Wohngenossenschaft

Oekogeno baut bald in Ilbenstadt

Auf dem früheren Klosterhof an der Basilika von Ilbenstadt enstehen ab der zweiten Jahreshälfte 2019 etwa 30 Genossenschaftswohnungen. Das erste Mehrgenerationenhaus der Freiburer Oekogeno in Hessen findet reges Interesse: Rund 120 ernsthafte Interessenten haben sich gemeldet. Der Neubau gegenüer der 900 Jahre alten Basilika bekommt ein Flachdach

Neue Wohngenossenschaft in Ilbenstadt

Auf dem Klosterhügel von Ilbenstadt tut sich was. Ein langgestreckter Stall und eine Scheune gegenüber der Gottfrieds-Basilika sind abgerissen. Neben den Sandsteingebäuden des uralten Klosterhofs kann man frei in den wüst liegenden ehemaligen Klostergarten schauen. Auf dem Abrissgelände beginnt in der zweiten Jahreshälfte 2019 der Aushub für eine Tiefgarage für 50 bis 70 Autos. Diese Plätze können nicht nur die Bewohner des darüber wachsenden dreigeschossigen Wohnhauses nutzen, so der Projektleiter Jörg Weber. Auch die Besucher des katholischen Bildungszentrums St. Gottfried finden dort Stellplätze für ihre Karossen.

Auf dem eingekreisten Areal sollen die neuen Wohnhäuser entstehen. Die Altbauten links daneben werden ind as genossenschaftliche Wohnprojekt integriert. Fotos: Oekogeno SWH

Bis zu 15 Millionen Euro will die neue Genossenschaft Oekogeno SWH in die beiden neuen, l-förmig angeordneten Wohnhäuser investieren. Die ersten Wohnungen sollen im Sommer 2021 bezugsfertig sein. Sie werden in Holzständerbauweise errichtet. Das berichtete Jörg Weber bei einem Treffen mit Wohn-Interessenten. Entgegen früheren Plänen soll das südlich liegende Gebäude am unteren Ende des leicht abschüssigen Geländes ein Flachdach bekommen. So falle mehr Licht in den Innenhof, und von der Ortsmitte Ilbenstadts aus könne man wie bisher auf die Uhr am Turm der Basilika schauen. Dann reiche der Platz noch für 27 Wohnungen. Acht weitere Genossenschaftswohnungen könne man aber im alten Kutscherhaus einrichten.

Nicht weniger als 265 Anfragen erreichten die in Freiburg sitzende Oekogeno-Zentrale, nachdem ihr erstes Genossenschaftsprojekt in Hessen Ende 2017 publik wurde. Knapp die Hälfte seien ernsthafte Interessenten, so Jörg Weber – weit mehr als bei den fünf anderen Wohngenossenschaften in Freiburg, Furtwangen, Waldshut-Tiengen und Nürtingen. Nun beginnt die Auswahl der Bewohner – sie müssen bereit zu einem guten nachbarschaftlichen Miteinander sein. Junge Singles, Familien mit Kindern, eine Inklusions- und eine Demenz-WG und ältere Menschen sollen auf dem Klosterhügel einziehen. Auch Gemeinschaftsräume und eine Gästewohnung sind vorgesehen. Für das Kutscherhaus oder das alte Wohnhaus der Pächter plant die Oekogeno einen Dorfladen mit Bio-Produkten aus der Region und ein Café oder eine Weinstube. Der Komplex bekommt ein Blockheizkraftwerk und Sonnenstrom-Paneele. Der Klostergarten soll von den Bewohnern und der Stadt Niddatal gemeinsam gestaltet und genutzt werden. Die Bewohner können Carsharing-Autos benutzen und über eine Fahrradgarage mit 60 Plätzen verfügen.

Jörg Weber aus Assenheim hat einst die Ökobank in Frankfurt mitgegründet. Jetzt organisiert er das erste genossenschaftliche Wohnprojekt der Oegogeno in Hessen. Foto: Nissen

Probleme bereitet noch die Anbindung: Weder das barocke Torhaus noch die enge Gasse gegenüber sind für die Baufahrzeuge und später für die Autos der Bewohner passierbar. Aktuell steht laut Jörg Weber und dem Denkmalbeirats-Vorsitzenden Gustav Jung eine neue Erschließungsstraße von der Ilbenstädter Ortsdurchfahrt durch den Klostergarten direkt zur Tiefgarage auf dem Plan. Gefährdet ist dabei aber ein Stück der fast tausend Jahre alten Klostermauer, die diesem Plan im Wege steht. Ob man sie umfahren kann, ist noch unklar. Man stimme alle Baupläne eng mit den Denkmalbehörden ab, betont Jörg Weber.

Wer in einer der barrierefreien Wohnungen mit flexiblem Zuschnitt wohnen will, muss Geld mitbringen. Neben einem Genossenschaftsanteil in Höhe von 3000 Euro ist eine unverzinsliche Einlage in Höhe von etwa 20 000 bis 45 000 Euro zu leisten – je nach Wohnungsgröße. Wer auszieht, bekommt sie zurück. Die Mieten sollen wegen relativ geringer Nebenkosten niedriger sein als bei anderen Neubauten. Um genug Eigenkapital für den Bau aufzubringen, sucht die Oekogeno noch Fördergenossen, die ihr verzinsliche Einlagen zur Verfügung stellen.

Hier entstehen die Wohnungen der Oekogeno-Genossenschaft. Sie wachsen dort, wo der querstehende, inzwischen abgerissene Stall liegt. Mit der Giebelseite zum Betrachter fügt sich ein weiterer Neubau mit Satteldach an. Auf dem Gelände im Vordergrund will die Stadt Niddatal einen zusätzlichen Kindergarten bauen. Der Klostergarten liegt links daneben. Foto: Nissen

Die 30 Jahre alte Oekogeno ist eine der größten Bürgerbeteiligungs-Genossenschaften in Deutschland. Bis zu ihrem Verkauf an die GLS-Bank im Jahre 2000 betrieb sie in Frankfurt die Ökobank. Die rund 15000 Genossen werden von Freiburg aus verwaltet. Bisher hat die Genossenschaft laut Vorstand Joachim Bettinger in Süddeutschland rund 25 nachhaltige Wohn-, Forst- oder Landwirtschaftsprojekte angestoßen. In die Start-Finanzierung stecke man jeweils drei Millionen Euro Eigenkapital, die später wieder abgezogen werden.  In den vergangenen zehn Jahren investierten rund 3000 Anleger zwölf Millionen Euro in der Genossenschaft. Die Wertschöpfung betrug dabei nach eigenen Angaben etwa 30 Millionen Euro.


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