Wetterauer Kandidaten

Wer in den Bundestag kommt

Von Klaus Nissen

Wer die Demokratie ernst nimmt, geht am 24. September zur Wahl. Mehr als 255 000 Erwachsene mit deutschem Pass können in den beiden Wetterauer Wahlkreisen jeweils zwei Stimmen abgeben.  Der neue Landbote erklärt, wer die besten Chancen auf ein Bundestagsmandat hat.

Wetterau-Kandidaten aus Main-Kinzig

Die Erststimme gilt für den jeweiligen Direktkandidaten der antretenden Parteien. Pro Wahlkreis kommt der Kandidat mit den meisten Stimmen in den Bundestag. Mit der Zweitstimme kreuzt jeder Wähler die Partei an, die er für besonders kompetent hält. Je nach Stimmenzahl werden dann die Kandidaten nach Berlin geschickt, die weit genug oben auf der Landesliste stehen. Man kann auch den Direktkandidaten von Partei A und die Liste von Partei B wählen.

Auf der schon vor Wochen im Briefkasten gelandeten Wahlbenachrichtigung steht, wo das zuständige Wahlbüro liegt. In nahezu jedem Ort gibt es eins, das man zu Fuß am Sonntag zwischen 8 und 18 Uhr erreichen kann. Die Gemeindeverwaltungen treiben einen großen Aufwand für die Demokratie: Pro Wahllokal müssen mindestens fünf Wahlhelfer im Einsatz sein, die den Urnengang überwachen und am Abend die Stimmzettel auszählen. In Büdingen sind zum Beispiel mehr als 200 Wahlhelfer im Einsatz.

Peter Tauber kommt aus Gelnhausen. Der CDU-Generalsekretär wird auch von Wetterauer Wählerin wieder nach Berlin gewählt. Foto: Wikipedia
Bettina Müller wohnt im Main-Kinzig-Kreis und wird die östliche Wetterau wahrscheinlich wieder im Bundestag vertreten. Sie steht auf dem aussichtsreichen Platz 8 der LSP-Landesliste. Foto: SPD

Die Wetterau gehört zu zwei Wahlkreisen. Der östliche Teil trägt die Nummer 175. Dazu gehören Altenstadt, Büdingen, Gedern, Glauburg, Hirzenhain, Kefenrod, Limeshain und Ortenberg, die Stadt Schotten und aus dem Main-Kinzig-Kreis unter anderem Bad Orb,  Bad Soden-Salmünster, Biebergemünd, Birstein, Brachttal, Flörsbachtal, Freigericht, Gelnhausen und Gründau. Hier leben genau 180 489 Wahlberechtigte – doch bei der letzten Wahl vor vier Jahren gingen nur 72,6 Prozent von ihnen tatsächlich wählen. Die meisten von ihnen (48,8 Prozent) schickten mit ihrer Erststimme den CDU-Bewerber Peter Tauber aus Gelnhausen in den Bundestag. Dort wurde er bald CDU-Generalsekretär. Am Sonntag bewirbt sich der 1974 geborene Politiker erneut um ein Bundestagsmandat.

Mariana Harder-Kühnel aus Gelnhausen steht auf Platz 1 der Afd-Landesliste in Hessen. Sie wird erstmals ein Bundestagsmandat bekommen. Foto: Nissen

Taubers Konkurrentin ist die 1959 geborene Juristin und Sozialdemokratin Bettina Müller. Sie zog 2013 über die SPD-Landesliste in den Bundestag ein und will am Sonntag mehr als die 32,4 Prozent der Erststimmen bekommen, die sie im Jahr 2013 errang. Gute Chancen, in den Bundestag zu kommen, hat auch die Newcomerin Mariana Harder-Kühnel aus Gelnhausen. Denn die 1974 geborene Rechtsanwältin steht auf Platz 1 der AfD-Landesliste für den Bundestag. Weitere Direktkandidaten sind der Grüne Matthias Zach aus Niederdorfelden, der FDP-Mann Pierre Kurh aus Brachttal, der Linke Dirk Methfessel aus Schlüchtern und die beiden Büdinger Ulrich Majunke für die Freien Wähler und Daniel Lachmann für die NPD. Bei den Zweitstimmen errang vor vier Jahren die CDU mit 41,2 Prozent die meisten Stimmen, vor der SPD (27,8 Prozent), den Grünen (7,7), der AfD (6,4), der Linkspartei (5,5) und der FDP (5,1). Aktuelle Wahlergebnisse und Reaktionen der Politiker gibt es am Sonntag ab 18 Uhr im Gelnhausener Landratsamt.

