Zukunft von FR und FNP

Was der neue Besitzer plant

Seit dem 1. April 2018 gehören die Frankfurter Rundschau und die Frankfurter Neue Presse zum Zeitungsreich des Münchener Verlegers Dirk Ippen. Sein Neffe und Nachfolger Daniel Schöningh gab am 16. April einige Hinweise, wie es mit den beiden Zeitungen weitergeht.

Die Zukunft von FR und FNP

Wie viel Geld die Fazit-Stiftung beim Verkauf der beiden Zeitungen einsammelte, verrieten weder Schöning noch der FAZ-Geschäftsführer Thomas Lindner bei der Veranstaltung des Frankfurter Presseclubs in der Evangelischen Akademie neben dem Römer.  Es kann nicht viel gewesen sein.  Beide Zeitungen zusammen seien „leicht profitabel“, sagte Schöningh.Letzteres ist wohl der FR zu verdanken, deren Produktionskosten und Personal nach einer Insolvenz seit 2013 mächtig  verschlankt wurden. Außerdem kümmert sich die FR neuerdings mit Leserbriefseiten intensiv um ihre langjährigen Abonnenten – das passt zur Strategie der Ippen-Zeitungen.  Die Frankfurter Neue Presse dagegen hatte  im vierten Quartal 2017 mit neun Prozent den größten Auflagenverlust aller deutschen Tageszeitungen, bestätigte Schöningh. „Wenn es so weitergeht, haben wir bald das Datum, an dem wir abschließen können.“ Man habe in der Münchner Konzernzentrale lange nachgedacht, ob man auf das Angebot der Fazit-Stiftung eingehen solle.  Man tat es dann doch, laut Schöningh ohne Masterplan. Womöglich, weil auch die große Frankfurter Societätsdruckerei in Mörfelden zum Paket gehört. Die ist profitabel, und die FAZ hat nach Angaben von Thomas Lindner einen langfristigen Druckauftrag an das Haus gebunden. Außerdem werde man mit der Rhein-Main-Media bei Vertrieb und Marketing mit der Ippen-Gruppe zusammenarbeiten.Er suche jetzt ein gemeinsames Bürohaus für die Beschäftigten der beiden Zeitungen, sagte Schöningh auf Fragen des Horizont-Chefredakteurs und ehemaligen FR-Redaktionschefs Uwe Vorkötter. Der wollte auch wissen, ob die FNP-Redaktion mit gut hundert angestellten Journalisten nicht zu groß sei. „Ja, das kann man so sagen“, antwortete der Verleger. Für ihn sei die Neue Presse eine „Vorstadtzeitung“,  die in Frankfurt selbst eher schwach sei. Anders im Taunus und im Raum Limburg. Eine Bestandsgarantie für die FNP-Regionalausgaben in der Wetterau und in Neu-Isenburg  mochte Daniel Schöning auf eine Frage aus dem Publikum nicht  abgeben. In beiden Regionen ist der Zeitungskonzern bereits als Mitbewerber präsent – durch die Offenbach-Post im Süden und durch die Wetterauer Zeitung im Norden.

Joachim Braun. Foto: Nissen

Dieses von Gießen aus gemachte Blatt gehört seit einem Jahr mehrheitlich zur Ippen-Gruppe. Die Familie Rempel als Minderheitsgesellschafterin von Gießener und Alsfelder Allgemeine und Wetterauer Zeitung engagiert sich stark in der neuen „Zeitungsgruppe Hessen“.  Der 38-jährige Max Rempel wurde gleich nach dem Kauf der Frankfurter Neuen Presse zu ihrem Chefredakteur ernannt.  Den bisherigen Chefredakteur Joachim Braun feuerten die neuen Chefs. Braun hatte erst kurz zuvor die FNP relauncht und in den gemieteten Räumen einen modernen Newsroom bauen lassen. Den muss die Redaktion räumen, sobald Schöningh mit der Quartier-Suche durch ist.

Eine gemeinsame Mantelredaktion für die Frankfurter und  die anderen hessischen Zeitungen des Konzerns soll es laut Daniel Schöningh nicht geben.  Allerdings scheint ein Artikel-Sharing wahrscheinlich. In München beliefern sich die Redaktionen des Merkur und der Boulevardzeitung tz gegenseitig mit Texten aus dem Lokalen und der Kultur und machten damit nach Schöninghs Angaben gute Erfahrungen. Und neuerdings tauchen in der Wetterauer Zeitung auch wortgleiche Artikel aus der FNP-Nordausgabe auf – und umgekehrt. Bei Standard-Lokalterminen sind dann nicht mehr zwei Journalisten anwesend, sondern nur noch einer.

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