des Mainufers aufstellen. Etwa so: Ich stehe für …, er war Häftling im KZ „Katzbach“.

Seit seiner Gründung 1992 setzt sich der Verein LAGG dafür ein, das Konzentrationslager „Katzbach“ in den Adlerwerken nach jahrzehntelanger Leugnung und Verharmlosung zu einem festen Bestandteil der Erinnerungskultur Frankfurts zu machen. Am 22. August 1944 wurde im Frankfurter Gallus auf dem Gelände der Adlerwerke ein Konzentrationslager mit dem Decknamen „Katzbach“ in Betrieb genommen. „Die Adlerwerke waren im Nationalsozialismus ein Rüstungsbetrieb. Sie wurden von der SS mit KZ-Häftlingen für die Produktion versorgt. 1616 Zwangsarbeiter erlitten hier eine unbeschreibliche Hölle. Nur wenige von ihnen überlebten. Die meisten Häftlinge wurden beim Warschauer Aufstand festgenommen und in das KZ ‚Katzbach‘ verschleppt, es gab auch Häftlinge aus der damaligen Sowjetunion und anderen Nationen, auch einige jüdische Menschen waren unter den Häftlingen“, berichtet der Verein.

Nur 40 Gefangenen kamen lebend an

Am 24. März befahl der NSDAP-Gauleiter Sprenger die „Evakuierung“ des mitten in der Stadt gelegenen KZs. SS-Leute trieben 350 Häftlinge quer durch Frankfurt über Hanau, Schlüchtern und Fulda bis nach Hünfeld, von wo sie in Güterwagons gepfercht ins KZ Buchenwald transportiert wurden. Diesen 120 Kilometer langen Todesmarsch überlebten vermutlich nur 280 von ihnen. Von Buchenwald schickte sie die SS ins KZ Dachau, wo wohl nur 40 Gefangene lebend ankamen. Wenige Tage vorher waren über 500 marschunfähige Häftlinge – Kranke und viele Sterbende – zu je 60 Mann in einen Güterwaggon gepfercht und die Waggons plombiert worden. Drei Tage und Nächte stand der Zug auf den Fabrikgleisen, bevor er am 16. März 1945 das Werksgelände verließ.

Keine Verpflegung, kein Wasser, keine Hilfe für die Verletzten – erst sieben Tage, nachdem der Zug verplombt worden war, am 23. März 1945, erreichte der Transport das KZ Bergen-Belsen. „In jedem Waggon lagen Berge von Leichen; nur die Mitte war frei, wenn man den Kot nicht rechnet”, erinnert sich Jozef Marcinkowski, ein ehemaliger Häftling, an die Ankunft des Transports im KZ Bergen Belsen.

Erinnerungstafel an das KZ-Außenlager in den Frankfurter Adler-Werken.

Gnadenlos für die Rüstungsproduktion ausgepresst

„Die 1616 Häftlinge, die gnadenlos für die Rüstungsproduktion ausgepresst wurden, deren Tod billigend in Kauf genommen wurde, mahnen, dass wir uns an sie erinnern als Menschen, denen im KZ in den Adlerwerken jede Menschlichkeit verwehrt wurde – von der Geschäftsführung und den Aktionären der Adlerwerke, der SS, den deutschen Vorarbeitern und auch von Bewohnern und Bewohnerinnen des Gallus, die geflohene Häftlinge an die SS verraten habenDie rassistische Vorstellung von wertvollen und weniger wertvollen Menschen greift schon lange wieder um sich und findet auch in physischer Gewalt Ausdruck: Mindestens 170 Menschen sind seit 1990 durch rechte Gewalttaten ums Leben gekommen. Von den rassistischen Pogromen Anfang der 1990er Jahre über die Morde des NSU bis zum Mord an Walter Lübcke und den antisemitischen Terrorangriffen in Halle zieht sich eine neofaschistische Blutspur durch die Republik“, erklärt der Verein Leben und Arbeiten in Gallus und Griesheim.

Die Namen aller Häftlinge sind inzwischen bekannt

Der Verein hat schon einiges erreicht. Einen Teilerfolg erzielte er mit seiner Forderung nach „Entschädigung“ der noch lebenden ehemaligen Häftlinge. Ein weiterer Erfolg ist die Errichtung einer Gedenk- und Bildungsstätte in den ehemaligen Adlerwerken, die im Frühjahr 2022 eröffnet und den Namen „Geschichtsort Adlerwerke. Fabrik, Zwangsarbeit, Konzentrationslager“ tragen wird. Durch eine von der Stadt finanzierte Recherchearbeit sind dem Verein inzwischen alle Namen, Geburtsdaten, Geburtsorte, Berufe und Herkunftsländer der KZ-Häftlinge bekannt. Aus Anlass des 77. Jahrestags des Todesmarsches aus dem KZ möchte er nun Häftlinge, von denen die übergroße Mehrheit KZ und Todesmarsch nicht überlebt haben, würdigen. Für diese große Gedenk-Aktion sucht er die 1616 Menschen, die sich mit Schildern mit den Namen der Häftlinge entlang des Mainufers aufstellen. Wer mitmachen möchte, kann sich bis Mitte Dezember per E-Mail unter der Adresse gedenken@lagg-ev.demelden.