Kandidaten im Westen der Wetterau

Oswin Veith (CDU) hat in der Wetterau schon eine lange politische Karriere hinter sich. Am Sonntag zieht er wahrscheinlich als direkt gewählter Kandidat wieder in den Bundestag ein. Foto: CDU
Natalie Pawlik (SPD) kandidiertzum ersten Mal für den Bundestag. Sie steht auf Platz 14 der Landesliste und hat damit eine reelle Chance, ein Mandat zu bekommen.

Nidda, Ranstadt, Reichelsheim, Wölfersheim und die westlichen Kommungen der Wetterau gehören zum Wahlkreis 177 (Wetterau I). Hier ist der CDU-Bundestagsabgeordnete Oswin Veith wieder Favorit bei den Direktkandidaten. Der 56-Jährige Ex-Bürgermeister von Butzbach bekam 2013 rund 60 000 der 131 000 abgegebenen Wählerstimmen. Mit 47,1 Prozent setzte er sich gegen den Florstädter Sozialdemokraten Stefan Lux durch, der mit 31,9 Prozent auch nicht über die Landesliste in den Bundestag kam. Diesmal kandidiert die erst 25-jährige Bad Nauheimerin Natalie Pawlik für die SPD. Die gebürtige Russlanddeutsche  ist  Assistentin des SPD-Europaabgeordneten Udo Bullmann. Über Platz 14 der Landesliste könnte sie bei einem guten Abschneiden der SPD in den Bundestag kommen. Schwieriger wird das für die Grünen-Kandidatin Kathrin Anders aus Bad Vilbel, den Liberalen Peter Heidt aus Bad Nauheim, Julian Eder (Linke) aus Wöllstadt und den AfD-Mann Klaus Herrmann aus Butzbach. Der pensionierte Kriminalbeamte steht auf Platz 11 der Landesliste. Den Platz davor nimmt der Bad Nauheimer Andreas Lichert ein, der im Hochtaunuskreis für Berlin kandidiert. Im Wahlkreis 177 lag die Wahlbeteiligung zuletzt bei 75,1 Prozent. Die CDU führte mit 40.9 Prozent vor der SPD (27,3), den Grünen (9,4), der AfD und FDP (je 5,9) und der Linkspartei mit 5,2 Prozent.

Parallel zur Bundestagswahl werden die Schottener auch ihre Bürgermeisterin und ihren Landrat neu wählen. Susanne Schaab (SPD) ist einzige Kandidatin für das Rathaus. Zwei Bewerber treten bei der Landratswahl an: Amtsinhaber Manfred Görig (SPD) aus Romrod und Friedel Kappes,  Diplom-Agrarigenieur und Journalist  aus Vadenrod. In Friedberg bestimmen die Wähler auch, wer ab 2018 ihr Bürgermeister wird. Der Erste Stadtrat Dirk Antkowiak (CDU) hatte im ersten Wahlgang mehr Stimmen als sein SPD-Konkurrent Klaus-Dieter Rack.

In Hirzenhain wählen die Bürger am Sonntag auch einen neuen Bürgermeister. Sechs Kandidaten stehen zur Wahl. Verwaltungschef Freddy Kammer klagt derweil gegen seine Abwahl.  In einem Eilverfahren ließ er die Neuwahl eines Nachfolgers durch das Gießener Verwaltungsgericht verbieten. Doch die Gemeinde legte Berufung ein und bekam am 22. September 2017 auf den letzten Drücker noch grünes Licht für die zwei Tage später stattfindende Bürgermeisterwahl. Der Hessische Verwaltungsgerichtshof in Kassel erlaubte sie. Ob am Ende Freddy Kammer oder der neu gewählte Bürgermeister im Rathaus arbeitet, müsse später das Wahlprüfungsverfahren entscheiden.

Briefwahl fast bis zum Schluss

Viel mehr Bürger als in früheren Jahren nutzen die Briefwahl. Wer jetzt noch daran denkt, muss sich sputen. Spätestens bis zum heutigen Freitag, 18 Uhr kann man ihn beantragen, heißt es beim Bundeswahlleiter. Bei plötzlicher schwerer Erkrankung oder in anderen Ausnahmefällen sei ein Briefwahlantrag bis Sonntag, 15 Uhr möglich. Dem Wahlleiter vorliegen muss der ausgefüllte Wahlbrief bis Sonntag, 18 Uhr. I Der Bundeswahlleiter schreibt: „In jedem Fall trägt man selbst das Risiko, dass der Wahlbrief rechtzeitig eingeht“.

 

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