Zugausfälle

Pro Bahn kritisiert DB Regio

Verspätungen und Zugausfälle sowie viele weitere Probleme: Der Fahrgastverband Pro Bahn übt in einer Pressemitteilung heftig Kritik. Der hessische Landesvorsitzende Thomas Kraft und seine Stellvertreter Werner Filzinger berichten: „Nach einer Auswertung der Fahrgastvertreter trifft es im Moment am meisten den Mittelhessen-Express mit den Linien RB 40 (Frankfurt-Gießen-Dillenburg), RB 41 (Frankfurt-Gießen-Marburg-Stadtallendorf/Treysa) und insbesondere die RB 49 (Hanau-Friedberg-Gießen). Diese werden von DB Regio Mitte betrieben. Es ist einfach nicht mehr hinnehmbar, dass über Wochen und Monate fortwährend ganze Umläufe im Fahrplan ausfallen, der Fahrgast sich erst sehr kurzfristig, teilweise nur am gleichen Tag, darauf einstellen kann.“

Große Probleme auf der Rheingaulinie

Kraft und Filzinger schildern die alarmierende Lage: „Große Schwierigkeiten gibt es auch auf der Rheingaulinie, der RB 10, die von Frankfurt/Main  über Wiesbaden, dann durch den Rheingau bis nach Koblenz bzw. Neuwied fährt und von der VIAS-Verkehrsgesellschaft betrieben wird. Es handelt sich neben der S-Bahn-Linie S 1 um die einzige kurzstreckige Regionalzugverbindung zwischen der Mainmetropole und der hessischen Landeshauptstadt. Für den hessischen Teil der Strecke zwischen Kaub, Wiesbaden und Frankfurt soll eigentlich stets in zweier Traktion gefahren werden, d.h. zwei aneinander gekuppelte Triebwagen der Baureihe Flirt, da hier die hohe Auslastung die Erfordernis in deutlichem Maße nachweist. In vielen Umläufen findet der Fahrgast jedoch seit Monaten nur einen einteiligen Zug auf der RB 10 vor. Ähnliche Situationen kann man im Umlauf auf der Kinzigtalstrecke Frankfurt-Hanau-Gelnhausen-Wächtersbach-Fulda mit den Linien RE 50 und RB 51 beobachten. Die Linien werden in gemeinsamen Umläufen mit Doppelstockzügen betrieben. Auf der Kinzigtalstrecke wie auch auf der Main-Weser-Bahn mit der RE 30 (Kassel-Marburg-Gießen-Frankfurt) sind i.d.R. sechsteilige Doppelstockwagen im Einsatz, in Einzelfällen auch siebenteilige. Nur ist jüngst zu beobachten, dass sich die Fahrten mit verkürzten Zügen auf den drei genannten Linien gehäuft haben. Schon die Herausnahme eines Doppelstock-Waggons führt auf den sehr stark ausgelasteten Linien unweigerlich zu Kapazitätsproblemen insbesondere im Berufsverkehr. Dass wir vor gut drei Monaten eine extreme Grippewelle in Deutschland hatten und damit auch das Personal im Schienenverkehr knapp wurde, dies kann noch als befristete Begründung akzeptiert werden, da es in den ersten Wochen des Jahres 2018 die Breite der Gesellschaft betroffen hat und an allen Arbeitsstätten deutlich spürbar war.“

Wie Pro Bahn berichtet, gibt es die Probleme auch am Gießener Bahnhof. (Fotos: Jörg-Peter Schmidt)

Zu wenige Fahrzeuge ausgeschrieben

Für den Fahrgastverband Pro Bahn ist das Problem hier nun ein anderes: „Das Land Hessen, eigentlich zuständig für den Schienenpersonennahverkehr gem. Regionalisierungsgesetz, hat die Aufgabenträgerschaft an die Verkehrsverbünde RMV, NVV und VRN abgetreten. In deren Ausschreibungen der letzten 20 Jahre sind aufgrund der staatlicherseits stark eingegrenzten finanziellen Ressourcen für die einzelnen Linien und Linienbündel zu wenige Fahrzeuge in dem Leistungsverzeichnis ausgeschrieben worden. Wenn man es wirklich mit der Verkehrswende ernst meint, man großen Bevölkerungsgruppen wie Schülern, Studenten und Landesbediensteten ein landesweites ÖPNV-Ticket zur Verfügung stellt, dann muss man auch die Ausschreibungen entsprechend anpassen. Es kann und darf insbesondere nicht sein, dass über den Regelfahrplan hinaus nur einzelne wenige zusätzliche Triebwagen als Reserve (man spricht i.d.R. von 2-3 Stück) angeschafft werden. Die einzelnen Leistungerbringungen sind entweder große Linienbündel mit mehreren Regionalzuglinien oder lang laufende Regionalexpressverbindungen, die auch als verknüpfendes Element zwischen dem Fernverkehr genutzt werden. Deshalb sieht es der Pro Bahn Landesverband Hessen als ein absolutes Muss an, mindestens vier bis sechs zusätzliche Zuggarnituren pro Leistungerbringung als Reserve zu haben, da dies die Vergangenheit und Gegenwart offenkundig darlegt.“

Kapazitätsengpässe und Zugausfälle

Thomas Kraft: „Ein weiteres Problem sind die vielzähligen verschiedenen Zug- bzw. Triebfahrzeugtypen, welche mittlerweile in Hessen ihren Dienst verrichten. Im Gegensatz zu Bundesländern wie Niedersachsen hat es in Hessen für die Linienbündel bzw. Linien stets nur singuläre Entscheidungen gegeben.“ Das beste neue Beispiel sei die Linie BB 75 (Wiesbaden-Mainz-Darmstadt-Aschaffenburg), die ab dem Fahrplanwechsel im Dezember 2018 von der Hessischen Landesbahn (HLB) betrieben werde. Hier komme ein Triebwagentyp zum Einsatz, der bislang in Hessen weder bei der HLB noch bei einem anderen ausführenden Unternehmen im Einsatz ist. Auch hier sind, wenn Wagen außer Betrieb genommen werden, Kapazitätsengpässe und Zugausfälle programmiert.

Mehr Züge und Triebwagen aber auch einen richtigen Fahrzeugpool, wie ihn Niedersachsen aufgebaut hat, diesen fordern die Pro  Bahn-Vertreter auch für Hessen. Durch den Austausch von Nahverkehrstriebwagen für den Notfall durch die leistungserbringenden Verkehrsunternehmen (in Hessen DB, HLB, Cantus und VIAS) untereinander sowie die Ausschreibung gleicher Fahrzeugtypen wäre es möglich, solche Situationen wie die aktuellen Ausfälle und Einschränkungen in der Form und Größe nicht mehr entstehen zu lassen. Auch die Hersteller müssten mehr Anpassung mitbringen. So könne es nicht sein, das gleiche Fahrzeugtypen, die im Baujahr nur wenige Jahre voneinander abweichen, nicht mehr gekuppelt werden können. Alles in allem eine unbefriedigende Situation, für welche in Hessen in den nächsten Monaten nachhaltige Problemlösungen unbedingt gefunden werden müssen, so der Pro Bahn Landesverband Hessen.

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