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KZ Katzbach https://landbote.info/kz-katzbach-6/ https://landbote.info/kz-katzbach-6/#respond Fri, 06 Mar 2020 11:52:44 +0000 https://landbote.info/?p=17521 DGB fordert Gedenkstätte Das KZ Katzbach in den Frankfurter Adlerwerken gilt als eines der schlimmsten Konzentrationslager der Nazi-Zeit. 1600 Zwangsarbeiter wurden hier 1944/45 misshandelt. Der DGB Frankfurt/Main fordert, dass endlich eine Gedenkstätte für das KZ Katzbach/Adlerwerke errichtet wird. „Es ist beschämend, dass 75 Jahre nach Ende des Nationalsozialismus und 30 Jahre nach den ersten Versuchen … KZ Katzbach weiterlesen

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DGB fordert Gedenkstätte Das KZ Katzbach in den Frankfurter Adlerwerken gilt als eines der schlimmsten Konzentrationslager der Nazi-Zeit. 1600 Zwangsarbeiter wurden hier 1944/45 misshandelt. Der DGB Frankfurt/Main fordert, dass endlich eine Gedenkstätte für das KZ Katzbach/Adlerwerke errichtet wird. „Es ist beschämend, dass 75 Jahre nach Ende des Nationalsozialismus und 30 Jahre nach den ersten Versuchen zur Einrichtung einer Gedenkstätte für das KZ in den Adlerwerken überhaupt noch diskutiert werden muss, ob das angemessen ist“, erklärt der Frankfurter DGB-Vorsitzende Philipp Jacks in einer Pressemitteilung.

Bildungs- und Gedenkstätte schaffen

Nachdem ein Gedenkort in den Adlerwerken jahrelang verhindert worden sei, werde jetzt behauptet, feste Gedenkstätten seien nicht mehr zeitgemäß. „Ein Hohn! Das widerspricht auch der Einschätzung von Fachleuten. Als Negativbeispiel werden die niedrigen Besucherzahlen der Gedenkstätte im Hochsicherheitstrakt Europäische Zentralbank vorgeschoben: dabei sollte gerade das doch ein Argument sein, eine besser zugängliche Gedenkstätte zu schaffen! Dass ausgerechnet die Grünen im Römer sich gemeinsam mit ihrem offensichtlichen Wunschpartner CDU dagegen stemmen, ist für mich extrem enttäuschend“, sagt Jacks.

Lothar Reininger, damaliger Betriebsratsvorsitzender der Adlerwerke ist nicht minder verärgert: „Wir haben 1992 die Gräuel des KZ-Katzbach/Adlerwerke öffentlich gemacht und die Einrichtung einer Bildungs- und Gedenkstätte gefordert. Seit fast 30 Jahren hören wir immer wieder Ausreden, warum es gerade nicht geht. Viel zu lange sind diese Verbrechen verdrängt worden – auch und gerade im Frankfurter Gallusviertel. Ein würdiges Gedenken ist unsere historische Verantwortung den Opfern von Katzbach gegenüber. Nach Kassel, Halle und Hanau gibt es kein Rausreden mehr – die Fraktionen müssen sich für oder gegen Geschichtsbewusstsein entscheiden: Bildungs- und Gedenkstätte – Ja oder nein.“

Systematisch totgeschwiegen

Das Konzentrationslager „Katzbach“ in den Frankfurter Adlerwerken existierte in den Jahren 1944/45 und wird von den wenigen Überlebenden als eines der schlimmsten seiner Art beschrieben. Die zumeist polnischen Gefangenen wurden unter menschenunwürdigen Bedingungen zu Zwangsarbeit für die deutsche Rüstungsproduktion gezwungen. Nach dem Krieg wurde dieser Teil der Geschichte der Adlerwerke systematisch totgeschwiegen, von der Werksleitung ebenso wie von der Stadt Frankfurt oder den Anwohnerinnen und Anwohnern, die Zeugen des Verbrechens wurden.

2018 beschloss die Frankfurter Stadtverordnetenversammlung, einen Forschungsauftrag zu erteilen, um eine wissenschaftliche Grundlage für eine Gedenkstätte vor Ort zu schaffen. Die historischen Untersuchungen, die das Fritz-Bauer-Institut übernahm, wurden jüngst fertiggestellt und der Öffentlichkeit gestern Abend vorgestellt. Bei der Veranstaltung betonten sowohl Kulturdezernentin Dr. Ina Hartwig als auch der polnische Generalkonsul Jakub Wawrzyniak und Horst Koch-Panzner vom Förderverein zur Errichtung einer Gedenkstätte in den Adlerwerken, dass ein angemessenes Gedenken nur mit einer Gedenkstätte vor Ort erreicht werden kann.

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